Eingriff nur nach schweren Vorfällen

Bandscheiben-Operation ist nur selten notwendig

Operation ist nur selten notwendig
Moderne Schmerztherapien helfen oft, ohne dass der Bandscheibenvorfall operiert werden muss.
Getty Images/iStockphoto

Die meisten Bandscheibenvorfälle können mit konservativen, nicht-operativen Methoden behandelt werden. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen, die infolge des Bandscheibenvorfalls auftreten, zu beseitigen und die Beweglichkeit des Erkrankten wiederherzustellen.

Grundsätzlich gilt: Jeder Patient mit Bandscheibenvorfall sollte so schonend wie möglich behandelt werden. "Die Kernspintomographie ist heute das Verfahren der Wahl, um Bandscheibenvorfälle zu diagnostizieren", sagt Carmen Leichtle von der Orthopädischen Uniklinik Tübingen. Allerdings seien bei der Hälfte aller Menschen jenseits der 50 Bandscheibenvorfälle in den Kernspinaufnahmen sichtbar, obwohl sie keine Beschwerden verursachen und "demnach auch nicht operiert werden müssen".

Die Indikation zur Bandscheiben-Operation müsse sehr kritisch und individuell abgewogen werden, so Leichtle: "Nach meiner Erfahrung ist die Operation nicht immer die einzige und beste Option." Zunächst kommen konservative Therapiemöglichkeiten zum Einsatz. "Bei kleineren Bandscheibenvorfällen zum Beispiel, die keine neurologischen Störungen verursachen, raten wir meist abzuwarten", sagt sie. Durch Schmerzmittel, körperliche Schonung, Physiotherapie sowie Haltungsschulung lasse sich die Beschwerdesymptomatik häufig in den Griff bekommen. Zum Teil sei eine lokale Infiltrationstherapie hilfreich.

Klemmt die Bandscheibe den Nerv stark ein, hilft nur noch eine OP

Erst wenn verschiedene konservative Maßnahmen nicht zum Erfolg führen oder wenn Lähmungserscheinungen oder sonstige auftreten, kommen minimal-invasive Schmerztherapien oder sogar operative Eingriffe in Betracht: "Klare Indikationen für eine schnelle Operation sind fortschreitende neurologische Störungen wie eine Schwäche im Bein oder gar Störungen von Blase und/oder Darm", sagt Expertin Leichtle. Durch die OP könne hier das Risiko bleibender Schäden minimiert werden. Auch im Fall eines sehr großen Bandscheibenvorfalls, der nahezu den gesamten Nervenkanal verlegt und die Nervenwurzeln stark komprimiert, sei eine frühzeitige Operation sinnvoll und anzuraten, so die Fachärztin.

Konservative Schmerztherapien beim Bandscheibenvorfall

Konservative Schmerztherapien kommen ohne operativen Eingriff in den Körper aus. Dazu zählen:

  • physiotherapeutische Maßnahmen (Stufenbettlagerung, Krankengymnastik, Massagen)
  • physikalische Anwendungen (Kälte, Wärme)
  • der Einsatz schmerzstillender Medikamente
  • örtliche Schmerzbehandlung (Akupunktur)
  • Rückenschule

Bei akuten Schmerzen, die infolge eines Bandscheibenvorfalls auftreten, kann vorübergehend Bettruhe mit spezieller Stufenbettlagerung notwendig sein. Der Patient liegt dabei auf dem Rücken, während seine Unterschenkel auf einem Würfel lagern, sodass Knie- und Hüftgelenke gebeugt sind. Zusätzlich werden schmerzstillende und muskelentspannende Medikamente verabreicht.

Um eine baldige Mobilisierung zu erreichen, beginnt man so schnell wie möglich, aber vorsichtig mit Krankengymnastik. Im Vordergrund stehen dabei Übungen zur Dehnung, Lockerung und Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur. Dadurch sollen die Schmerzspirale unterbrochen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule wiederhergestellt werden.

Muskelverspannungen, die als Reflex auf den Schmerz entstanden sind, können durch den Einsatz physikalischer Therapien mit Kälte- und Wärmeanwendungen sowie Massagen gelöst werden. Langfristig wird Patienten nach einem Bandscheibenvorfall empfohlen, eine Rückenschule zu besuchen. Hier lernen sie zum einen Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskeln. Zum anderen erhalten die Betroffenen Tipps für den Alltag, etwa Informationen darüber, wie sie Arbeitsplatz und die eigenen vier Wände rückenfreundlich umgestalten können.

Auch das Erlernen von Entspannungstechniken wie der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga oder Autogenem Training kann ein Weg sein, langfristig die Rückengesundheit zu verbessern. Die Mehrzahl der Bandscheibenvorfälle heilt mit konsequent durchgeführten konservativen Therapien ohne weitere Folgen ab.

Mit Wärme den Rückenschmerz vertreiben

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 14. März 2014
Durch:
Quellen: Experteninterview der Uni Tübingen zu Bandscheibenvorfällen: http://www.idw-online.de/de/news534347; AWMF-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO) "Bandscheibenbedingte Ischialgie" (Nr. 033/022, Stand: 2002); Niethard, F.U. & Pfeil, J.: Orthopädie sowie Wirbelsäulenliga e.V.

Interessante Beiträge

Rückenschmerzen

Sportarten, die den Rücken stärken
Tipps und Prävention

Bewegungsmangel ist oft schuld am Schmerz. Welche Sportarten Ihrem Rücken gut tun mehr...

Wieso Frauen es öfter im Kreuz haben
Geschlechtsspezifische Unterschiede

Monatsblutung oder Schwangerschaft können Schmerzen verursachen. Andere Auslöser sind hausgemacht mehr...

ANZEIGE

Noch Fragen zu Rückenschmerzen?

Dr. Frank Stehn beantwortet Ihre Rückenschmerz-Fragen - kostenlos und innerhalb weniger Tage

zum Expertenrat
Rücken-Forum

Einfach mal Dampf ablassen und mit anderen Rückenschmerzpatienten quatschen? Hier gehts zum Forum!

zum Forum
Selbsttests
Kostenlose Apps
Videos
Aktuelle Fragen

Zum Seitenanfang