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Biopsychosoziale Therapie

Rückenschmerzen ganzheitlich behandeln

Eine Kombination aus Physio- und Psychotherapie hilft selbst gegen heftige Rückenschmerzen

Eine Kombination aus Physio- und Psychotherapie hilft selbst gegen heftige Schmerzen

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Physio- und Psychotherapie sind aus der Behandlung chronischer Rückenschmerzen nicht mehr wegzudenken.
Getty Images/Pixland

Rückenschmerz-Patienten profitieren von einer biopsychosozialen Therapie ihrer Beschwerden – auch wenn sie an schweren und langwierigen Schmerzen leiden. Dabei kommen Physio- und Psychotherapie zum Einsatz.

Anhaltende (chronische) Rückenschmerzen nur mit Schmerzmitteln zu bekämpfen, gilt seit langem als überholt. Erfahrungsgemäß kommt es beim alleinigen Einsatz von Schmerzmedikamenten meist schon nach kurzer Zeit zu Rückfällen, weil die eigentlichen Gründe für die Rückenbeschwerden und der Umgang damit von der Behandlung unberührt bleiben.

So hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts bei leichten chronischen Rückenschmerzen die multidisziplinäre oder multimodale Behandlung mit biopsychosozialen Maßnahmen etabliert. Dazu gehören neben der unmittelbaren Schmerzbekämpfung vor allem Bewegungstherapie und psychotherapeutische Verfahren. Auch Patienten mit schweren, lang anhaltenden Rückenschmerzen können von der biopsychosozialen Therapie profitieren, wie Untersuchungen bestätigt haben.

Was erwartet Patienten bei der biopsychosozialen Therapie?

Bei der multidisziplinären Behandlung im Rahmen der biopsychosozialen Therapie absolvieren die Patienten ein dreiwöchiges Ganztagsprogramm, das an fünf Wochentagen jeweils acht Stunden lang durchgeführt wird. Zum Einsatz kommen dabei Krankengymnastik, Rückentraining und Ergotherapie, aber auch Gruppen- und Einzelpsychotherapie. Letztere umfassen beispielsweise Verhaltenstherapien, das Erlernen von Entspannungstechniken und Strategien zur Problemlösung sowie ein Training für den Umgang mit den Gegebenheiten am Arbeitsplatz.

Die Anwendung von Schmerzmitteln spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle - der Bedarf soll im Laufe der Behandlung immer weiter reduziert werden. Ziel des biopsychosozialen Therapieansatzes ist es, die Patienten zu einem aktiven und bewussten Umgang mit ihren Beschwerden zu befähigen und den Teufelskreis aus Schmerz, Inaktivität und Schmerzverstärkung zu unterbrechen.

Psychotherapie auch bei schweren Rückenschmerzen wirksam

Der biopsychosoziale Behandlungsansatz ist selbst bei langanhaltenden und starken Rückenschmerzen sehr erfolgreich. Das beweist unter anderem eine Untersuchung an der Universitätsklinik Heidelberg mit Patienten, die bereits länger als drei Monate an chronischen Rückenschmerzen litten, mindestens sechs Wochen deswegen krank geschrieben waren und auf Standardtherapien nicht mehr ansprachen.

Nach der dreiwöchigen biopsychosozialen Therapie wurden die Patienten aus der Klinik ohne weitere Behandlung entlassen. Der multidisziplinäre Behandlungsansatz zeigte eine anhaltende Wirkung: Auch sechs Monate nach Beginn der Therapie gegen chronische Rückenschmerzen waren mehr als zwei Drittel der Teilnehmer arbeitsfähig, unabhängig vom ursprünglichen Schweregrad ihrer Rückenbeschwerden. In allen erfragten Bereichen (Arbeitsfähigkeit, Schmerzintensität, Zufriedenheit mit der Behandlung, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Verbesserung der Rückenfunktion) waren die Patienten zufrieden.

Auch wenn biopsychosoziale Behandlungskonzepte zunächst zeitaufwändig und kostspielig scheinen - bei chronischen Rückenschmerzen zahlt sich ihr Einsatz langfristig offenbar aus.

Neurostimulatoren gegen chronische Rückenschmerzen

Wenn es im Rücken schmerzt oder die Nerven unkontrolliert ihre Schmerzimpulse an das Gehirn schicken, haben Betroffene nicht mehr viel zu lachen. Andauernde Schmerzen machen mürbe, unwirsch und launisch. Auch Schmerztherapeuten kennen diese Situation und versuchen aus den vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten, das individuell erfolgreiche Konzept zu entwickeln.

Doch was geschieht mit Patienten, deren Beschwerden sich nicht mit Medikamenten kontrollieren lassen und die durch jedes Raster fallen?

„Bei Patienten, denen mit Arzneimitteln, nichtmedikamentösen oder psychotherapeutischen Verfahren nicht geholfen werden kann, hat sich häufig die Neurostimulation als wirksame Alternative erwiesen, erklärt Dr. med. Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin. Bei der Neurostimulation wird eine Elektrode epidural, also zwischen die Wirbel und den eigentlichen Wirbelkanal, platziert. Die Elektrode gibt ständig Impulse an das Rückenmark ab. Die elektrischen Reize gelangen in das Gehirn und überlagern dort die körpereigenen Schmerzsignale.

So funktioniert die Neurostimulation gegen Rückenschmerzen

Gesteuert wird die Elektrode durch einen Stimulator, der unter die Bauchdecke implantiert wird. Während des Eingriffes sind die Patienten wach. Bei einer Probestimulation sollen sie Kribbel-Parästhesien in dem Schmerzareal empfinden. Dadurch wird geprüft, ob die Elektrode richtig liegt. Später können die Patienten die Stärke der Impulse dann selbst programmieren. UG Neurostimulatoren gegen chronische Rückenschmerzen

Studie belegt Erfolg der Therapie

Die Ergebnisse der aktuellen PROCESS-Studie konnten den Erfolg belegen. In einer kontrollierten Untersuchung wurden 48 Patienten mit einem Neurostimulator behandelt, 52 Patienten medikamentös. Die durchschnittliche Schmerzintensität der Patienten betrug zu Beginn 75 von 100 möglichen Punkten auf einer Schmerzskala. Nach sechsmonatiger Therapie hatte sich der Punktwert bei 48 Prozent der Neurostimulator-Patienten, aber nur bei 9 Prozent der medikamentös behandelten Betroffenen halbiert.

Die Kosten übernimmt die Krankenkasse

„Ob die Neurostimulation als Therapie in Frage kommt, sollte in spezialisierten Zentren entschieden werden. Im Schmerzzentrum Berlin sind wir sehr froh, mit Professor Klaus Maier-Hauff einen ausgewiesenen Experten für die Entwicklung eines Zentrums für Neurostimulation gewonnen zu haben, sagt Jansen. Die Kosten für das Verfahren werden von den Krankenkassen übernommen.

Geeignet ist die Methode für folgende Patienten: wenn nicht-operative Therapien keine ausreichende Schmerzlinderung erreichen es keinen erkennbaren Grund für die Schmerzen gibt herkömmliche chirurgische Eingriffe zur Schmerzlinderung nicht in Frage kommen keine unbehandelte Medikamentenabhängigkeit besteht eine Versuchsbehandlung erfolgreich war.

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