Rheumabedingte Rückenschmerzen

Bei chronischen Rückenschmerzen auch an Rheuma denken

Chronische Rückenschmerzen können auch Folge einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung wie beispielsweise Morbus Bechterew sein, die entsprechend behandelt werden sollten. Eine gründliche ärztliche Untersuchung ist deshalb bei anhaltendem Rückenschmerz unerlässlich.

Bei chronischen Rückenschmerzen auch an Rheuma denken
Morgensteifigkeit kann ein Zeichen von Rheuma sein. Auch Rückenbeschwerden kommen als Symptom in Frage.
(c) Stockbyte

Bei Rückenschmerzen denken die wenigstens Patienten an eine rheumatische Erkrankung als Ursache der Beschwerden. Schließlich lässt sich oft keine konkrete Ursache dafür ausmachen; der so genannte nicht spezifische Rückenschmerz ist die mit Abstand häufigste Form dieses Volksleidens. Wer unter Rückenschmerzen leidet, die länger als drei Monate andauern und damit als chronisch gelten, sollte aber dennoch die Ursache abklären und ärztlich sicher stellen lassen, dass die Beschwerden nicht rheumatisch bedingt sind.

Rheuma: Sammelbegriff für Krankheiten der Bewegungsorgane

Der Begriff „Rheuma“ bezeichnet kein eigenständiges Krankheitsbild. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Rheuma der Überbegriff für Erkrankungen, die an den Bewegungsorganen auftreten und fast immer mit Schmerz sowie häufig mit Bewegungseinschränkung einhergehen.

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Unter der Bezeichnung „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“ werden eine Vielzahl von Krankheiten zusammengefasst, wobei vier Hauptgruppen unterschieden werden:

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen: entzündliche Erkrankungen, die den gesamten Körper betreffen, zum Beispiel rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew), Psoriasis-Arthritis
  • Degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen: Schädigung des Gelenkknorpels aufgrund von Abnutzung (Arthrosen)
  • Weichteilrheumatismus: nicht-entzündliche Überlastung von Muskeln und Reizung von Sehnen und anderen Weichteilgeweben, zum Beispiel Tennisellbogen, „steifer Hals“, muskuläre Verspannungen des Rückens aufgrund von Fehlhaltungen
  • Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (pararheumatische Erkrankungen) wie beispielsweise Osteoporose oder Gicht

Chronischer Rückenschmerz: Fünf Prozent der Fälle sind Morbus Bechterew

Viele Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises können den Rücken in Mitleidenschaft ziehen und akute oder chronische Rückenschmerzen verursachen. Aus der Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist die ankylosierende Spondylitis, besser bekannt unter der Bezeichnung Morbus Bechterew, einer der häufigsten Auslöser chronischer Rückenschmerzen. Etwa fünf Prozent der Patienten mit chronischem Rückenschmerz leiden an dieser Erkrankung. Sie wird jedoch oft erst fünf bis zehn Jahre nach Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert - unter anderem deshalb, weil die Betroffenen erst spät zu einen Rheumatologen gehen, der die korrekte Diagnose stellt.

Schmerzen in Ruhe – möglicherweise Ankylosierende Spondylitis?

Bei der ankylosierenden Spondylitis oder Morbus Bechterew handelt es sich um eine entzündliche rheumatische Erkrankung, die sich vor allem an der Wirbelsäule manifestiert. Entzündungen der Wirbelgelenke, der Gelenke zwischen Wirbeln und Rippen sowie zwischen Kreuz- und Darmbein (Ileosakralgelenke) führen zu einer Verknöcherung der Gelenke und Gelenkumgebung. Ohne wirksame Behandlung versteifen die Gelenke nach und nach, der Brustkorb wird starr und ist dauerhaft nach vorn gebeugt.

Meist beginnt die Krankheit vor dem 40. Lebensjahr. Im Anfangsstadium sind die Beschwerden in der Regel unspezifisch. Dennoch gibt es einige Symptome, die auf Morbus Bechterew hindeuten:

  • Gesäßschmerzen, die zwischen der linken und rechten Seite wechseln, mit einer Bewegungseinschränkung in der Lendenwirbelsäule verbunden sind und in die Oberschenkel ausstrahlen können
  • Besserung der Schmerzen bei Bewegung und Verschlimmerung bei Ruhe, vor allem lange Morgensteifigkeit
  • schmerzhafte, einseitige Entzündung von Gelenken (etwa der Knie- oder Hüftgelenke)
  • schmerzhafte Entzündungen von Sehnenansätzen, zum Beispiel an den Fersen
  • Entzündung der Regenbogenhaut im Auge
  • Schmerzen über dem Brustbein mit Einschränkung der Beweglichkeit

Psoriasisarthritis zeigt sich an Haut und Gelenken

Auch eine Psoriasis-Arthritis kann Ursache für akute oder anhaltende Rückenschmerzen sein. Davon sprechen Mediziner, wenn neben der eigentlichen Grunderkrankung, der Schuppenflechte (Psoriasis), auch eine entzündliche Beteiligung von Gelenken vorliegt. Die Psoriasis-Arthritis gehört wie Morbus Bechterew zur Gruppe der Spondyloarthritiden, die häufig die Wirbelsäule beeinträchtigen. 

Grundsätzlich können aber alle Gelenke von einer Psoriasis-Arthritis betroffen sein, nicht selten beispielsweise alle Gelenke eines Fingers oder einer Zehe (sogenannte Wurstfinger und -zehen) und die Kniegelenke. Ist die Wirbelsäule beteiligt, ähneln die Symptome oftmals denen von Morbus Bechterew, sind aber in der Regel nicht so stark ausgeprägt. Schätzungen zufolge erkranken mindestens fünf bis 15 Prozent aller Patienten mit Schuppenflechte an einer Psoriasis-Arthritis, wobei es Fälle von Gelenkbeteiligung mit und ohne Hauterscheinungen gibt.

Morgensteifigkeit kann auf rheumatoide Arthritis hinweisen

Die rheumatoide Arthritis (RA, auch chronische Polyarthritis genannt) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen. Charakteristisch ist eine anhaltende Entzündung einer Vielzahl von Gelenken, wobei auch die Wirbelsäule und hier insbesondere die Halswirbelsäule betroffen sein kann. Nackenschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, zählen dann zu den Symptomen.

Typische allgemeine Symptome der rheumatoiden Arthritis sind:

  • schmerzhafte und geschwollene Gelenke. Auch Rötung und Überwärmung sind möglich, wobei die Beweglichkeit eingeschränkt ist
  • anfangs sind meist die Grundgelenke an Fingern und Zehen betroffen, größere Gelenke wie z.B. die Hüftgelenke erst später
  • Gelenkschmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit sind morgens am stärksten ausgeprägt („Morgensteifigkeit“)
  • oft schubweiser Verlauf mit schmerzhaften Episoden und Zeiten weitgehender Beschwerdefreiheit

Diagnose beim Facharzt

Der schottische Rheumatologe Andrew Callin hat Merkmale aufgelistet, die auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung als Ursache chronischer Rückenschmerzen hindeuten:

  • Krankheitsbeginn vor dem 40. Lebensjahr
  • schleichender Beginn der Beschwerden
  • Dauer seit mindestens 3 Monaten
  • Besserung bei Bewegung
  • morgendliches Schmerzmaximum verbunden mit einer Morgensteifigkeit der Wirbelsäule

Wenn vier dieser fünf Kriterien erfüllt sind, liegt eine entzündlich-rheumatische Erkrankung nahe. Dann empfiehlt sich der Besuch eines Rheumatologen zur weiteren Abklärung.

Auslöser von Rückenschmerzen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Oktober 2014
Durch:
Quellen: Nach Informationen von Classen, M. et al.: „Innere Medizin“, München: Urban & Schwarzenberg (1993); Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.; AWMF-Leitlinie „Rheumatoide Arthritis“, hrsg. v. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (Nr. 060/002p, Stand: Juli 2004); Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) e.V.; Deutscher Psoriasis Bund e.V.; Denis Poddubnyy, Martin Rudwaleit, Joachim Sieper: Chronischer Rückenschmerz – wann an entzündlich-rheumatische Ursachen denken? in Zeitschrift für Allgemeinmedizin (ZFA), 29.04.2011

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