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Dem Rückenschmerz vorbeugen

Angebote zur Rückenschule zu wenig genutzt

Rückenschmerzen erst gar nicht zuzulassen, ist noch immer die beste Medizin. Doch Angebote zur Vorbeugung, z.B. Rückenschulen, werden gerade von jenen am wenigsten genutzt, die am meisten profitieren würden.

Rückenschmerzen sind kein Schicksal, dem Mann oder Frau hilflos ausgeliefert wären. Ausgelöst werden sie nicht selten durch anhaltenden Bewegungsmangel bzw. beruflich oder privat bedingte Wiederholungsbewegungen, die zu Fehlbelastungen und Überlastung der Wirbelsäule führen. Bestimmte Berufsgruppen sind folglich besonders gefährdet, im Laufe des Lebens Rückenschmerzen zu entwickeln. Dazu gehören Möbelpacker und Fliesenleger ebenso wie Sekretärinnen, Informatiker und Musiker.

Mediziner kennen heute die Entstehungsmechanismen von Rückenschmerzen und die Ursachen, die hinter der Entwicklung von akutem zu chronischem Schmerz stehen, ziemlich genau. Diese Zusammenhänge aufzuklären fördert nicht nur das Verständnis, sondern ist die Grundlage für die Entwicklung wirksamer Präventionsmaßnahmen. Einer Erkrankung vorzubeugen, ist bekanntlich noch immer die beste Medizin.

Angebote zur Rückenschule sind zahlreich

Zahlreiche Institutionen wie Krankenkassen, Krankenhäuser, Gesundheitsämter, Sportvereine, Volkshochschulen und Sportstudios bieten inzwischen spezielle Rückenschulkurse zur Vorbeugung von Rückenschmerzen an. Die Wirksamkeit solcher Programme ist vielfach nachgewiesen. Dabei zeigte sich, dass gezielte bedarfsgerechte Angebote etwa in Form von arbeitsplatznahen Rückenschulprogrammen effektiver sind als allgemeine Kurse, die beispielsweise in Volkshochschulen oder Fitnessstudios durchgeführt werden. Wissenschaftler liefern dafür eine plausible Erklärung: Gerade diejenigen, die von einem Rückenschulprogramm am meisten profitieren könnten, nutzen die allgemeinen Angebote offenbar am wenigsten.

Studie zeigt: Lebensstil beeinflusst das Rückenschmerz-Risiko

In einer repräsentativen Befragung von mehr als 6.000 Personen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren ermittelten Forscher, wie verbreitet Rückenschmerzen in der Bevölkerung sind und wie die Angebote zur Vorbeugung angenommen werden. Es stellte sich heraus, dass jeder dritte Deutsche innerhalb der letzten sieben Tage vor der Befragung an Rückenschmerzen gelitten hatte. Frauen waren häufiger betroffen als Männer, ebenso Ältere häufiger als Jüngere und Vollzeiterwerbstätige häufiger als Teilzeitbeschäftigte oder Arbeitslose. Auch der Lebensstil hatte Einfluss: Unter sportlich Inaktiven, Rauchern und Übergewichtigen waren Rückenschmerzen demnach besonders stark verbreitet.

Risikogruppen nutzen Vorsorgeangebote seltener

Die Befragung ergab auch, dass nur 6,6 Prozent der erwachsenen Bevölkerung - und damit nicht mal jeder Zehnte - innerhalb des Jahres zuvor einen Rückenschulkurs zur Vorbeugung von Rückenschmerzen in Anspruch genommen hatten. Und es zeigte sich, dass die Teilnehmer von Rückenschulkursen vor allem diejenigen mit einem vergleichsweise geringen Risiko für Rückenschmerzen waren: teilzeitbeschäftigte Frauen aus der sozialen Oberschicht, die einen ohnehin aktiven, sportlichen und gesunden Lebensstil pflegten. Seltenere Besucher von Rückenschulkursen hingegen waren Vollzeitbeschäftigte, Nichtsportler und Raucher - und damit jene, die laut Studie am gefährdetsten sind, ein Rückenschmerzleiden zu entwickeln, und am meisten von vorbeugenden Maßnahmen profitieren würden. Möglicherweise, so die Studienautoren, könne die Situation durch eine gezielte Ansprache von Risikogruppen mit entsprechenden Angeboten verbessert werden, etwa durch innerbetriebliche Rückenschulkurse für Berufstätige während oder direkt nach der Arbeitszeit sowie Spezialkurse für Übergewichtige oder Senioren.


Quelle: Schneider, S. & Schiltenwolf, M.: Preaching to the converted: Über- und Unterversorgung in der Schmerzprävention am Beispiel bundesdeutscher Rückenschulen. Der Schmerz 2005, 19(6):477-488
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Mar 18, 2010


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