Wirbelsäulenverkrümmung

Rückenschmerzen durch Skoliose in der Kindheit

Eine Skoliose im Kindesalter, bei der sich die Wirbelsäule seitlich verbiegt, geht unbehandelt mit einer Abnutzung der Wirbelsäule einher. Dies kann Ursache späterer Rückenschmerzen sein.

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Eine Skoliose bleibt bei Kindern oft unerkannt, kann später aber Schmerzen verursachen.
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Eine Skoliose ist definiert als dauerhafte seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule um mehr als zehn Grad (gemessen nach der COBB-Methode) mit einer Drehung einzelner Wirbelkörper vor. Der sogenannte COBB-Winkel beschreibt den Winkel zwischen den beiden am stärksten zueinander gekippten Wirbeln ober- und unterhalb eines Wirbelbogens. Der Ausgangspunkt der seitlichen Verkrümmung kann in der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie am Übergangsbereich zwischen beiden liegen.

Besonders Mädchen leiden unter Schmerzen durch die Skoliose

Die Angaben zur Häufigkeit der Skoliose schwanken sehr stark und liegen zwischen einem und mehr als 13 Prozent der Bevölkerung. Mädchen sind dabei deutlich häufiger von einer Skoliose und späteren Schmerzen betroffen als Jungen.

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Wie kommt es zur Skoliose?

Die möglichen Ursachen einer Skoliose sind vielfältig. Zum Beispiel angeborene Fehlstellungen, Beinlängendifferenzen, ein asymmetrisches überschießendes Wachstum, Muskelfehlbildungen, Nervenschädigungen oder stoffwechselbedingte Erkrankungen können zu einer Skoliose führen. In etwa neun von zehn Fällen handelt es sich jedoch um eine sogenannte idiopathische Skoliose im Kindes- und Jugendalter, bei der letztlich keine auslösende Ursache festgestellt werden kann. Sie entsteht vor allem dann, wenn die Wirbelsäule stark wächst, also im Säuglings- und Kleinkindalter, bei Kindern bis zum zehnten Lebensjahr und Jugendlichen in der Pubertät.

Oft wird die Skoliose zufällig erkannt

Da eine Skoliose im Kindesalter zunächst keine Schmerzen oder andere Beschwerden verursacht, wird sie oft nur zufällig von den Eltern, im Schwimmbad oder beim Sportunterricht erkannt - am häufigsten im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Säuglinge fallen oftmals durch ihre schiefe Lage im Bett auf, die durch eine C-förmige Verkrümmung von Brust- und Lendenwirbelsäule bedingt ist (Schräglagesyndrom bei Skoliose).

Skoliose und Schmerzen

Erst im späteren Lebensalter verursacht eine Skoliose Schmerzen. Diese entstehen durch fortschreitende Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben und Wirbelkörpern aufgrund der dauerhaften Verbiegung der Wirbelsäule. Mögliche Folgen der zunehmenden Degeneration können ein Bandscheibenvorfall und eine zunehmende Versteifung der Wirbelsäule sein. Auch andere Gelenke wie die Hüft- und Kniegelenke werden verstärkt belastet, sodass es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen infolge der Skoliose kommt.

Komplikationen nicht nur an der Wirbelsäule

In schweren Skoliose-Fällen werden durch die Verdrehung der Wirbelsäule und die damit verbundene Verkürzung des Rumpfes der Brust- und Bauchraum verkleinert. Dadurch können innere Organe in ihrer Funktionsfähigkeit beeinträchtigt sein, vor allem das Herz und die Lunge, seltener die Nieren, der Magen und der Darm.

Skoliose-Therapie hängt von Schmerzen, Alter und Schwere ab

Der Arzt stellt eine Skoliose anhand der körperlichen Untersuchung sowie eines Röntgenbildes fest. Welche Therapie er vorschlägt, hängt von den Ursachen, die zur Skoliose geführt haben, dem Alter des Patienten und dem Ausmaß der Wirbelsäulenfehlstellung ab. Außerdem interessiert ihn, ob die Skoliose bereits Schmerzen verursacht. Behandelt gehört die Verkrümmung der Wirbelsäule aber in jedem Fall.

Bei Säuglingen kann eine Skoliose oft schon durch konsequente Bauchlagerung und verschiedene krankengymnastische Übungen erfolgreich behandelt werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird zunächst mit krankengymnastischen Übungen begonnen. Dabei sollen die Betroffenen möglichst ein gutes Gefühl für eine aufrechte, symmetrische Haltung und Bewegung entwickeln. Auch neurophysiologische und Elektrostimulations-Verfahren werden eingesetzt, um bestimmte Muskelgruppen zum Wachstum anzuregen. Ziel ist es, die Fehlstellung der Wirbelsäule weitgehend zu korrigieren, um spätere Schmerzen durch die Skoliose zu verhindern.

Schwere Skoliose: Korsett gegen Schmerzen

Ausgeprägte Skoliosen müssen zusätzlich zur Krankengymnastik mit einem Korsett behandelt werden, um starken Schmerzen im Erwachsenenalter vorzubeugen. Es wird in der Regel aus leichtem weißem Kunststoff gefertigt und für jeden Patienten individuell hergestellt. Das Skoliose-Korsett sollte eng sitzen und außer zur Körperpflege Tag und Nacht getragen werden. Gerade für Kinder und Jugendliche ist das eine oft nicht einfache Behandlung.

Durch die Fixierung von Becken- und Schultergürtel gegen Verdrehung wird die Fehlstellung der Wirbelsäule (Wirbelsäulenanomalie) passiv korrigiert. Meist muss die Korsettbehandlung der Skoliose so lange durchgeführt werden, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Nur in besonders schweren Fällen ist eine Korrektur mithilfe einer Operation notwendig, um Schmerzen und andere Folgen der Skoliose zu verhindern.

Akute Rückenschmerzen – die häufigsten Ursachen im Überblick

Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. Februar 2015
Durch: sw
Quellen: AWMF-Leitlinie „Idiopathische Skoliose im Wachstumsalter“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO), Nr. 033/025 (Stand: 10/2009) sowie Niethard, F. & Pfeil, J.: Orthopädie. Stuttgart: Hippokrates-Verlag 1992

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