Die "Neue Rückenschule"

Chronischen Rückenschmerzen ganzheitlich vorbeugen

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Die "Neue Rückenschule" beugt chronischen Schmerzen vor. Sie enthält nicht nur Übungen für den Rücken, sondern geht auch auf die Lebensumstände von Schmerzpatienten ein.
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Die "Neue Rückenschule" ist weit mehr als eine Sammlung von Übungen für einen starken Rücken und eine gesunde Körperhaltung. Mit dem multimodalen Konzept können Betroffene chronischen Schmerzen vorbeugen. An wen sich die Rückenschule wendet und welche Bausteine sie umfasst.

Lange Zeit galt die Rückenschule als einseitiges Bewegungsprogramm für den Rücken. Sie wurde Ende der 1960er Jahre mit der Idee eingeführt, durch ein spezielles Schulungsprogramm das Bewusstsein der Patienten für die Gesundheit ihres Rückens zu wecken und Rückenschmerzen vorzubeugen. Mithilfe von Bewegungs- und Halteübungen sollten die Rückenmuskeln gestärkt und eine perfekte Körperhaltung beim Sitzen, Gehen und Stehen erlernt werden.

Kritik an der "alten" Rückenschule

Vor allem in den 1990er Jahren geriet die Rückenschule in die Kritik, weil ein Nachweis ihrer Wirksamkeit fehlte. Auch unterschieden sich die angebotenen Rückenschulprogramme stark in ihren Zielen, Inhalten, Dauern und Vermittlungsformen. Oft waren sie kurz und konzentrierten sich eher auf die theoretische Unterweisung statt auf praktisches Training.

Das Konzept der Neuen Rückenschule

Um die unbefriedigende Situation zu beenden, entwickelten die führenden deutschen Rückenschulverbände ab 2005 ein neues, allgemein verbindliches Konzept der „Neuen Rückenschule“. Die Leitziele dieses Konzepts bestehen darin, die Rückengesundheit zu fördern und chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen. Grundlage der Neuen Rückenschule ist ein biopsychosoziales Modell des Rückenschmerzes.

Dieses Konzept betrachtet Rückenschmerzen nicht nur als eine Folge biologischer Prozesse wie Muskelverspannungen, Entzündungen oder Nervenreizungen, sondern berücksichtigt weitere Aspekte, die als Auslöser chronischer Rückenschmerzen in Frage kommen, zum Beispiel Verhaltensfaktoren wie Strategien zur Vermeidung von Schmerzen, Schonhaltungen, die Schwierigkeit, Schmerzen zu verbalisieren und Ähnliches.

Multimodale Therapie: Das umfasst die Neue Rückenschule

Damit hat sich die Rückenschule zu einem multimodalen Therapieansatz entwickelt, der den Schmerz von verschiedenen Seiten bekämpft. Sie enthält Trainings- und Bewegungsprogramme zur Steigerung der allgemeinen Fitness und Stärkung der Muskulatur ebenso wie die Vermittlung von Strategien im Umgang mit auftretenden akuten Schmerzen und zur Bewältigung von Stress- und Konfliktsituationen, Verhaltenstherapie und Ergotherapie, um die körperliche Situation am Arbeitsplatz zu verbessern. Durch regelmäßiges selbständiges Üben soll sich die Körperwahrnehmung verändern und die motorische Kontrolle über bestimmte Bereiche der Wirbelsäule, Muskeln und Gelenke verbessern.

Für wen eignet sich die Neue Rückenschule?

Die Neue Rückenschule ist weniger für Personen gedacht, die unter akuten, starken Rückenschmerzen leiden. Im Gegenteil: Die Teilnehmer sollten möglichst keine behandlungsbedürftigen Erkrankungen haben, weitgehend schmerzfrei und belastbar sein. Besonders empfohlen wird die Neue Rückenschule für Menschen, die sich wenig, das heißt weniger als eine Stunde pro Woche körperlich bewegen, bereits an Rückenschmerzen, insbesondere innerhalb des letzten Jahres, litten, Risikofaktoren für die Entstehung chronischer Rückenschmerzen aufweisen und ihr Risiko, auch künftig immer wieder an Rückenschmerzen zu leiden, selbst als hoch einschätzen.

Gegenanzeigen: Wer darf nicht an der Neuen Rückenschule teilnehmen?

Allerdings müssen bestehende akute oder chronische Rückenschmerzen nicht zwangsläufig den Ausschluss von der Neuen Rückenschule bedeuten. Vorsicht ist allerdings dann geboten, wenn es sich um Schmerzen handelt, die bei Belastung und Bewegung zunehmen, in die Arme oder Beine ausstrahlen, Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln in den Händen oder Füßen verursachen oder mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Fieber, körperlicher Schwäche oder neurologischen Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerz oder Übelkeit einhergehen. In diesen Fällen sollte zunächst ein Arzt die Ursachen der Beschwerden abklären.

  • zum Selbsttest

    Sie leiden an Rückenschmerzen und stellen sich Fragen wie: Wieso gerade ich? Sind die Beschwerden gefährlich? Muss ich zum Arzt? Der Selbsttest hilft Ihnen, die Ursachen einzugrenzen.

Nicht empfohlen wird die Neue Rückenschule zudem bei ausgeprägter Wirbelsäulenfehlstellung (etwa schwerer Skoliose oder infolge einer starken Beinlängendifferenz), nach einem akuten Bandscheibenvorfall sowie bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Wirbelsäulentumoren, nicht verheilten Wirbelkörperbrüchen und entzündlichen Erkrankungen. Leidet ein Patient unter Herz-, Kreislauf- und Atemwegsbeschwerden muss ein Arzt zuvor abklären, ob eine Teilnahme an der Rückenschule möglich ist oder nicht.

Wie lange dauert der Kurs und was kostet er?

Ein Rückenschulkurs umfasst im Allgemeinen acht bis zwölf Einheiten von jeweils 60 bis 90 Minuten Länge. Für einen zehn Mal 60- bis 90-minütigen Rückenschulkurs betragen die Kosten zwischen 40 und 120 Euro. Bei regelmäßiger Teilnahme übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen anteilig die Kosten für den Kurs, in der Regel zu 80 Prozent. Die Versicherten sollten sich vorab bei ihrer Krankenkasse darüber informieren, wo es entsprechende Kurse gibt und ob sowie in welcher Höhe die Kasse den Kurs bezuschusst.

Die hartnäckigsten Mythen zu Rückenschmerzen

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 24. Juni 2014
Quellen: Kempf, H.-D.: Die Neue Rückenschule. Das Praxisbuch. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2010 Puta, C. et al.: Rückenschmerz - Schmerzverarbeitung und aktive segmentale Stabilisation. Aktuelle Aspekte der „neuen Rückenschule“. In: Manuelle Medizin 49(2), (2011), S. 83-90

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