Rückenschmerz und Depression gehen oft Hand in Hand

Psychische Krankheiten und Rückenschmerzen hängen eng zusammen

Unter Kreuzschmerz-Patienten sind psychische Störungen häufiger

Experten vermuten schon lange einen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und der psychischen Verfassung eines Patienten. Den konnte eine großangelegte Studie aus dem Emirat Katar bestätigen. Eine multimodale Schmerztherapie kann Patienten helfen, die unter Rückenschmerzen und psychischen Erkrankungen leiden.

Mann mit Depressionen vor Mauer
Wer unter Depressionen leidet, klagt oft auch über einen schmerzenden Rücken.
Getty Images/Polka Dot RF

Der Volksmund sieht offenbar noch länger eine Verbindung zwischen Rücken und Psyche. Darauf deuten zumindest sprachliche Wendungen hin wie "jemandem den Rücken stärken", "mit dem Rücken zur Wand stehen", "Rückgrat haben" oder "jemanden in den Rücken fallen".

Tatsächlich gilt der Zusammenhang als wissenschaftlich erwiesen: Menschen mit chronischen Rückenschmerzen haben zum Beispiel häufig auch Depressionen. Neuere Zahlen zu der Frage, welche psychischen Erkrankungen bei Kreuzschmerzen vermehrt auftreten können, liefert eine Studie aus dem Emirat Katar.

Mehr psychische Störungen unter Rückenschmerzpatienten

Dort hatten Wissenschaftler aus 2.180 Patienten im Alter zwischen 15 und 65 Jahren mit wissenschaftlichen Fragebögen diejenigen mit Rückenschmerzen sowie Patienten mit psychischen Erkrankungen herausgefiltert. Unter Depressionen litten 13,7 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen.

Bei den Patienten, die keine Kreuzschmerzen hatten, waren es dagegen nur 8,5 Prozent. Auch die Rate der Personen mit Angststörungen oder psychosomatischen Beschwerden war bei den Studienteilnehmern mit Rückenschmerzen erhöht: Unter Angststörungen litten 9,5 Prozent gegenüber 6,2 Prozent in der rückenschmerzfreien Vergleichsgruppe, unter psychosomatischen Störungen 14,9 Prozent gegenüber 8,3 Prozent.

Unerkannte Depression bei chronischen Rückenschmerzen

Noch enger ist der Zusammenhang zwischen chronischen Rückenschmerzen und psychischen Störungen. Das belegt eine weitere aktuelle Studie aus Spanien. Ein Forscherteam um Alejandro Salazar von der Universität in Cádiz hatte 1.006 Patienten mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen untersucht, die in allgemeinmedizinischer Behandlung waren. Die häufigste Form von muskuloskelettalen Schmerzen, also Muskel- und Gelenkschmerzen, sind Rückenschmerzen.

Mit Hilfe von Fragebogentests bestimmten die Wissenschaftler nun diejenigen Patienten, die zusätzlich an einer affektiven Störung litten. Darunter sind psychische Störungen zu verstehen, die über einen längeren Zeitraum hinweg Gemütslage und Antrieb der Betroffenen beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise Depressionen.

Schlafstörungen durch Rückenschmerzen häufig

Bei keinem der Patienten war vor Beginn der Studie eine Gemütskrankheit festgestellt worden. Umso erschreckender die Ergebnisse der Tests: Bei knapp 75 Prozent der Untersuchten lag eine zuvor nicht diagnostizierte affektive Störung vor. Fast 50 Prozent der Studienteilnehmer litt beispielsweise an einer typischen Depression. Der Mehrzahl der Patienten machten zudem Schlafstörungen aufgrund der Schmerzen zu schaffen.

Die Studienautoren folgerten aus den Ergebnissen, dass gerade Hausärzte bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und anderen muskuloskelettalen Beschwerden einen stärkeren Fokus auf Schlafstörungen und Gemütserkrankungen legen sollten, um diese psychischen Störungen bei der Therapie berücksichtigen zu können.

Dass darin ein Schlüssel für eine erfolgreiche Rückenschmerztherapie liegen kann, bestätigen Ärzte der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. Sie setzen schon seit langem auf eine multimodale Schmerztherapie, die ärztliche sowie physio-, ergo- und psychotherapeutische Behandlungen zusammenfasst.

Hohe Erfolgsquote bei depressiven Patienten mit Rückenschmerzen

Die Therapie schlägt bei Rückenschmerzpatienten, die zusätzlich an Depressionen leiden, gut an, wie eine bereits 2010 veröffentlichte Untersuchung der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg zeigt. Dafür hatte  ein Ärzteteam um Professor Marcus Schiltenwolf sechs Monate lang die Ergebnisse der multimodalen Schmerztherapie bei chronischen Rückenschmerzpatienten mit und ohne Depression verglichen.

Bei Letzteren waren die Schmerzen nach sechs Monaten um 49 Prozent zurückgegangen, bei denen ohne Depression betrug dieser Wert nur 15 Prozent. Auch die Rückenfunktion hatte sich bei den depressiven Patienten stärker verbessert (35 Prozent) als bei den nicht-depressiven (25 Prozent). „Es scheint, dass beim Vorliegen einer Depression die multidisziplinären Inhalte der Schmerztherapie einen besonders nachhaltigen Effekt erzielen können“, erklärt sich Studienleiter Schiltenwolf das Ergebnis. Die zu Therapiebeginn beeinträchtigte Lebensqualität habe sich gleichermaßen in beiden Patientengruppen deutlich verbessert.

Multimodale Therapie: Die wichtigsten Bausteine der Behandlung

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Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2015
Quellen: Abdulbari Bener et al., Psychological factors: anxiety, depression, and somatization symptoms in low back pain patients, in: Journal of Pain Research 2013; 6: 95–101 Alejandro Salazar et al., Undiagnosed Mood Disorders and Sleep Disturbances in Primary Care Patients with Chronic Musculoskeletal Pain, in: Pain Medicine 2013, online veröffentlicht am 06.06.2013 Depressionen und Co: Schmerzen machen das Gemüt krank, in: Ärztezeitung online vom 02.08.2013 Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg vom 18.11.2010, "Wenn zu Rückenschmerzen auch noch Depressionen kommen"

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