
Schmerzendes Kreuz
Nicht immer steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter
Auch wenn die Beschwerden oft ähnlich sind: Längst nicht immer ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache für Schmerzen im Lendenbereich. Vor allem bei älteren Menschen kann auch eine sogenannte Spinalkanalstenose vorliegen.
Muskelverspannungen, Bandscheibenvorfall, Entzündungen des Ischiasnervs, rheumatische Erkrankungen - all das können Ursachen für quälende Kreuzschmerzen sein. Vor allem bei älteren Menschen gibt es eine weitere Erkrankung, die dahinterstecken kann: eine Einengung des Wirbelkanals, die sogenannte Spinalkanalstenose. Experten wie Dr. med. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga e.V., gehen davon aus, dass mindestens jeder dritte Rückenschmerz-Patient jenseits des 60. Lebensjahres davon betroffen ist.
Abnutzungserscheinungen mit schmerzhaften Folgen
Ursache für die Spinalkanalstenose ist meist eine altersbedingte Abnutzung der Wirbelsäule, z.B. infolge jahrelanger Fehlhaltungen. Wie andere Gelenke des Körpers auch können die Wirbelgelenke im Laufe des Lebens verschleißen und an Funktionsfähigkeit einbüßen. Um die Wirbelsäule zu stabilisieren, bildet sich in diesem Fall an den Wirbelgelenken und den Rändern der Wirbelkörper zusätzliches Knochengewebe aus. Diese Knochenwucherungen werden Spondylophyten genannt. Sie und die ebenfalls zur Stabilisierung der Wirbelsäule dicker und härter werdenden Bänder entlang der Wirbelsäule engen den Spinalkanal zunehmend ein.
Eine weitere häufige Ursache für eine Spinalkanalstenose sind rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Osteoarthritis.
Nerven und Blutgefäße werden eingeklemmt
Die Einengung des Wirbelkanals bewirkt, dass die darin verlaufenden Nerven und Blutgefäße eingeklemmt werden. Dies macht sich durch anhaltende Kreuzschmerzen bemerkbar, die ähnlich wie beim Bandscheibenvorfall in andere Körperregionen ausstrahlen können. Bei der Spinalkanalstenose im Bereich der Lendenwirbelsäule handelt es sich in der Regel um plötzliche, stechende Beschwerden in einem oder beiden Beinen. Erleichterung bringt das Beugen des Rückens nach vorn, weil sich dadurch der Wirbelkanal vergrößert und die Nerven wieder mehr Platz erhalten. Viele Betroffene ziehen daher das Sitzen mit nach vorn gebeugtem Rücken dem Liegen vor.
Bei längeren Gehstrecken treten Schmerzen in den Beinen auf, die zum Stehenbleiben oder Hinsetzen zwingen. Oft werden diese Beschwerden auch mit denen der sogenannten Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit, PAVK) verwechselt, deren Ursache Durchblutungsstörungen in den Beinen sind. Im Unterschied zur Spinalkanalstenose verspüren Patienten mit PAVK aber keine Linderung der Schmerzen, wenn sie sich nach vorne beugen.
Schreitet die Einengung des Spinalkanals fort, treten Schmerzen auch im Ruhezustand auf. Auch Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen können hinzukommen.
Eine sichere Diagnose kann nur der Arzt stellen
Anhand des Röntgenbildes kann der Arzt feststellen, wie weit die Abnutzung der Wirbelsäule fortgeschritten ist. Auch andere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Darstellung des Rückenmarkkanals mithilfe der Myelographie können zur Sicherung der Diagnose und Abklärung des Ausmaßes der Erkrankung beitragen.
Spinalkanalstenose lässt sich vielfältig behandeln
Linderung können konservative Maßnahmen wie Stufenbettlagerung, Krankengymnastik, physikalische Therapien und schmerzstillende Medikamente verschaffen. Bei anhaltenden starken Beeinträchtigungen kommen minimal-invasive Operationstechniken zum Einsatz, um den verengten Wirbelkanal wieder zu erweitern. Beispiele sind die Behandlung mit dem Mikrolaser oder die sogenannte X-Stop-Methode, bei der ein kleines Titan-Implantat zwischen die Dornfortsätze der beiden betroffenen Wirbelkörper eingesetzt wird.
In besonders schweren Fällen muss eine Operation durchgeführt werden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und den Wirbelkanal zu erweitern.








