
Neue Wege in der Rückenschmerztherapie
Schul- und Alternativmedizin erfolgreich verbinden
Rückenschmerzpatienten setzen, wenn es um die Behandlung ihres Leidens geht, oft nicht nur auf Tabletten, sondern suchen nach wirksamen Alternativen. Die erfolgreiche Verbindung von Schul- und Alternativmedizin: Es gibt sie.
Längst nicht bei allen Krankheiten ist die Kombination von schul- und alternativmedizinischen Therapien möglich. Doch zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen eignen sich integrative Ansätze nach Einschätzung von Experten gut. So haben sich neben Schmerzmitteln, physiotherapeutischen Verfahren und in schwereren Fällen operativen Heilmethoden, wie sie die Schulmedizin kennt und praktiziert, auch alternative Ansätze wie beispielsweise die Akupunktur und Yoga in klinischen Studien bestens bewährt.
Berliner Charité praktiziert das Zusammenspiel
Nicht nur viele Patienten wünschten sich eine Verbindung von Schul- und Alternativmedizin, auch bei Ärzten sei die Komplementärmedizin mittlerweile beliebt, erklärt Prof. Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin. Willich ist Experte, besteht doch an seinem Institut seit fast zwei Jahren die erfolgreiche Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin ? kurz CHAMP. Die Einrichtung wurde gegründet, um einerseits Patienten zu behandeln und andererseits Forschungsprojekte zur Wirksamkeit verschiedener Therapieverfahren durchzuführen. Dabei wird die konventionelle Medizin um alternative Methoden wie Akupunktur, Naturheilverfahren und Homöopathie erweitert, sodass den Patienten die jeweils bestmögliche Therapiekombination angeboten werden kann.
Bei der Vorbeugung fängt es an
CHAMP stellt allerdings nicht nur eine funktionsfähige Verbindung zwischen schul- und alternativmedizinischen Behandlungsansätzen her, sondern setzt auch auf effektive Präventionsprogramme zur Vorbeugung von Krankheiten wie chronischen Rückenleiden. Die Einrichtung bietet ein sogenanntes Gesundheitscoaching an. Dabei erarbeiten Gesundheitscoach und Patient gemeinsam einen individuellen Plan, mit dessen Hilfe der Patient bestimmte Verhaltensweisen langfristig gesundheitsfördernd ändern kann. Die darin gesteckten Ziele sind konkret und realistisch, sodass sie für den Patienten auch tatsächlich erreichbar sind. Dieser wird auch bei der Umsetzung durch seinen Gesundheitscoach - einen speziell geschulten Arzt, Psychologen, Ernährungsberater oder Kommunikationsexperten - unterstützt.
Von einfachsten Maßnahmen, so der Leiter der Ambulanz Dr. Michael Teut, gingen oftmals die größten Effekte aus. Dazu gehören sportliche Aktivitäten, eine Umstellung der Ernährung, aber auch Entspannung. CHAMP bietet daher Kurse zu Gewichtsreduktion, Stressmanagement, Qi Gong, Yoga, Nordic Walking und zur Selbsthilfe an. Für die Kursangebote, die als Präventionsleistungen anerkannt sind, zahlen viele gesetzliche Krankenkassen einen Zuschuss.
Forschung wird vorangetrieben
CHAMP leistet auch eine Verbindung von Forschung und praktischer Anwendung. In der Ambulanz werden zahlreiche Studien, etwa zur Wirkung alternativer Therapien durchgeführt, so zu Qi Gong bei chronischen Nackenschmerzen, Homöopathie bei Rückenschmerzen und Schröpfen bei Arthrose. CHAMP-Präventionsprogramme werden auch als sogenannte "Community-Interventionen" in Schulen und Betrieben eingeführt.








