Rückenschmerzen beim Kind
Kind, beweg' Dich!
Kinder und Jugendliche sitzen ganztägig in der Schule, abends oft vor dem Fernseher und dazwischen am Computer oder an ihrer Spielekonsole. Wo bleibt da die Bewegung? Da diese Lebensweise schon in jungen Jahren Rückenschmerzen begünstigt empfehlen Ärzte: Öfter mal runter von der Couch und weg von der Tastatur! Sofern der Rücken eines Jugendlichen deutlich und anhaltend schmerzt, sollte dies immer ärztlich abgeklärt werden.
Viele denken an Verschleißerscheinungen im mittleren Lebensalter, sobald von Rückenschmerzen die Rede ist. Doch inzwischen klagen zunehmend Kinder und Jugendliche über Rückenbeschwerden. Die KIGGS-Basiserhebung des Robert-Koch-Instituts unter rund 17.700 Jugendlichen bestätigt dies: Wiederkehrende Schmerzen am Rücken sind nach Kopf- und Bauchschmerzen die dritthäufigsten Beschwerden in der Altersgruppe der Elf- bis 17-Jährigen.
Eine von der DAK im Jahr 2010 in Auftrag gegebene Forsa-Befragung unter Kinderärzten untermauert diese Erhebung, denn 44 Prozent der befragten Mediziner gibt an, dass die Zahl der Kinder mit Rückenschmerzen in den vergangenen zehn Jahren leicht gestiegen ist. Rund 13 Prozent der befragten Mediziner hat sogar einen starken Anstieg beobachtet.
Gespielt wird in virtuellen Welten
Grund ist für die Experten die mangelnde Bewegung der meisten Teenager heutzutage: Anstatt draußen Fußball zu spielen, zu Schwimmen oder einer anderen sportlichen Betätigung nachzugehen, jagt der moderne Elf- bis 17-Jährige lieber per Mausklick virtuellen Bällen hinterher oder streift durch soziale Netzwerke – und bewegt sich dabei kaum von der Stelle. Einseitige Belastungen der Wirbelsäule und eine schwache Rückenmuskulatur sind die Folge, was über kurz oder lang zu Beschwerden mit dem Rücken führen muss. Vor allem, wenn zur Bewegungsarmut noch eine falsche Ernährung mit Fastfood und Fertigmahlzeiten hinzukommt, die meist mit Übergewicht gepaart ist. Daher ist die beste vorbeugende Maßnahme gegen Rückenschmerzen regelmäßiger Sport.
Schulranzen-These nicht belegbar
Für die Zunahme der Rückenbeschwerden bei Schulkindern werden gerne zu schwere Schulranzen und –taschen verantwortlich gemacht. Eine These, die sich laut der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) nicht belegen lässt. Die DGSP rät vielmehr, dass "Kinder durch adäquate Bewegungsreize und Training auf die Herausforderungen des Alltags vorbereitet werden" sollten. Die besten Messwerte unter einer Reihe getesteter Kinder erhielten diejenigen, die aktiv in einem Verein Sport treiben, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
„Vorbeugend kann regelmäßige Bewegung helfen, die möglichst viele Muskelgruppen anspricht", urteilt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) über den zunehmenden kindlichen Rückenschmerz. Eltern sollten den Arbeitsbereich ihrer Kinder so gestalten, dass ein Kind keinen Rundrücken macht, so lautet die Empfehlung. "Die natürliche S-Form des Rückens sollte erhalten bleiben“, erklärt Gabriele Trost-Brinkhues, Sprecherin des BVKJ-Ausschusses Kind, Schule und öffentlicher Gesundheitsdienst.
Rückenschmerzen immer ernst nehmen
Leidet ein Kind länger als zwei Wochen unter Rückenschmerzen oder sind diese sehr stark, sollte die konkrete Ursache immer ärztlich abgeklärt werden. Zwar stecken hinter den Beschwerden laut BVKJ meist leichte Verletzungen oder eine Fehlbeanspruchung bestimmter Muskeln, die durch mangelnde Bewegung begünstigt wird und unbehandelt zu Haltungsfehlern führen kann. Ebenso könne das Wachstum bei Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren vorübergehende Rückenschmerzen auslösen.
Aber auch schwerwiegende Erkrankungen und Wachstumsstörungen können beim Kind einen schmerzenden Rücken auslösen. Dazu zählen beispielsweise rheumatische Erkrankungen sowie die Skoliose, eine schwere Wirbelsäulenverkrümmung, oder der Morbus Scheuermann, eine Wirbelsäulenerkrankung, die bevorzugt im Jugendalter auftritt. Glücklicherweise sind diese Erkrankungen bei Kindern eher selten, sollten aber dennoch von einem fachkundigen Arzt ausgeschlossen werden.










