Was dahinterstecken kann

Diagnose Rückenschmerzen ernst nehmen

Weltweit sind 540 Millionen Menschen von Rückenschmerz betroffen. Neu auftretende Rückenschmerzen sollten ernst genommen und beim Hausarzt abgeklärt werden. Doch häufig findet bei Rückenschmerzpatienten eine teure Überdiagnostik statt: Bei akuten Schmerzen ist eine umfassende Untersuchung mit bildgebenden Verfahren noch nicht notwendig.

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Wer Rückenschmerzen rechtzeitig abklären lässt, kann eine Chronifizierung verhindern.

Rückenschmerzen schränken die Lebensqualität ein. Zwar ist die Ursache in den meisten Fällen harmlos, aber hinter den Beschwerden können sich ernsthafte Erkrankungen verbergen. Zudem besteht die Gefahr, dass der Schmerz zum Dauerzustand wird. Betroffene sollten deshalb Rückenschmerzen als Symptom ernst nehmen und für eine gesicherte Diagnose den Hausarzt oder Orthopäden aufsuchen.

Die Gefahr, dass akute Rückenschmerzen chronisch werden, ist groß. Rund 40 Prozent der Bevölkerung leiden Schätzungen zufolge unter dauerhaften oder wiederkehrenden Rückenschmerzen. Diese beeinträchtigen das Wohlbefinden der Betroffenen in erheblichem Maße und führen häufig zu Arbeitsausfall und Frühberentung. Mediziner verstehen heute sehr viel besser, weshalb es zur Entwicklung chronischer Rückenschmerzen kommt und welche Risikofaktoren bei der Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses eine Rolle spielen.

Rückenschmerzen nach der Diagnose zügig behandeln

Gerade Patienten, die versuchen, den Schmerz zu überspielen und zu bagatellisieren, haben ein hohes Chronifizierungsrisiko, da sie die Grenzen ihrer Belastbarkeit oft überschreiten. Durch geeignete Maßnahmen wie eine medikamentöse Schmerzbehandlung, Physio- oder Verhaltenstherapie lässt sich die Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses jedoch verhindern. Um chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen, müssen akute Beschwerden rechtzeitig und effektiv behandelt werden. Die  Diagnose und Therapie akuter Rückenschmerzen sollte daher grundsätzlich so früh wie möglich einsetzen.

Rückenschmerzen oft unspezifisch

Spezifische Erkrankungen der Wirbelsäule wie Wirbelkörperbrüche, Tumoren, Infektionen oder entzündlich rheumatische Erkrankungen sind eher selten Ursache von Rückenschmerzen. Die meisten akuten Rückenschmerzen sind unspezifisch und auf muskuläre Probleme zurückzuführen. „Der Arzt muss jedoch ausreichend qualifiziert sein, um den Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung als Ursache zu formulieren und an einen Facharzt zu überweisen“, betont Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh. Nach wie vor geschieht es, dass rheumatisch entzündliche Krankheiten nicht rechtzeitig diagnostiziert werden, fortschreiten und Schäden hinterlassen, die nicht umkehrbar sind.

Das gilt auch für die häufigste entzündlich rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule, die Arthrose als Ursache von Rückenschmerzen – Grund für etwa fünf Prozent der Fälle von chronischem Rückenschmerz. Die auch Morbus Bechterew genannte Erkrankung befällt insbesondere Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Im Verlauf der Erkrankung versteifen die Gelenke der Wirbel. Im Endstadium zwingt dies die Betroffenen in eine gebückte Haltung. Die Betroffenen klagen im Frühstadium oft darüber, dass morgens die untere Wirbelsäule steif ist. In Bewegung bessern sich die Symptome. „Wenn der Allgemeinarzt in diesen und ähnlichen Fällen Verdacht auf eine spezifische Ursache für die Rückenschmerzen hat, sollte er den Patienten an einen Rheumatologen überweisen“ empfiehlt Professor Dr. med. Joachim Sieper aus Berlin.

Vorsicht bei Überdiagnostik bei Rückenschmerzen

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) rät bei nichtspezifischen Rückenschmerzen unter sechs Wochen und ohne Warnzeichen von bildgebender Diagnostik ab. Umso mehr bedürfen entzündlich rheumatische Krankheiten dringend einer qualifizierten Diagnostik, so die Experten der DGRh. Auch Autoren aktueller Studien unterstützen diese Ansicht.

Bei Rückenschmerzen erst zum Allgemeinarzt

„Primärer Anlaufpunkt für Patienten mit Rückenschmerzen ist jedoch die Allgemeinarztpraxis“, meint Professor Sieper. Die klare Empfehlung des Rheumatologen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin: „Aufwendige diagnostische Maßnahmen sollten in der Regel vermieden werden“. Denn die Beschwerden der meisten Patienten bessern sich schon durch Beratung, physikalische Therapie und psychologische Betreuung. Es sei wichtig, so Sieper, dass Patienten aktiv bleiben, weiterhin am täglichen Leben teilnehmen und ihrem Alltag und damit auch ihrer Arbeit nachgehen.

Auch die DGRh hat diese Negativempfehlung für Ärzte schon 2016 im Rahmen der Initiative „Klug Entscheiden“ formuliert: Halten nicht spezifische Rückenschmerzen weniger als sechs Wochen an und weisen keine sogenannten Red Flags auf, sollte der Arzt auf Bildgebung wie Röntgen und andere Verfahren verzichten. Red Flags sind verschiedene eindeutige Warnhinweise auf Erkrankungen der Wirbelsäule mit sofortigem Handlungsbedarf. Dazu zählen:

  • Frakturverdacht (z. B. nach Sturz oder Sportunfall)
  • Verdacht auf Tumor (z. B. bei vorheriger Krebserkrankung)
  • Verdacht auf Infektion (z. B. bei vorhergehender Infektion und schwachem Immunsystem)
  • Lähmungen und Gefühlsstörungen
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