Medikamentöse Therapie bei Rückenschmerzen

Ursache des Schmerzes entscheidet über die Auswahl der Mittel

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Die medikamentöse Therapie ist abhängig von der Art des Schmerzes.
Getty Images/F1online RF

Bei Rückenschmerzen wird zwischen nozizeptivem und neuropathischem Schmerz unterschieden. Die Art des Schmerzes hat Einfluss auf die Auswahl der medikamentösen Therapie.

Die Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig und nicht immer eindeutig festzustellen. In der Vergangenheit führten diese Schwierigkeiten dazu, dass Patienten nicht selten die Diagnose „nicht-spezifische Rückenschmerzen“ erhielten, aus der sich keine eindeutige Therapiestrategie ableiten ließ. Neueren Erkenntnissen zufolge lohnt es jedoch, Kreuzschmerzen exakt zu diagnostizieren und entsprechend dem Ergebnis gezielt zu behandeln. Dies steigert die Erfolgsaussichten der Therapie, sodass eine Chronifizierung von Schmerzen besser verhindert oder rückgängig gemacht werden kann.

Bei der Auswahl der medikamentösen Therapie ist demnach vor allem zwischen zwei grundlegenden Schmerzformen zu unterscheiden - zwischen nozizeptivem und neuropathischem Schmerz.

Nozizeptiver Schmerz

Nozizeptiver Schmerz entsteht infolge einer Reizung ansonsten intakter Schmerzrezeptoren (freie Nervenenden oder Nozizeptoren), die sich in vielen Geweben befinden und die am Anfang der Schmerzwahrnehmung stehen. Nozizeptiver Rückenschmerz entsteht beispielsweise durch Überlastung oder Verletzungen der Rückenmuskeln, Reizung von Bändern und Sehnen sowie entzündlich-degenerativen Veränderungen in den Zwischenwirbelgelenken der Wirbelsäule. Da die gesunde Bandscheibe über keine nervale Versorgung verfügt, können bandscheibenbedingte Schmerzen erst entstehen, wenn es hier zu pathologischen Veränderungen kommt, die andere Gewebestrukturen einbeziehen.

Neuropathischer Schmerz

Neuropathischer Schmerz entsteht aufgrund von Störungen, die die Nerven selbst betreffen. Ursachen neuropathischer Rückenschmerzen können beispielsweise mechanische Faktoren wie eine Nervenwurzelreizung durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Einengung des Wirbelkanals sein, in dem die Nervenstränge verlaufen. Mediziner bezeichnen letzteres auch als Spinalstenose.

Manchmal auch beides

Auch eine Kombination von nozizeptivem und neuropathischem Schmerz ist möglich. Sie wird von Medizinern als „Mixed Pain“ bezeichnet und erfordert eine kombinierte medikamentöse Behandlung. Wichtig ist ebenfalls: Oftmals führen Schmerzen aufgrund bestimmter Mechanismen sekundär auch zu Muskelverspannungen und dadurch bedingten Rückenschmerzen, selbst wenn die Ursache der Beschwerden in einer anderen Struktur zu suchen ist.

Erst die eindeutige Diagnose erlaubt eine spezifische Therapie

Für die Therapie von Rückenschmerzen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die bei den geschilderten Schmerztypen unterschiedlich gut wirken.

Antientzündliche Wirkstoffe

Da bei nozizeptiven Rückenschmerzen überwiegend Entzündungsprozesse beteiligt sind, können antientzündliche Medikamente wie klassische nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Acetylsalicylsäure), COX-2-Hemmer oder Kortikosteroide gut wirken.

Nichtopioid-Analgetika mit zentraler Wirkung

Der Wirkstoff Flupirtin hemmt die Übertragung von peripheren Schmerzreizen im Bereich des Hinterhorns im Rückenmark, aber auch die übermäßige Aktivierung absteigender motorischer Nervenbahnen. Dies führt zur Entspannung der Muskulatur und damit zur Schmerzlinderung. Flupirtin ist zur Therapie akuter und chronischer Rückenschmerzen geeignet.

Antidepressiva, Antikonvulsiva

Bei neuropathischen Rückenschmerzen ist eine positive Beeinflussung der betroffenen Nerven durch trizyklische Antidepressiva und Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle, zum Beispiel Gabapentin, Pregabalin) möglich.

Opioide und Opiate

Opioide und Opiate (zum Beispiel Tapentadol, Tramadol, Morphin) können bei allen Formen von starken Rückenschmerzen eingesetzt werden. Sie sind wirkungsvolle Schmerzhemmer, beeinflussen jedoch auch stark Wachheit und Fahrtauglichkeit und gehen nicht gegen die Ursache des Schmerzes an. Daher sollten sie auch nur Patienten mit starken Schmerzen vorbehalten sein.

Zentrale Muskelrelaxanzien

Wirkstoffe zur Entspannung der Muskulatur, sogenannte Muskelrelaxanzien (zum Beispiel Methocarbamol, Pridinolmesilat), wirken bei Rückenschmerzen, die infolge von Muskelverspannungen entstehen. Viele dieser Medikamente hemmen sehr effektiv Prozesse, die zur Ausbildung von schmerzbedingten Muskelverspannungen führen.

Methocarbamol

Methocarbamol, ein zentrales Muskelrelaxans, kann zur Behandlung von Rückenschmerzen infolge muskulärer Verspannungen eingesetzt werden. Ein zusätzlicher Aspekt des Wirkstoffs ist sein fehlender Einfluss auf die Wachheit und Lernfähigkeit. Dies ermöglicht bei chronischen Schmerzen ein Überschreiben des Schmerzgedächtnisses mit positiven, nicht-schmerzhaften Erlebnissen etwa bei körperlicher Bewegung. Experten gehen heute davon aus, dass dieser Umlernprozess eine wesentliche Voraussetzung für die Beseitigung chronischer Rückenschmerzen ist.

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 12. April 2011
Quellen: Strohmeier, M.: Unspezifische Kreuzschmerzen gibt es nicht. In: MMW-Fortschritte der Medizin 31-33, (2010), S. 44-46 Strohmeier, M.: Differenzierte orthopädische Schmerzdiagnostik. Abkehr vom „unspezifischen“ Rückenschmerz. In: Orthopädie & Rheuma 5, (2003), S. 37-41 Wörz, R.: Rückenschmerzen: Leitlinien der medikamentösen Therapie. In: MMW-Fortschritte der Medizin 48, (2008), S. 3-10

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Donnerstag, 23. Mai 2013