Bandscheibenerkrankungen

Diagnose häufig, Versorgung noch lückenhaft

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Die richtige Versorgung ist wichtig: Bandscheibenvorfälle können zu ernsten Beschwerden führen.
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Bandscheibenerkrankungen sind ein häufiges Problem, jeder 60. Versicherte in Deutschland wird deswegen sogar zeitweise oder dauerhaft arbeitsunfähig. Doch die Versorgung der Betroffenen ist noch lückenhaft.

Häufige Diagnose Bandscheibenschaden

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden geworden und inzwischen einer der häufigsten Gründe für den Besuch beim Hausarzt. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind der häufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Wer unter Rückenschmerzen leidet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für einen späteren Bandscheibenschaden - bei jedem 20. gesetzlich Versicherten wird mittlerweile ein solcher festgestellt, Tendenz steigend. Allein zwischen 2004 und 2007 stieg die Häufigkeit der Diagnose Bandscheibenverlagerung in der Lendenwirbelsäule um 20 Prozent. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen eines Bandscheibenschadens im Bereich der Lendenwirbelsäule nahm von 2000 bis 2007 um 40 Prozent zu. Neben den Problemen, die sich daraus für die Betroffenen und ihre Angehörigen selbst ergeben, entstehen hohe Kosten für das Gesundheitssystem: je nach Schweregrad und Therapie jedes Jahr 200 bis 4.500 Euro pro Fall.

Und trotzdem: Große Versorgungslücken klaffen

Die Versorgung bei der Vorbeugung und Nachsorge von Bandscheibenleiden ist jedoch - ungeachtet der großen medizinischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung - derzeit noch lückenhaft. Das zeigt der im Herbst 2009 durch die Gmünder Ersatzkasse (GEK) veröffentlichte Bandscheiben-Report. Den Angaben zufolge wird bei fast zwei Dritteln der Betroffenen eine Bandscheibenverlagerung im Lendenwirbelbereich zur Dauerdiagnose, ohne dass eine angemessene Behandlung durchgeführt wird. Nur etwa jeder Fünfte der operierten Bandscheibenpatienten erhält nach dem Krankenhausaufenthalt eine Anschlussheilbehandlung oder eine aktivierende Reha-Maßnahme. Bei fast der Hälfte der Patienten, die wegen eines Bandscheibenleidens in eine Klinik eingewiesen werden müssen, dauert es zwischen der stationären Versorgung und dem Beginn anschließender ambulanter Rehabilitations- und Behandlungsmaßnahmen mindestens vier Wochen - Zeit, die ungenutzt verstreicht und das Risiko für eine Chronifizierung der Beschwerden erhöht.

Behandlung erfolgt oft entsprechend der Leitlinien

Der GEK-Bandscheiben-Report zeigt auch, dass die meisten Patienten mit Bandscheibenleiden, die einer Behandlung zugeführt werden, entsprechend den aktuellen Leitlinien behandelt werden. Beispielsweise erhalten sie, wenn die Diagnose in der Arztpraxis zum ersten Mal gestellt worden ist, spezielle Arzneimittel wie muskelentspannende Medikamente und Schmerzmittel. Diese sollen akute Schmerzen lindern und die Beweglichkeit wiederherstellen.

 

Nach dem Krankenhausaufenthalt werden dann vor allem aktivierende Therapiemaßnahmen verordnet, wie Krankengymnastik, Wärme- oder Kältetherapien, Massagen oder Elektrotherapien. Sie können zu einer langfristigen Besserung der Beschwerden beitragen. Maßnahmen dagegen, die zur Immobilisierung der Patienten führen, wie Bettruhe oder spezielle Lagerungstechniken, werden offenbar nur sehr selten und in bestimmten Fällen angewandt. Vorrangiges Therapieziel ist neben der Schmerzfreiheit die Aktivierung und Mobilisierung der Patienten.

Vorsorge und Reha müssen verbessert werden

Der Bericht der GEK hebt hervor, dass vor allem die Leistungen zur Vorsorge und Rehabilitation bei Bandscheibenerkrankungen verbessert werden müssen. So wird auf die in klinischen Studien durch vorbeugende Maßnahmen erzielten Erfolge hingewiesen. Z.B. hätte sich in einer Untersuchung bei Patienten mit tiefsitzenden Rückenschmerzen, die nicht operiert wurden, ein drei Jahre dauerndes, aktives Rückenschulprogramm als vorteilhaft erwiesen. Physikalische Therapien würden deshalb ebenso in ein umfassendes Behandlungskonzept von Bandscheibenerkrankungen gehören wie psychosoziale, psychosomatische, neuropsychologische und psychotherapeutische Maßnahmen, heißt es im Report.

Auf welcher Grundlage wird der GEK-Report erstellt?

Die Grundlage für den GEK-Bandscheiben-Report bilden routinemäßig erhobene Daten aller Versicherten der Gmünder ErsatzKasse (GEK), bei denen im Jahr 2005 ambulant und/oder stationär erstmalig eine Bandscheibenerkrankung festgestellt wurde. Erfasst wurden Bandscheibenschäden im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule, einschließlich der Verlagerung von Bandscheibengewebe. In die Analyse gingen alle ambulanten und stationären Leistungen ein, die über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren erfolgten, sowie der jeweilige Behandlungserfolg.

Warnsignal Rückenschmerz: Wann zum Arzt?
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    Wenn kurzzeitige Selbstbehandlung nicht anschlägt

    Treten akute Rückenschmerzen auf, behelfen sich viele Betroffene zunächst selbst etwa mit Wärmeanwendungen, Massagen oder rezeptfreien Schmerzmitteln. Doch Achtung: Wenn nach drei bis vier Tagen immer noch Schmerzen bestehen, sollten Sie spätestens dann zum Arzt gehen. Ein Hinauszögern ohne eine wirksame Therapie kann bewirken, dass die Rückenschmerzen chronisch werden, was die Behandlung oft deutlich erschwert.

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    Wenn immer wieder akute Schmerzen auftreten

    Immer wiederkehrende akute Rückenschmerzen sind auf jeden Fall ein Alarmsignal. Dahinter können sich auch Krankheiten verbergen, die unbehandelt manchmal zu schweren und folgenreichen Komplikationen führen. Eine Wirbelsäulenverletzung kann beispielsweise den Wirbelkanal verengen und früher oder später Nerven in Mitleidenschaft ziehen. Warten Sie nicht und lassen Sie die Ursache der Schmerzen am besten umgehend beim Arzt abklären!

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    Wenn die Schmerzen im Zusammenhang mit seelischer Belastung bestehen

    Eine depressive Grundstimmung und anhaltender psychischer Stress etwa durch eine hohe Arbeitsbelastung, lassen die Muskeln verspannen und sorgen häufig für Rückenschmerz. Mehr noch: Die negativen psychischen Einflüsse fördern auch die Chronifizierung, also das Fortbestehen der Schmerzen, in erheblichem Maß. Wenn Rückenschmerzen im Zusammenhang mit seelischer Anspannung und Belastung auftreten, ist es daher ratsam, schnell zum Arzt zu gehen und gegebenenfalls psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen – damit die Rückenprobleme nicht zum Dauerthema werden.

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    Sofort zum Arzt bei starken Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit

    Ernstzunehmende Warnsignale in Verbindung mit Rückenschmerzen sind starke, ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen oder auch ein plötzlicher Kontrollverlust über Blase und Darm. In diesen Fällen sollten Sie sofort den Notarzt rufen. Die Symptome können beispielsweise Folge eines Bandscheibenvorfalls oder einer verletzungsbedingten Verengung des Wirbelsäulenkanals sein, wodurch Nervenwurzeln oder das Rückenmark gedrückt und gereizt werden. Auch Verletzungen mit Funktionseinschränkungen und im Extremfall Funktionsausfällen können drohen.

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    Bei zusätzlichen Beschwerden wie Fieber oder Gewichtsverlust

    Höchste Vorsicht geboten ist auch bei gleichzeitig mit Rückenschmerzen auftretendem Fieber und/oder Gewichtsverlust wie auch bei positionsabhängigen Schmerzen. Auch hier empfiehlt sich ein möglichst umgehender Arztbesuch. In diesen Fällen muss der Arzt ernste Ursachen wie Entzündungen und andere Erkrankungen ausschließen.

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Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2010
Quellen: Nach Informationen von GEK-Bandscheiben-Report. Versorgungsforschung mit GEK-Routinedaten. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 70. Hrsg. GEK – Gmünder ErsatzKasse, September 2009

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