Handwerker und Pfleger besonders gefährdet

Rücken-Risiken im Job größer als gedacht

Die Rückenschmerz-Gefahr, die von körperlicher Arbeit ausgeht, wurde bisher offenbar unterschätzt. Einer neuen Untersuchung zufolge nimmt die Lendenwirbelsäule auch bei bislang als harmlos geltenden Tätigkeiten Schaden.

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Büroarbeiter, aber auch Pflegekräfte, Postangestellte und Abfallentsorger klagen besonders häufig über Rückenprobleme als Berufskrankheit.
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Ob in der Pflege, am Fließband oder auf der Baustelle: Körperliche Arbeit kann zulasten der Rückengesundheit gehen. Wie sehr, beleuchtet eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung in Dortmund.

Die Ergebnisse haben auch wirtschaftlich gesehen eine große Relevanz: Schließlich sind chronische Rückenschmerzen und -krankheiten statistisch gesehen das größte Gesundheitsproblem in der Arbeitswelt.

Zwei Drittel aller Deutschen klagen im Lauf ihres Lebens über Rückenbeschwerden – vor allem der "untere" Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule macht Probleme. Ein Achtel aller Fehlzeiten im Job geht auf das Konto von Rückenschmerzen

Wirbelsäulenstudie misst Rückenbelastung im Job

Die Wissenschaftler um Thomas Jäger von der Technischen Universität Dortmund konnten nun nachweisen, dass auch von bisher als ungefährlich erachteten Arbeitshaltungen und -intensitäten ein Risiko für den Rücken ausgeht.

Ihre Untersuchung stützt sich auf die Deutsche Wirbelsäulenstudie mit 1.200 Teilnehmern, die teilweise rückenkrank waren. Alle Probanden gaben Auskunft über Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer körperlichen, den Rücken belastenden Arbeit.

Schon mildes Bücken schadet dem Rücken

Bei der Analyse der Daten stellte sich etwa heraus, dass schon ein Neigungswinkel des Rumpfes von 45° dem Rücken schaden kann. Bislang war man von 90° ausgegangen. Die zeitliche Obergrenze für die Belastung der Lendenwirbelsäule müsste in der Konsequenz auf ein Drittel der bisherigen Empfehlung gesenkt werden, folgern die Forscher. Für Frauen betrüge dieser Wert sogar nur noch ein Siebtel.

Zudem fanden die Studienautoren heraus, dass auch bislang unberücksichtigte Tätigkeiten wie Ziehen und Schieben, Werfen und Fangen sowie andere große Kraftanstrengungen in das "Berufsrisiko Rücken" einfließen müssten.

Bewegung für die Rückengesundheit muss sein

Das soll aber kein Freibrief für Sportmuffel sein, stellen die Dortmunder Forscher klar: "Gleichwohl sind körperliche Belastungen zum Erhalt der Gesundheit und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit natürlich auch angeraten und sinnvoll, um das Risiko für Fehlbeanspruchungen und Überlastungen zu verringern", heißt es in der Mitteilung zur Studie weiter.

Für Menschen in rückenfeindlichen Berufen leiten die Wissenschaftler aus ihren Ergebnissen die Empfehlung ab, den eigenen Rücken immer "bewusst und schonend einzusetzen" – auch, wenn es sich subjektiv nur um leichte Belastung handelt.

Über Nacht regeneriert das geschundene Kreuz

Immerhin ein Trostpflaster haben die Studienautoren aber für Beschäftigte bei der Post, in Abfallbetrieben, der Metallbranche, am Fließband und in Pflegeeinrichtungen – also all jene, die Statistiken zufolge am häufigsten aufgrund von Rückenschmerzen krankgeschrieben werden: Über Nacht beziehungsweise in Ruhephasen erholt sich der Rücken wieder von der Last, die er tagsüber tragen musste. Größere Pausen zwischen den einzelnen Schichten könnten so Schmerzen vorbeugen.

Rückenfreundlich arbeiten – die besten Tipps

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Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2014
Quellen: Mitteilung des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung in Dortmund

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