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Morbus Bechterew

Bei nächtlichen Schmerzen im Kreuz auch an Rheuma denken

Kreuzschmerzen in den frühen Morgenstunden und anhaltende Morgensteifigkeit können ein Hinweis auf Morbus Bechterew sein. Unbehandelt kann die rheumatische Erkrankung zur Versteifung der Wirbelsäule führen.

Starke Kreuzschmerzen in der Nacht und den frühen Morgenstunden sowie eine oft länger als 30 Minuten anhaltende Morgensteifigkeit insbesondere im LWS-Bereich können ein Hinweis auf das Vorliegen von Morbus Bechterew sein. Die rheumatisch entzündliche Erkrankung, die auch als Spondylitis ankylosans bezeichnet wird, beginnt meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr und betrifft in erster Linie das Achsenskelett. Unbehandelt kann sie zu völliger Versteifung der Wirbelsäule und Invalidität führen.

Die Diagnose ist oft nicht einfach zu stellen

Gerade im Anfangsstadium sind die Symptome eines Morbus Bechterew oft unspezifisch. Bei vielen Patienten vergehen deshalb Monate oder sogar Jahre zwischen den ersten Beschwerden und der gesicherten Diagnose. Dennoch gibt es charakteristische Symptome, die auf das Vorliegen eines Morbus Bechterew hinweisen. Dazu zählen:

  • tiefsitzende Kreuzschmerzen, auch im Gesäßbereich, die vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten und in die Oberschenkel ausstrahlen können
  • Morgensteifigkeit nach dem Aufstehen, die oft länger als 30 Minuten andauert
  • Besserung der Beschwerden durch Bewegung und Verschlimmerung in Ruhe
  • Beginn der Beschwerden vor dem 40. Lebensjahr
  • Anhalten der Beschwerden über mehr als drei Monate, wobei wiederholte Krankheitsschübe auftreten, während derer die Beschwerden besonders stark sind

Neben den Kreuzschmerzen können weitere Symptome in anderen Körperregionen auftreten, die ebenfalls für Morbus Bechterew sprechen:

  • schmerzhafte Entzündungen von Gelenken in den Beinen, insbesondere der Knie- und Hüftgelenke, die oft nur eine Seite betreffen
  • Entzündungen der Sehnenansätze, vor allem im Fersenbereich
  • Regenbogenhautentzündung im Auge (Iritis)
  • Schmerzen über dem Brustbein mit Einschränkung der Dehnbarkeit des Brustkorbs

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es im weiteren Verlauf zur zunehmenden Versteifung und Verkrümmung der Wirbelsäule nach vorn kommen.

Erbliche Komponenten spielen eine Rolle

Bei der Entstehung von Morbus Bechterew spielen offenbar erbliche Faktoren eine Rolle. So tritt die Erkrankung in manchen Familien gehäuft auf. Außerdem lässt sich bei vielen Patienten das Erbmerkmal HLA-B27 feststellen. Allerdings ist das Vorliegen von HLA-B27 kein Beweis dafür, dass es sich bei entsprechenden Beschwerden tatsächlich um Morbus Bechterew handelt. Umgekehrt ist das Fehlen des Erbmerkmals kein Ausschlussgrund für die Krankheit. Liegt das Erbmerkmal HLA-B27 vor, bedeutet das lediglich, dass der oder die Betroffene eine höhere Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch eines Morbus Bechterew hat.

Aktive Bewegung steht bei der Therapie im Vordergrund

Morbus Bechterew ist heute prinzipiell noch nicht heilbar. Die Betroffenen müssen sich deshalb mehr oder weniger ihr gesamtes Leben einer entsprechenden Therapie unterziehen. Dabei spielt neben der medikamentösen Behandlung vor allem die aktive körperliche Bewegung eine entscheidende Rolle.

Krankengymnastik

Durch regelmäßige, möglichst tägliche krankengymnastische Übungen kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule aufrechterhalten werden. Bechterew-Patienten erhalten deshalb nach Sicherung der Diagnose eine umfassende Patientenschulung, in der ihnen die notwendigen Übungen vermittelt werden. Darüber hinaus gibt es Angebote zur regelmäßigen Bewegungtherapie in speziellen Morbus-Bechterew-Therapiegruppen, die unter Leitung qualifizierter Physiotherapeuten durchgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise Bewegungsbäder in warmem Wasser, Morbus-Bechterew-Gymnastik und therapeutisch ausgerichteter Bewegungssport.

Wie bei anderen rheumatischen Erkrankungen auch helfen zudem Wärme- und Kälte-Therapien. Wärme, etwa in Form von Fangopackungen, Heizdecken, Thermal- und Moorbädern, steigert die Durchblutung und lindert dadurch Schmerzen und Steifigkeit. Kälte mildert die Entzündungen und wirkt ebenfalls schmerzlindernd.

Medikamentöse Therapie

Bei der medikamentösen Therapie von Morbus Bechterew werden in erster Linie antientzündliche Schmerzmittel, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), eingesetzt. Im Falle besonders heftiger Krankheitsschübe helfen Glukokortikoid-haltige Medikamente in Tabletten- oder Spritzenform. Auch der Einsatz von Mitteln, die den entzündungsfördernden Botenstoff Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) blockieren, ist möglich.

Die Versteifung der Wirbelsäule kann heute erfolgreich verhindert werden

Operative Methoden kommen bei Morbus Bechterew nur in besonders schweren Krankheitsfällen in Frage, z.B. wenn die Beweglichkeit eines Hüftgelenks wiederhergestellt werden muss oder die Wirbelsäule vollständig versteift und nach vorn gekrümmt ist. Früher war ein solcher Krankheitsverlauf bei Morbus Bechterew typisch. Heute kann er durch eine rechtzeitige Diagnose und intensive Behandlung, an der sich der Patient aktiv körperlich beteiligt, in den meisten Fällen verhindert werden.


Quelle: Nach Informationen von DVMB - Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V. Bundesverband sowie Classen, M. et al.: Innere Medizin. Urban & Schwarzenberg: München, Wien, Baltimore, 1993
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jan 22, 2010


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