Akute und chronische Rückenschmerzen: Was ist der Unterschied?

Erst wenn der Rückenschmerz sich selbstständig macht, entsteht chronischer Schmerz. Eine rasche Behandlung akuter Beschwerden beugt vor

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Akut oder chronisch? Die richtige Diagnose hilft bei der erfolgreichen Behandlung.
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Die Unterscheidung von akuten und chronischen Rückenschmerzen hat für die Therapie und den zu erwartenden Krankheitsverlauf eine große Bedeutung. Die Behandlung chronischer Rückenschmerzen ist deutlich komplexer.

Kommt ein Patient mit schmerzendem Kreuz in die ärztliche Praxis, führt der Arzt zunächst eine gründliche Befragung nach der Art und Dauer der Beschwerden sowie eine körperliche Untersuchung durch. Dabei will er u.a. herausfinden, ob es sich um akute oder chronische Rückenschmerzen handelt. Für den weiteren Krankheitsverlauf und die Behandlung hat diese Unterscheidung große Bedeutung.

Akuter Schmerz: Warnsignal für Schädigung

Bei einer Schmerzdauer von maximal 6 Wochen gelten Rückenschmerzen als akut. Bei einer Schmerzdauer von 6-12 Wochen spricht man von subakutem Rückenschmerz. Grundsätzlich werden akute Schmerzen als Warnsignal angesehen, da sie praktisch immer auf eine körperliche Ursache zurückzuführen sind. Ihre Dauer und Intensität hängen in der Regel vom Ausmaß der zugrunde liegenden Schädigung ab. Dies heißt, das Schmerzerleben lässt sich meist eindeutig aufgrund der körperlichen Ursache erklären.

Akute Schmerzen zeigen oft schnell eine Tendenz zur Besserung. So gehen akute Rückenschmerzen in neun von zehn Fällen rasch durch die Behandlung zurück oder bessern sich sogar, ohne dass überhaupt eine Therapie stattfand. Bei fünf bis zehn Prozent aller Rückenschmerzpatienten jedoch kommt es zur Chronifizierung der Schmerzen, sodass eine weitergehende Diagnostik und Therapie notwendig wird.

Chronischer Schmerz: Eigenständige Erkrankung

Halten Rückenschmerzen länger als 12 Wochen an, gelten sie als chronisch. Auch episodische Schmerzen, die an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres auftreten, gelten als chronisch. Einerseits können Schmerzen fortbestehen, weil keine ursächliche Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung möglich ist. Andererseits ist chronischer Schmerz immer auch mit einer Tendenz zu einer Verselbständigung des Schmerzes - unabhängig von der ursprünglich zugrunde liegenden Ursache - verbunden. Selbst wenn die ursprüngliche Schmerzursache ausgeschalten ist, kann Schmerz weiterbestehen. Dies kann körperliche, psychologische und soziale Ursachen haben.

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So können durch die anhaltende Reizung der zum Gehirn führenden sensiblen Nervenbahnen Mechanismen der Schmerzweiterleitung und der Schmerzwahrnehmung verändert sein. Auch Angst vor Schmerz oder Depressionen aufgrund von Schmerz und weitere Faktoren können sich wiederum auf das Schmerzerleben auswirken. Mediziner sehen chronischen Schmerz deshalb als eigenständige Erkrankung an, bei der dem Gehirn Schmerzinformationen vermittelt werden, selbst wenn im Extremfall kein auslösender Reiz mehr vorhanden ist.

Chronische Rückenschmerzen neigen im Laufe der Zeit zur Verschlechterung und sind in den meisten Fällen mit Schmerzmitteln allein nicht erfolgreich zu behandeln. Sie bedürfen stattdessen interdisziplinärer, multimodaler Therapieansätze, die den verschiedenen Dimensionen ihrer Entstehung gerecht werden.

Therapie akuter Rückenschmerzen

Akute Rückenschmerzen können oftmals gut mit Schmerzmitteln, wie nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) und COX-2-Hemmern, nur selten Opioiden, behandelt werden. Auch Mittel zur Muskelentspannung (Muskelrelaxanzien)  können hilfreich sein. Bei akuten Schmerzzuständen kommt es auf einen möglichst schnellen Wirkeintritt der Medikamente an. Deshalb empfehlen sich Arzneimittel mit rascher Wirkstofffreisetzung besonders, die bei chronischen Rückenschmerzen in der Regel nicht eingesetzt werden. Meist wird die Schmerztherapie nur wenige Tage durchgeführt.

Da die Behandlung von Rückenschmerzen grundsätzlich darauf abzielt, nicht nur die Schmerzen zu bessern, sondern auch die Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule sowie der Muskulatur und damit die Beweglichkeit der Patienten wiederherzustellen, kommen neben Schmerzmitteln andere Therapien, insbesondere die Physiotherapie (z.B. Wärme- und Kälteanwendungen, Ultraschalltherapie, Massage, Manuelle Therapie, Krankengymnastik), zur Anwendung.

Therapie chronischer Rückenschmerzen

Viele Betroffene wissen aus eigener Erfahrung: Die Therapie chronischer Rückenschmerzen ist oft ein langwieriger Prozess. Eine „einfache“ Therapie mit Schmerzmitteln reicht bei Weitem nicht aus, um die chronischen Schmerzen zu beseitigen.

Als erfolgreich haben sich interdisziplinäre multimodale Therapieansätze erwiesen, bei denen verschiedene Aspekte der Schmerzen ins Visier genommen werden. Die Patienten werden dabei von einem Therapeutenteam aus Ärzten mehrerer Fachrichtungen, Psychologen bzw. Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und Mototherapeuten betreut. Physiotherapeutische Maßnahmen kommen ebenso zum Einsatz wie Schmerzmittel (NSAID, COX-2-Hemmer, Opioide, Muskelrelaxanzien). Bei den Schmerzmitteln werden Präparate mit verlängerter Wirkstofffreisetzung (sog. retardierte Präparate) als günstig angesehen. Weitere Behandlungselemente können die Bewegungs- und Sporttherapie unter Einbezug von Alltagsaktivitäten, psychotherapeutische Therapien zum Erlernen von Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken sowie ergotherapeutische Maßnahmen sein, bei denen die Patienten unter therapeutischer Aufsicht Arbeiten simulieren und lernen, diese mit geeigneten Strategien und Bewegungstechniken zu bewältigen.

Bei konsequenter Durchführung der Therapie (meist ganztägige Behandlungsprogramme über mehrere Wochen) scheinen die Erfolgsaussichten gut: Zwei Drittel der Patienten können Untersuchungen zufolge ins Arbeitsleben zurückkehren.

Sieben überraschende Fakten zu Rückenschmerzen
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    Verspannungen als Hauptursache für Rückenschmerzen

    In etwa 85 bis 90 Prozent aller Fälle lässt sich keine Grunderkrankung als Ursache für die Rückenschmerzen identifizieren. Denn meistens sind Muskelverspannungen und Fehlfunktionen der Muskulatur der Grund für die Rückenschmerzen. Derartige Verspannungen werden z.B. durch Fehlhaltungen, Fehlbelastung, Bewegungsmangel und Stress ausgelöst. Gerade eine hohe Arbeitsbelastung, Arbeitsunzufriedenheit und psychische Erkrankungen wie Depressionen wurden als wesentliche Risikofaktoren für die Entstehung von Verspannungen und damit chronischer Rückenschmerzen ausgemacht.

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    Der kleine Unterschied spielt auch bei Rückenschmerzen eine Rolle

    Wer ist häufiger von Rückenschmerzen betroffen? Männer oder Frauen? Die Daten dazu zeigen einen auffälligen Unterschied: Frauen aller Altersgruppen leiden nicht nur häufiger an Rückenschmerzen – ihren Angaben zufolge sind die Schmerzen auch intensiver und dauern länger an als bei Männern. Eine mögliche Erklärung: Bei Frauen könnten durch die Doppelbelastung in Familie und Beruf mehrere Schmerz-Risikofaktoren zusammenkommen. Zudem wird auch eine geschlechterspezifisch unterschiedliche Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung als Ursache dieser Diskrepanzen diskutiert.

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    Volkskrankheit Rückenschmerzen

    Rückenschmerzen machen den Deutschen wie kaum eine andere Krankheit zu schaffen. Schätzungen zufolge leiden 60 bis 80 Prozent mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen. In einer repräsentativen Gesundheitsumfrage des Robert Koch-Instituts gaben je nach Alter und Geschlecht etwa 50 bis 70 Prozent der Befragten zwischen 18 und über 70 Jahren an, innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate an Rückenschmerzen gelitten zu haben. Bei 18 Prozent blieben die Rückenschmerzen sogar über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten bestehen.

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    Sind Rückenschmerzen eine Frage des Alters?

    Rückenschmerzen sind keine Alterskrankheit! Sie treten in allen Altersgruppen auf. Menschen zwischen 40 und 60 Jahren leiden am häufigsten unter Rückenschmerzen. Auch die Zahl der Neuerkrankungen ist in dieser Altersgruppe am größten. Dies zeigt, dass gerade die aktive Bevölkerung am stärksten von Rückenschmerzen betroffen ist - Arbeitsausfälle und Krankschreibungen wegen Rückenschmerzen sind an der Tagesordnung!

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    Rückenschmerzen und Krankschreibungen

    Die Kosten, die Rückenschmerzen verursachen, sind immens hoch – sie belasten nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch Arbeitgeber und Rentenkassen. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, allen voran Rückenschmerz, verursachen bei Männern und Frauen die meisten Arbeitsunfähigkeitstage: Einer Erhebung der AOK aus dem Jahr 2002 zufolge gingen knapp ein Fünftel auf das Konto von Rückenschmerzen und Erkrankungen der Wirbelsäule.

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    Bandscheibenvorfall als Ursache eher die Ausnahme

    Viele denken bei Rückenschmerzen gleich an einen Bandscheibenvorfall. Tatsächlich sind aber auch akute Rückenschmerzen oft auf Verspannungen zurückzuführen. Strukturelle Veränderungen der Wirbelsäulen, wie etwa ein Bandscheibenvorfall, sind seltener der Grund. Dennoch gilt: Im Zweifelsfall sollte die Ursache von Rückenschmerzen ärztlich abgeklärt werden. Auch ein Bandscheibenvorfall lässt sich oft gut mit nicht-operativen Methoden behandeln. Operationen werden heute nur noch in bestimmten Fällen durchgeführt.

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    Rückenschmerzen schon bei Kindern

    Experten schlagen in puncto Rückenschmerz nicht nur bei Erwachsenen Alarm. Schon Schulkinder leiden häufig unter Rückenschmerzen – ca. ein Viertel aller Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren sind betroffen. Als Ursachen gelten beispielsweise durch Überanstrengung bedingte Muskelverhärtungen, Fehlhaltungen, Bewegungsmangel, Schulstress und hoher Leistungsdruck. Auch bestimmte Krankheiten wie Morbus Scheuermann können Rückenschmerzen im Kindesalter auslösen. Nicht zu vergessen: Auch ein zu schwerer Schulranzen kann als Ursache für Rückenschmerzen in Frage kommen.

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Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 14. November 2013
Durch: Andreas Gill/Lifeline
Quellen: Quellen: Rothstein, D. und Zenz, M.: Chronischer Schmerz im ärztlichen Alltag. In: Der Internist 46(10), (2005), S. 1122-1132 Weh, L. und Marnitz, U.: Der Orthopäde im interdisziplinären Setting. Multimodale Therapie beim chronischen Rückenschmerz. In: Der Orthopäde 38 (10), (2009), S. 913-919 Ludwig, J.: Rückenschmerzen. Mit gezielten Griffen zur Diagnose. In: MMW-Fortschritte der Medizin 21(152 Jg.), (2010), S. 45-48 Wörz, R.: Rückenschmerzen: Leitlinien der medikamentösen Therapie. In: MMW-Fortschritte der Medizin 48, (2008), S. 3-10

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