Unspezifische Rückenschmerzen

Wie Sie die Schmerzwahrnehmung regulieren

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Medikamente können bei subjektiv stark empfundenen Rückenschmerzen helfen.
(C) 2005 Hemera Technologies

Wenn Menschen ohne erkennbare Ursache oder bereits auf kleinste Reize mit heftigen Rückenschmerzen reagieren, kann dies daran liegen, dass die Schmerzwahrnehmung gestört ist. Diese lässt sich mit Medikamenten regulieren.

Besonders bei Rückenschmerzen besteht häufig ein dramatisches Missverhältnis zwischen den durch ärztliche Untersuchung auffindbaren Schmerzursachen und der vom Patienten subjektiv empfundenen Intensität, der Dauer und Lokalisation des Schmerzes.

Wenn Rückenschmerzen zum „Selbstläufer“ werden

Ursache kann eine verminderte „Filterfunktion“ bei der Verschaltung von Nervenzellen im Rückenmark sein. Diese ist das Ergebnis eines komplizierten Wechselspiels zwischen schmerzleitenden, -hemmenden und -verstärkenden Impulsen. Ist diese Balance gestört, können spezielle Nervenzellen (sog. Projektionsneurone), die normalerweise sehr gezielt nur auf Schmerzreize reagieren und diese ins Gehirn weiterleiten, bereits durch minimale Reize aktiviert werden - selbst der „leiseste“ Reiz kann dann starke Schmerzen auslösen. Mediziner sprechen in diesem Falle von einer übermäßigen Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie).

Spinale Schmerzbremse gezielt stärken

Um die körpereigene „Schmerzbremse“ möglichst gezielt nur im Rückenmark wieder zu stärken, bieten sich bestimmte Wirkstoffe wie z.B. Cannabinoide (Dronabinol) oder Methocarbamol an.

Cannabinoide (auch die körpereigenen Endocannabinoide) hemmen über die Bindung an spezifische Cannabinoidrezeptoren auf den Nervenzellen die neuronale Erregbarkeit unter anderem durch eine Verminderung des Calciumeinstroms in die Nervenzellen. Als Ergebnis normalisiert sich das Schmerzempfinden.

Methocarbamol wirkt über die sogenannten Interneurone - das sind spezielle „Schaltnervenzellen“, die jeweils zwei andere Nervenzellen miteinander verschalten - auf die Erregbarkeit von Nervenzellen ein und bewirkt so, dass es zu einem verminderten „Durchgang“ von Schmerzimpulsen kommt. Chronische Rückenschmerzen gehen oftmals auf anhaltende Muskelverspannungen zurück. Auf diese Art und Weise lässt sich Verspannungen in der Skelettmuskulatur sehr gezielt entgegenwirken.

Erhöhte Muskelspannung im Rücken normalisieren

Es gibt zudem Medikamente, die die körpereigene Schmerzkontrolle auf andere Weise unterstützen: Sogenannte Kaliumkanalöffner wie der Wirkstoff Flupirtin bewirken über die gezielte Öffnung neuronaler Kaliumkanäle, dass eine übermäßig gesteigerte Erregbarkeit schmerzleitender Nervenfasern in Rückenmark und Gehirn vermindert wird. Im Ergebnis wird die Reizweiterleitung gehemmt, der Spannungszustand der Muskulatur kann sich normalisieren und schmerzhafte Verspannungen lösen sich. Allerdings darf Flupirtin nur zum Einsatz kommen, wenn andere Medikamente hier versagen.

Medikamente sind wichtiger Bestandteil der Therapie

Medikamente, die eine gestörte Wahrnehmung von Schmerzen regulieren, sind ein wesentlicher Bestandteil in der multimodalen Schmerztherapie, bei der verschiedene Behandlungsansätze ineinandergreifen. Wie Rückenschmerz-Experte Dr. Andreas Kopf betont, spielen bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen zumeist verschiedene Faktoren eine Rolle - angefangen bei der zunehmenden körperlichen Inaktivität aufgrund der Schmerzen, die ihrerseits die Rückenschmerzen weiter verstärkt, über die gestörte Schmerzwahrnehmung bis hin zu Angst und Depressionen. Eine erfolgreiche Therapie von Rückenschmerzen schließt daher in vielen Fällen Verhaltenstherapie, Physiotherapie sowie Schmerzmedikamente ein.

Glossar:

Neurotransmitter sind biochemische Stoffe, welche die Erregung von einer Nervenzelle zur anderen über die Schaltstelle der Nervenzellen weitergeben, die so genannte Synapse.

Auslöser von Rückenschmerzen

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2013
Quellen: Mechanismen-orientierte Schmerzwahrnehmung bei nicht-spezifischem Rückenschmerz: Von den Grundlagen zur Klinik. Assoziiertes Symposium im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses in Berlin

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