Bandscheibenvorfall: Das sollten Patienten wissen
Sport trotz Bandscheibenvorfall: Ja – bloß welcher?

Welche Übungen und Sportarten sich nach dem Vorfall für Bandscheibenpatienten eignen mehr...

Bandscheibenprotrusion: Symptome und Therapie der Vorwölbung

Bei einer Bandscheibenprotrusion ist die Bandscheibe degeneriert, ihr Faserring aber noch intakt mehr...

Vorbeugung besonders wichtig

Bandscheibenvorfall: So reagieren Sie richtig

Zu wenig Bewegung oder zu viel körperliche Belastung: Beides kann der Wirbelsäule zu schaffen machen. Manchmal ist ein Bandscheibenvorfall die Folge. Häufig lassen sich die Beschwerden mit einfachen Mitteln lindern.

bandscheibenvorfall.jpg
Drückt die verrutschte Bandscheibe einen Nerv zusammen, können Lähmungen, Kribbeln und Taubheitsgefühl die Folgen sein. Dann ist der Bandscheibenvorfall unbedingt behandlungsbedürftig.
© iStock.com/janulla

Starke körperliche Belastung, stundenlange Schreibtischarbeit am PC, zu wenig Bewegung – das sind Risikofaktoren für Erkrankungen der Wirbelsäule und Rückenmuskeln. Ein Großteil aller Rentenanträge wird inzwischen mit meist chronischen Rückenleiden begründet. Auch Jüngere haben zunehmend Beschwerden vom Nacken bis ins Kreuz. Fast jeder Bundesbürger hat laut Statistik einmal in seinem Leben Rückenprobleme, mitunter steckt hinter den Rückenbeschwerden ein ernster Bandscheibenvorfall.

Artikelinhalte im Überblick:

Übungen für einen schmerzfreien und starken Rücken

Diagnose Bandscheibenvorfall ist häufig

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden geworden und inzwischen einer der häufigsten Gründe für den Besuch beim Hausarzt. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind der häufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Zwischen 2006 und 2018 ist die Zahl der Krankenhausfälle wegen Rückenschmerzen von 282.000 auf 520.000 gestiegen. Wer unter Rückenschmerzen leidet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für einen späteren Bandscheibenschaden. Die Zahl der Operationen an den Bandscheiben hat zwischen 2006 und 2014 um 12,2 Prozent zugenommen.

Und trotzdem: Große Versorgungslücken klaffen

Die Versorgung bei der Vorbeugung und Nachsorge von Bandscheibenleiden ist jedoch – ungeachtet der großen medizinischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung – derzeit noch lückenhaft.

Nur ein ein paar der operierten Bandscheibenpatienten erhält nach dem Krankenhausaufenthalt eine Anschlussheilbehandlung oder eine aktivierende Reha-Maßnahme. Bei fast der Hälfte der Patienten, die wegen eines Bandscheibenleidens in eine Klinik eingewiesen werden müssen, dauert es zwischen der stationären Versorgung und dem Beginn anschließender ambulanter Rehabilitations- und Behandlungsmaßnahmen mindestens vier Wochen – Zeit, die ungenutzt verstreicht und das Risiko für eine Chronifizierung der Beschwerden erhöht.

Bandscheibenvorfall: So läuft die Diagnose ab

"Doch nicht jeder Rückenschmerz bedeutet gleich einen Bandscheibenvorfall", sagt Hans-Peter Köhler, Chefarzt der Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Asklepios Westklinikum Hamburg. Für eine genaue Diagnose führt der Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Mögliche Fragen des Arztes sind unter anderem:

  • Wo sind die Schmerzen?
  • Geht der Schmerz übers Knie hinaus bis zur Großzehe?
  • Besteht im Fuß ein Taubheitsgefühl?

"Aus der Schilderung lässt sich dann schon meist erkennen, wo das Problem ist", sagt Köhler. Dem Gespräch schließt sich eine gezielte Untersuchung des potenziellen Bandscheibenvorfalls an. Verschiedene Gehversuche, die Haltung des Patienten und Lähmungserscheinungen geben weiteren Aufschluss. Zur weiterführenden Diagnostik gehören zum Beispiel Kernspintomographie oder Computertomographie.

Die meisten Bandscheibenvorfälle vergehen von allein wieder

Die Behandlung beginnt in den meisten Fällen mit einer einfachen Schmerztherapie. "Es sei denn, es gibt gravierende neurologische Ausfälle", betont Köhler. "Im Normalfall aber helfen Schmerztabletten, Wärmeanwendungen, eventuell auch Akupunktur." Nach etwa zwei bis drei Wochen – so die Erfahrung der Mediziner – bessern sich bei rund 80 Prozent der Betroffenen die Beschwerden, denn der menschliche Körper hat sehr starke Regenerationskräfte.

  • zum Selbsttest

    Sie leiden an Rückenschmerzen und stellen sich Fragen wie: Wieso gerade ich? Sind die Beschwerden gefährlich? Muss ich zum Arzt? Der Selbsttest hilft Ihnen, die Ursachen einzugrenzen.

Deswegen sollten laut Köhler alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten des Bandscheibenvorfalls vor einer Operation ausgeschöpft werden. "Ein Bandscheibenvorfall ist also zunächst einmal kein Grund zur Panik", beruhigt Köhler. Viele Menschen haben sogar ein solches Rückenproblem, ohne es zu wissen, weil sie durch den Bandscheibenvorfall keine Beschwerden haben.

Wann ist eine Operation notwendig?

Wenn jedoch alle konservativen Therapiemaßnahmen nicht weiterhelfen, kommt für Patienten mit Bandscheibenvorfall in den meisten Fällen eine mikrochirurgische Operation infrage. "Man macht einen ungefähr zwei Zentimeter langen Schnitt über der Wirbelsäule und geht dann – je nachdem, wo der Vorfall ist – am Nervenkanal vorbei in die Tiefe, erklärt Köhler.

"Dabei wird ein Operations-Mikroskop eingesetzt, mit dessen Hilfe der Neurochirurg alles sehr genau sehen und millimetergenau arbeiten kann." Bei der Operation wird das herausgerutschte Bandscheibengewebe entfernt, um die Nerven vom Druck zu entlasten. Neben dieser offenen Methode kommt nach Köhlers Angaben erfahrungsgemäß bei 15 Prozent der Patienten auch eine endoskopische Operation in Betracht. Die Ergebnisse nach einer Bandscheibenoperation seien in mehr als 90 Prozent gut bis sehr gut.

Sieben Fakten über Rückenschmerzen

kabel eins

Die Hälfte der Bandscheiben-Operationen ist überflüssig

"Nach wie vor wird viel operiert", sagt der Orthopäde Martin Marianowicz, Vorsitzender der deutschen Sektion des World Institute of Pain in den USA. Er kritisiert das: "Mindestens 50 Prozent aller Operationen sind überflüssig." Dabei habe die Zahl der operativen Eingriffe in den vergangenen Jahren noch um 400 Prozent zugenommen. Grund sei offenbar, dass nur mit Operationen Geld zu verdienen sei, während die konservative und kostengünstigere Behandlung des Bandscheibenvorfalls (Diskusprolaps) mitunter nicht einmal von den Krankenkassen bezahlt werde.

Übereilte Behandlung bei Bandscheibenvorfällen häufig

Auch gebe es ein Ausbildungsproblem bei den Ärzten. Denn in einer Disziplin, bei der es zu 80 Prozent konservativ behandelbare Patienten gebe, stehe die chirurgische Ausbildung noch immer im Vordergrund. Darüber hinaus führe die sonst segensreiche Möglichkeit der Kernspintomographie bei Bandscheibenvorfällen häufig zu vorschnellen Diagnosen und Übertherapie in Form von teilweise vermeidbaren Operationen.

Vorbeugung bei Bandscheibenvorfall besonders wichtig

In einem sind sich die Rückenschmerz-Experten aber einig: Die beste "Therapie" eines Bandscheibenvorfalls bleibt die Vorbeugung. Auch, wenn altersbedingte Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben kaum zu verhindern sind. Für die Rückengesundheit kann dennoch jeder Einzelne rund um die Uhr etwas tun. "Das umfasst zu Hause die Küche, den Fernsehsessel oder die Matratze und das Bett", weiß der Experte. Am Arbeitsplatz sollten Stühle, Tische, Tastatur und Zubehör ergonomische Vorgaben berücksichtigen. In der Freizeit spielen rückengerechte Schuhe oder Fahrräder eine Rolle. Und wer viel mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich auch hier über eine rückengesunde Haltung und Ausstattung Gedanken machen.

Mythos Bandscheibe: Was stimmt wirklich?
Topaktuell informiert mit dem Rücken-Newsletter

Als Abonnent bekommen Sie einmal im Monat die neuesten Artikel, Videos und Bilderstrecken - sonst nichts. Denn gut informiert ist halb geheilt!

Hier bestellen...

Bandscheibenvorfall

Mythos Bandscheibe: Was stimmt wirklich?
Bandscheibenvorfall

Über Bandscheiben und den Bandscheibenvorfall kursieren unzählige Gerüchte mehr...

Bandscheibenvorfall: Wann ist eine Operation nötig?
Neurologische Störungen

Bei einem Bandscheibenleiden wird zunächst versucht, Rückenschmerzen und andere Beschwerden nicht-operativ zu behandeln. Nur wenn diese Maßnahmen nicht helfen und Nervenschädigungen drohen, ist eine Operation... mehr...

Noch Fragen zu Rückenschmerzen?

Dr. Frank Stehn beantwortet Ihre Rückenschmerz-Fragen - kostenlos und innerhalb weniger Tage

zum Expertenrat
Selbsttest
Rücken-Forum

Einfach mal Dampf ablassen und mit anderen Rückenschmerzpatienten quatschen? Hier gehts zum Forum!

zum Forum

Zum Seitenanfang