Therapie in Tablettenform

Medikamente gegen schwere Rückenschmerzen

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Verschiedenste Medikamente können gegen Rückenschmerzen helfen.
Getty Images/Hemera

Starke Rückenschmerzen können vorübergehend mit Medikamenten behandelt werden, um den Patienten Erleichterung zu verschaffen und ihnen ihre Bewegungsfähigkeit zurückzugeben. Verschiedene Medikamentengruppen stehen dabei zur Verfügung, wobei die Auswahl von der Stärke und Dauer des Schmerzes sowie der Ursache der Beschwerden abhängt.

Für die Therapie schwerer Rückenschmerzen können Medikamente aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen eingesetzt werden. Vor allem nicht-steroidale Antirheumatika und schwache Opioide, aber auch Muskelrelaxantien und Antidepressiva finden Anwendung. Können gebräuchliche Schmerzmittel nicht eingesetzt werden, ist auch eine Behandlung mit Flupirtin möglich. Dieser Arzneistoff wirkt sowohl zentral schmerzhemmend als auch muskelentspannend und kann einer Chronifizierung akuter Rückenschmerzen vorbeugen.

Die Gabe von Lokalanästhetika kann ebenfalls nützlich sein, um die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses und damit die Entstehung chronischer Schmerzen zu verhindern oder aber die Beweglichkeit kurzfristig wieder zu verbessern. Bei der Therapie andauernder bzw. über längere Zeiträume wiederkehrender Rückenschmerzen haben sich Opioide und einige Antidepressiva bewährt.

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Medikamente zur Behandlung schwerer Rückenschmerzen

Flupirtin:
Flupirtin unterdrückt die Schmerzleitung im Rückenmark und im Gehirn. Diese Wirkung kommt über eine Öffnung von Kaliumkanälen an Nervenzellen zustande. Kalium tritt aus und verändert das elektrische Potenzial an der Zellmembran, wodurch die Reizweiterleitung der Nervenzelle gehemmt wird. Flupirtin wirkt schmerzdämpfend, löst Verspannungen der Muskulatur und wirkt außerdem einer Chronifizierung von Schmerzen entgegen.
 

Das Wirkprinzip von Flupirtin unterscheidet sich von dem anderer Schmerzmedikamente deutlich. Es ist bei akuten Rückenschmerzen einsetzbar, sofern andere Schmerzmittel nicht verwendet werden können. Verschiedene Studien konnten seine Effektivität belegen. Häufigste Nebenwirkungen von Flupirtin - insbesondere zu Beginn einer Behandlung - sind Müdigkeit und Schwindel. Aus diesem Grund wird die Erstanwendung abends vor dem Schlafengehen empfohlen. Sehr häufig werden auch Transaminasenerhöhungen beobachtet. Um eine mögliche Leberschädigung zu verhindern, darf die Anwendungsdauer zwei Wochen nicht überschreiten.

Opioide:
Opioide (Morphium-ähnliche Medikamente) sind zentral wirkende, starke Schmerzmedikamente. Sie bewirken eine Hemmung der Erregungsleitung schmerzvermittelnder Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark, indem sie an speziellen Bindungsstellen, so genannten Opioidrezeptoren, andocken.
 

Opioide können bei schwersten akuten oder chronischen Rückenschmerzen eingesetzt werden, z.B. bei Schmerzen aufgrund von Metastasen (Tochtergeschwulsten) in der Wirbelsäule. Dabei werden zuerst nebenwirkungsärmere, schwächer wirksame Substanzen wie Tramadol oder Tilidin in Kombination mit Naloxon angewandt. Nur wenn diese keine ausreichende Wirkung erzielen, kommen stärkere Substanzen wie Morphin zum Einsatz. Häufigste Nebenwirkungen von Opioiden sind Müdigkeit, Übelkeit, Verstopfung und Erbrechen.

Die von Patienten oft gefürchteten Gewöhnungseffekte treten bei der Schmerzbehandlung nur in relativ geringem Maße auf und sind angesichts des Zugewinns an Lebensqualität durch das Ausschalten der Schmerzen von untergeordneter Bedeutung. Gerade bei der Anwendung von Tilidin in Kombination mit Naloxon kommt es nur bei einem Teil der Patienten zum Nachlassen der Wirkung, das als Zeichen einer sich entwickelnden Abhängigkeit gedeutet werden kann und Dosissteigerungen erforderlich macht.

Antidepressiva:
Tricyclische Antidepressiva (TCA) wie Amitriptylin, Doxepin und Clomipramin können zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen eingesetzt werden. Besonders wirkungsvoll sind sie Studienergebnissen zufolge dann, wenn gleichzeitig eine depressive Stimmungslage bei den Rückenschmerz-Patienten vorliegt. Häufige Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Müdigkeit, Verstopfung und Probleme beim Wasserlassen.

Warnsignal Rückenschmerz: Wann zum Arzt?

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 18. November 2012
Quellen: Nach Informationen der Zeitschriften MMW-Fortschritte der Medizin, Fortschritte der Medizin Originalien, Der Schmerz, Fortschritte Neurologische Psychiatrie sowie des Fachbuchs Forth, W. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie

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