Symptome des Diskusprolaps

Woran Sie einen Bandscheibenvorfall erkennen

Oft heftige Beschwerden und ernsthafte Langzeitfolgen-93986872.jpg
Starke Schmerzen an Hals und Rücken können Symptome eines Bandscheibenvorfalls sein.

Starke Schmerzen im Hals- und Rückenbereich, die in die Arme oder Beine ausstrahlen, können Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls sein. Am häufigsten betroffen sind die Lenden- und Halswirbelsäule.

Wie kommt es zum Bandscheibenvorfall? Im Laufe des Lebens nimmt die Elastizität des Faserrings rund um die Bandscheibe ab. Der Bandscheibenkern kann verrutschen und den Faserring wölben. Zerreißt der Faserring, gleitet der Gallertkern in den Wirbelkanal, ein klassischer Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) entsteht. Das ausgetretene Bandscheibengewebe drückt auf die umliegenden Nerven und verursacht in der Regel starke, meist stechende Schmerzen.

Bewegliche Bandscheiben sind der wunde Punkt des Rückens

Die Bandscheiben, auch Zwischenwirbelscheiben genannt, befinden sich jeweils zwischen zwei knöchernen Wirbeln der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem weichen gallertartigen Kern, der von einem Ring aus Faserknorpel gehalten wird. Die Bandscheiben stellen eine elastische Verbindung zwischen den knöchernen Wirbelkörpern her und schaffen damit die Voraussetzung für die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Außerdem puffern die Bandscheiben wie ein Federungssystem alle Erschütterungen ab, die bei Bewegungen auf die Wirbelsäule einwirken. Das schützt zum einen die knöchernen Anteile der Wirbelsäule und zum anderen die Nervenfasern des Rückenmarks, die innerhalb der Wirbelsäule im sogenannten Spinalkanal verlaufen.

Wo der Schmerz sitzt, wie intensiv er ist und welche weiteren Beschwerden auftreten, hängt in erster Linie davon ab, an welcher Stelle der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall auftritt.

Schmerzen und Empfindungsstörungen in Hals und Armen

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule verursacht meist scharfe, stechende Schmerzen im Hals (Nackenbereich) und im Arm. Die Schmerzen können bis in die Hand ausstrahlen. Drückt das ausgetretene Bandscheibengewebe auf das Rückenmark, treten Empfindungsstörungen (Kribbeln, Taubheit) im Bereich der Arme und in schweren Fällen Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen mit Störungen der Fein- und Grobmotorik auf. Betroffene wirken oft ungeschickt und lassen Gegenstände fallen.

Ungewöhnliches Bandscheibenvorfall-Symptom: Druckschmerz auf den Rippen

Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule sind insgesamt eher selten, da die Wirbelsäule im Brustbereich nur gering beweglich ist. Kommt es doch dazu, treten meist Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke auf. Die resultierenden Schmerzen sind gürtelförmig und strahlen entlang der Rippen aus. Oft besteht eine Druckschmerzempfindlichkeit.

Mehr über die Symptome des Bandscheibenvorfalls lesen Sie auf Seite zwei!

 

Schmerzen im Lendenbereich und Beinen

Die meisten Bandscheibenvorfälle treten im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Auch hierbei ist ein scharfer, stechender Schmerz das häufigste Symptom. Er kann auf den unteren Rücken begrenzt sein, aber auch über den Oberschenkel und das Kniegelenk bis in den Fuß ausstrahlen. Husten, Niesen oder Pressen im Bauchbereich verstärken die Schmerzen. Oft nehmen die Betroffenen nach dem Bandscheibenvorfall eine Schonhaltung ein, in der sie die Schmerzen am besten aushalten können. Drückt die herausgetretene Bandscheibe auf die zum Rückenmark verlaufenden Nervenwurzeln, sind Empfindungsstörungen (Taubheit, Kribbeln), Muskelschwäche und Lähmungen im Bereich der Beine möglich.

Notfall Blasen- und Darmfunktionsstörungen!

Im Rückenmark verlaufen nicht nur die Nervenfasern für die Arme und Beine, sondern auch die Nerven, die die Harnblasen- und Darmfunktion regulieren. Drückt herausgetretenes Bandscheibengewebe auf diese Nervenfasern, können Lähmungen der Harnblase und des Mastdarms mit nicht mehr steuerbarem Harn- und Stuhlabgang (Inkontinenz) die Folge sein. Auch Gefühlsstörungen an den Innenseiten der Oberschenkel, im Bereich der Genitalien und der Region um den Anus ("Reithosenanästhesie") sind möglich. Bei solchen Beschwerden sollte unverzüglich ein Notarzt verständigt werden. Denn oft ist eine sofortige Operation unvermeidlich, damit keine bleibenden Schäden entstehen.

Langfristig werden Nerven geschädigt

Auch bei akut nur mäßigen Beschwerden sollte ein Bandscheibenvorfall immer dem Arzt vorstellt und möglichst früh behandelt werden. Denn tritt das Bandscheibengewebe aus, ist seine Pufferfunktion zwischen den knöchernen Wirbelkörpern nicht mehr gegeben. Als Folge reiben die Wirbelkörper aufeinander und nutzen sich ab (Spondylose). Nach und nach verliert die Wirbelsäule in dem betroffenen Bereich ihre Beweglichkeit und versteift. Von den Patienten wird das oft zunächst als wohltuend empfunden, da die Schmerzen verschwinden. Langfristig jedoch kann dies zu vielfältigen Funktionsstörungen führen.

Um die Wirbelsäule zu stabilisieren, bildet sich an den zunehmend abgenutzten Wirbelkörpern zusätzliches Knochengewebe. Diese Knochenwucherungen verengen den Spinalkanal (Spinalkanalstenose) und klemmen das Rückenmark ein. Auf Dauer werden die Nerven geschädigt. Je nach Lokalisation und Forschreitungsgrad dieses Vorganges können Patienten zunehmend Schmerzen, Empfindungsstörungen, Störungen der Feinmotorik, Muskellähmungen und Gangunsicherheit entwickeln.

Warnsignal Rückenschmerz: Wann zum Arzt?
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    Sofort zum Arzt bei starken Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit

    Ernstzunehmende Warnsignale in Verbindung mit Rückenschmerzen sind starke, ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen oder auch ein plötzlicher Kontrollverlust über Blase und Darm. In diesen Fällen sollten Sie sofort den Notarzt rufen. Die Symptome können beispielsweise Folge eines Bandscheibenvorfalls oder einer verletzungsbedingten Verengung des Wirbelsäulenkanals sein, wodurch Nervenwurzeln oder das Rückenmark gedrückt und gereizt werden. Auch Verletzungen mit Funktionseinschränkungen und im Extremfall Funktionsausfällen können drohen.

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    Wenn kurzzeitige Selbstbehandlung nicht anschlägt

    Treten akute Rückenschmerzen auf, behelfen sich viele Betroffene zunächst selbst etwa mit Wärmeanwendungen, Massagen oder rezeptfreien Schmerzmitteln. Doch Achtung: Wenn nach drei bis vier Tagen immer noch Schmerzen bestehen, sollten Sie spätestens dann zum Arzt gehen. Ein Hinauszögern ohne eine wirksame Therapie kann bewirken, dass die Rückenschmerzen chronisch werden, was die Behandlung oft deutlich erschwert.

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    Wenn immer wieder akute Schmerzen auftreten

    Immer wiederkehrende akute Rückenschmerzen sind auf jeden Fall ein Alarmsignal. Dahinter können sich auch Krankheiten verbergen, die unbehandelt manchmal zu schweren und folgenreichen Komplikationen führen. Eine Wirbelsäulenverletzung kann beispielsweise den Wirbelkanal verengen und früher oder später Nerven in Mitleidenschaft ziehen. Warten Sie nicht und lassen Sie die Ursache der Schmerzen am besten umgehend beim Arzt abklären!

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    Wenn die Schmerzen im Zusammenhang mit seelischer Belastung bestehen

    Eine depressive Grundstimmung und anhaltender psychischer Stress etwa durch eine hohe Arbeitsbelastung, lassen die Muskeln verspannen und sorgen häufig für Rückenschmerz. Mehr noch: Die negativen psychischen Einflüsse fördern auch die Chronifizierung, also das Fortbestehen der Schmerzen, in erheblichem Maß. Wenn Rückenschmerzen im Zusammenhang mit seelischer Anspannung und Belastung auftreten, ist es daher ratsam, schnell zum Arzt zu gehen und gegebenenfalls psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen – damit die Rückenprobleme nicht zum Dauerthema werden.

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    Bei zusätzlichen Beschwerden wie Fieber oder Gewichtsverlust

    Höchste Vorsicht geboten ist auch bei gleichzeitig mit Rückenschmerzen auftretendem Fieber und/oder Gewichtsverlust wie auch bei positionsabhängigen Schmerzen. Auch hier empfiehlt sich ein möglichst umgehender Arztbesuch. In diesen Fällen muss der Arzt ernste Ursachen wie Entzündungen und andere Erkrankungen ausschließen.

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Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 02. August 2013
Quellen: Nach Informationen von Niethard, F.U. und Pfeil, J.: Orthopädie. Hippokrates Verlag Stuttgart ,1992

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