Neurologische Störungen

Bandscheibenvorfall: Wann ist eine Operation nötig?

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Ein Bandscheibenvorfall wird minimalinvasiv operiert - wenn überhaupt.
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Bei einem Bandscheibenleiden wird zunächst versucht, Rückenschmerzen und andere Beschwerden nicht-operativ zu behandeln. Nur wenn diese Maßnahmen nicht helfen und Nervenschädigungen drohen, ist eine Operation notwendig.

Nach einem Bandscheibenvorfall fragen sich die meisten Patienten: "Muss ich nun operiert werden?" Dabei ist es in den meisten Fällen nicht nötig, zum Skalpell zu greifen.

Konservative Therapien des Bandscheibenvorfalls umfassen die Einnahme oder das Spritzen von Schmerzmitteln, Krankengymnastik und Rückenschule. Aber auch sogenannte interventionelle, minimal-invasive Schmerztherapien zählen dazu, etwa verschiedene Injektionsverfahren, bei denen über feine Kanülen Medikamente direkt in die Bandscheibe eingebracht werden.

Erst wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen oder etwa bei einem akuten Bandscheibenvorfall Nerven eingeklemmt werden, sodass dauerhafte Schädigungen und Lähmungen drohen, wird eine operative Therapie notwendig.

"Die Bandscheibenoperation erfolgt heutzutage mikrochirurgisch, also über einen kleinen Schnitt am Rücken und unter Verwendung eines Mikroskops oder einer Kamera, wie man sie von Gelenkspiegelungen kennt", sagt Carmen Leichtle, Professorin an der Medizinischen Uniklinik der Tübinger Universität. Der Eingriff sei  mit 30 bis 60 Minuten relativ kurz. Dennoch handele es sich nicht um eine risikofreie OP. "Es ist grundsätzlich streng abzuwägen, wann eine Operation wirklich Sinn hat und wann nicht", sagt Leichtle.

Eine Operation der vorgefallenen Bandscheibe sei darüber hinaus "nur die halbe Miete", so die Expertin aus Tübingen. Patienten müssten sich langfristig ein rückengerechtes Verhalten in Alltag und Freizeit angewöhnen und die Rumpfmuskulatur stärken. "Die operative Entfernung des Bandscheibenvorfalls zielt auf Behebung oder Verbesserung der akuten Beschwerden ab", ändere aber nichts an der defekten Bandscheibe, sagt sie. Die Bandscheibe könne in der Folge erneut Beschwerden verursachen oder sogar eine weitere Operation erfordern.

Multimodale Schmerztherapie - wirkungsvoller Ansatz bei Bandscheibenproblemen

Als ein wirkungsvoller Ansatz zur Behandlung von Rückenschmerzen infolge eines Bandscheibenvorfalls hat sich die sogenannte multimodale Schmerztherapie erwiesen. Dabei wird eine intensive anti-entzündliche Schmerzbehandlung (sowohl konservativ als auch interventionell) mit körperlichem Bewegungstraining (Krankengymnastik, Rückenschule), psychotherapeutischen Therapien zum Erlernen von Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken, ergotherapeutischen Maßnahmen sowie einer Aufklärung der Patienten über Schmerzentstehung und Risikofaktoren kombiniert.

Die Therapie dauert im Allgemeinen mehrere Wochen und wird ganztags in einer spezialisierten ambulanten Einrichtung durchgeführt.

Nur Operation, wenn Nervenschädigungen drohen

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Reicht eine solche intensive Therapie nicht aus und gehen die Rückenbeschwerden auch nach mehreren Wochen (in der Regel zwölf Wochen) nicht zurück, ziehen Arzt und Patient gemeinsam operative Maßnahmen in Erwägung. Dazu zählen minimal-invasive Verfahren (sogenannte „Knopflochchirurgie“) und offene Operationstechniken. Zudem muss operiert werden, wenn durch einen akuten Bandscheibenvorfall Nerven eingeklemmt werden und dauerhafte Schäden drohen.

Besteht die Gefahr von anhaltenden Schäden?

Es gibt jedoch Beschwerden nach dem Bandscheibenvorfall, bei denen Patienten unverzüglich zum Arzt gehen sollten. Zu den Warnzeichen gehören:

  • Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen mit Störungen der Fein- und Grobmotorik (Fallenlassen von Gegenständen, Gangunsicherheit)
  • unwillkürlicher Harn- und Stuhlabgang, die Anzeichen einer Lähmung der Harnblase und des Mastdarms sein können
  • Empfindungsstörungen an den Innenseiten der Oberschenkel, im Bereich der Genitalien und der Region um den Anus ("Reithosenanästhesie");
  • plötzliche, gemeinsam mit den anderen Beschwerden auftretende Impotenz.
Warnsignal Rückenschmerz: Wann zum Arzt?
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    Sofort zum Arzt bei starken Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit

    Ernstzunehmende Warnsignale in Verbindung mit Rückenschmerzen sind starke, ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen oder auch ein plötzlicher Kontrollverlust über Blase und Darm. In diesen Fällen sollten Sie sofort den Notarzt rufen. Die Symptome können beispielsweise Folge eines Bandscheibenvorfalls oder einer verletzungsbedingten Verengung des Wirbelsäulenkanals sein, wodurch Nervenwurzeln oder das Rückenmark gedrückt und gereizt werden. Auch Verletzungen mit Funktionseinschränkungen und im Extremfall Funktionsausfällen können drohen.

    Getty Images/Ingram Publishing

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    Wenn kurzzeitige Selbstbehandlung nicht anschlägt

    Treten akute Rückenschmerzen auf, behelfen sich viele Betroffene zunächst selbst etwa mit Wärmeanwendungen, Massagen oder rezeptfreien Schmerzmitteln. Doch Achtung: Wenn nach drei bis vier Tagen immer noch Schmerzen bestehen, sollten Sie spätestens dann zum Arzt gehen. Ein Hinauszögern ohne eine wirksame Therapie kann bewirken, dass die Rückenschmerzen chronisch werden, was die Behandlung oft deutlich erschwert.

    Getty Images/iStockphoto

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    Wenn immer wieder akute Schmerzen auftreten

    Immer wiederkehrende akute Rückenschmerzen sind auf jeden Fall ein Alarmsignal. Dahinter können sich auch Krankheiten verbergen, die unbehandelt manchmal zu schweren und folgenreichen Komplikationen führen. Eine Wirbelsäulenverletzung kann beispielsweise den Wirbelkanal verengen und früher oder später Nerven in Mitleidenschaft ziehen. Warten Sie nicht und lassen Sie die Ursache der Schmerzen am besten umgehend beim Arzt abklären!

    Getty Images/iStockphoto

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    Wenn die Schmerzen im Zusammenhang mit seelischer Belastung bestehen

    Eine depressive Grundstimmung und anhaltender psychischer Stress etwa durch eine hohe Arbeitsbelastung, lassen die Muskeln verspannen und sorgen häufig für Rückenschmerz. Mehr noch: Die negativen psychischen Einflüsse fördern auch die Chronifizierung, also das Fortbestehen der Schmerzen, in erheblichem Maß. Wenn Rückenschmerzen im Zusammenhang mit seelischer Anspannung und Belastung auftreten, ist es daher ratsam, schnell zum Arzt zu gehen und gegebenenfalls psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen – damit die Rückenprobleme nicht zum Dauerthema werden.

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    Bei zusätzlichen Beschwerden wie Fieber oder Gewichtsverlust

    Höchste Vorsicht geboten ist auch bei gleichzeitig mit Rückenschmerzen auftretendem Fieber und/oder Gewichtsverlust wie auch bei positionsabhängigen Schmerzen. Auch hier empfiehlt sich ein möglichst umgehender Arztbesuch. In diesen Fällen muss der Arzt ernste Ursachen wie Entzündungen und andere Erkrankungen ausschließen.

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Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 16. März 2014
Durch: Sarah Wagner
Quellen: Experteninterview der Uni Tübingen zu Bandscheibenvorfällen: http://www.idw-online.de/de/news534347;„Lumbale Radikulopathie “, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Stand: 2008). URL: http://www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_079.pdf; Mayo Clinic: „Back surgery: When is it a good idea?“. URL: http://www.mayoclinic.com/health/back-surgery/HQ00305/METHOD=print (Stand: 04.08.2010); „Health Care Guideline: Adult Low Back Pain“, Hrsg. Institute for Clinical Systems Improvement, Thirteenth Edition November 2008, URL: http://www.icsi.org/low_back_pain/adult_low_back_pain__8.html; Olivero, WC et al.: Cauda equina syndrome (CES) from lumbar disc herniations. In: Journal of Spinal Disorders & Techniques, 22(3), (2009), S. 202-206

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