FAQs zu anhaltenden Rückenbeschwerden

Therapie chronischer Rückenschmerzen: Die zehn häufigsten Fragen & Antworten

Rückenschmerzen sind weit verbreitet: Experten schätzen, dass rund 60 bis 80 Prozent der Deutschen schon einmal unter Rückenschmerzen zu leiden hatten. Bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen entwickelt sich ein chronisches Leiden. Der Schmerz wird dann zum ständigen Begleiter.

Glossar und FAQ_95815759.jpg
FAQs zum Thema Rückenschmerzen als Kurzlexikon.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es gegen chronische Rückenschmerzen? Ist Physiotherapie ein Muss? Und wie kann man seinen Alltag rückenfreundlicher gestalten? Wir haben die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema chronischer Rückenschmerz für Sie zusammengestellt.

Frage 1: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei chronischen Rückenschmerzen?

Chronische Rückenschmerzen haben meist nicht nur eine einzige Ursache– vielfältige körperliche und seelische Aspekte tragen zu ihrer Entstehung bei. Deshalb ist bei chronischen Rückenschmerzen ein Therapiekonzept gefragt, das die Komplexität der Schmerzentstehung berücksichtigt und das Problem von mehreren Seiten angeht. Mediziner sprechen von einer sogenannten multimodalen (lat. multi – viele; modalitas – Art und Weise, Möglichkeit) Therapie, die aus unterschiedlichen Therapiebausteinen besteht.

Bestandteile einer derartigen multimodalen Therapie sind in der Regel:

  • Medikamentöse Schmerztherapie
  • Physikalische Therapien: Wärmeanwendungen, Ultraschalltherapie, Massagen, Manuelle Therapie u.a.
  • Physiotherapie: Krankengymnastik, Bewegungs- und Krafttraining
  • Verhaltenstherapie
  • Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga u.a.
  • Ergotherapie, „ Work hardening
  • Patientenschulung: Aufklärung über die Komplexität der Erkrankung, auslösende Faktoren, Vermeidungsstrategien u.a.

Mitunter kann eine ambulante oder stationäre Behandlung in einem spezialisierten Schmerzzentrum bzw. in einer Reha-Klinik erforderlich sein.

Frage 2: Welches Ziel hat die Behandlung chronischer Rückenschmerzen?

Die Behandlung chronischer Rückenschmerzen zielt darauf ab, den Schmerzzustand möglichst dauerhaft zu unterbrechen oder zumindest zu lindern und damit die Bewegungsfähigkeit wiederherzustellen.  Dazu sind in der Regel unterschiedliche medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen erforderlich. Das Schmerzgedächtnis, das sich während der Chronifizierung der Schmerzen ausgebildet hat, wird „überschrieben“.

Dadurch lernt der Patient, bestimmte Bewegungen wieder schmerzfrei und ohne Bedenken ausführen zu können. Gelingt es, das chronische Schmerzerleben zu durchbrechen, können die Patienten nicht nur ihren häuslichen Alltag wieder meistern, sondern in vielen Fällen auch ins Berufsleben zurückkehren.

Frage 3: Welche Medikamente spielen bei der Behandlung chronischer Rückenschmerzen eine Rolle?

Bei chronischen Rückenschmerzen ist oft eine medikamentöse Schmerztherapie notwendig. Sie unterbricht oder lindert den Schmerzzustand vorübergehend und hilft dadurch indirekt, die Beweglichkeit der Patienten nach und nach wiederherzustellen und den Bewegungsumfang langsam zu steigern.

Grundsätzlich stehen für die Behandlung von Rückenschmerzen folgende Wirkstoffgruppen zur Verfügung

  • Nicht-opioide Analgetika wie Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol
  • Zentrale Muskelrelaxantien, also muskelentspannend wirkende Medikamente wie z.B. Baclofen
  • Opioide (z.B. Tramadol, Tilidin/Naloxon): Ihr Einsatz erfolgt bei sehr starken chronischen Rückenschmerzen, die nicht ausreichend auf die üblichen Medikamente ansprechen.

Frage 4: Welche nicht-opioidhaltigen Schmerzmittel bei chronischen Rückenschmerzen kommen in Frage?

Als wirksame Schmerzmittel bei chronischen Rückenschmerzen haben sich nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen erwiesen. Bei längerfristiger Anwendung sollten nicht-steroidale Antirheumatika zur Schmerzlinderung in limitierter Tagesdosis (unterhalb der maximal empfohlenen Tagesdosis) eingesetzt werden.

Paracetamol kann in höheren Tagesdosen leberschädigend wirken. Eine Kombination von Paracetamol und nicht-steroidalen Antirheumatika ist zu vermeiden. In Ausnahmefällen kommen nach Prüfung von Nutzen und Risiko sog. Coxibe in Frage, insbesondere wenn degenerative oder entzündliche Gelenkerkrankungen Ursache der chronischen Rückenschmerzen sind.

Frage 5: Welche Rolle spielen Verspannungen bei chronischen Rückenschmerzen?

Häufiger Auslöser von Rückenschmerzen sind anhaltende Muskelverspannungen und -verhärtungen, die durch falsche Belastung, Bewegungsmangel und Fehlhaltungen ausgelöst werden. Ist dies der Fall, stehen zur Behandlung verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die Muskelverspannungen gezielt lösen können. Einsatz finden zum Beispiel zentrale Muskelrelaxantien wie Tizanidin.

Frage 6: Wann sind opioidhaltige Schmerzmittel sinnvoll?

Bei sehr starken chronischen Rückenschmerzen, die nicht ausreichend auf nicht-opioide Schmerzmedikamente ansprechen, können opioidhaltige Schmerzmittel (z.B. Tramadol, Tilidin/Naloxon) zum Einsatz kommen. Empfehlenswert ist es, sie grundsätzlich nur im Rahmen einer multimodalen Therapie einzusetzen.

Frage 7: Weshalb sollte ich mit chronischen Rückenschmerzen zur Physiotherapie gehen?

Einseitige Belastung und Bewegungsmangel sind die häufigsten Gründe für schmerzhafte Muskelverspannungen und –verhärtungen im Rückenbereich. Krankengymnastik, Bewegungs- und Krafttraining sind deshalb integraler Bestandteil einer multimodalen Therapie chronischer Rückenschmerzen: Sie kräftigen die Muskeln, schulen die Körperhaltung, stellen die Beweglichkeit der Wirbelsäule und Gelenke wieder her, verbessern die Koordinationsfähigkeit, steigern die körperliche Leistungsfähigkeit und beugen langfristig Rückenschmerzen vor. Die Intensität des Trainings wird dem Leistungsvermögen und dem Gesundheitszustand des jeweiligen Patienten angepasst.

Frage 8: Was bewirkt eine Verhaltenstherapie im Hinblick auf Rückenschmerzen?

Bei der Entstehung chronischer Rückenschmerzen spielen oft auch langjährig eingeübte Verhaltensmuster in bestimmten Situationen eine Rolle, z.B. Reaktionen auf berufliche Anforderungen oder Konfliktsituationen. Diese zu erkennen und zu durchbrechen sowie neue Verhaltens- und Bewältigungsstrategien zu erlernen, kann den Behandlungsprozess bei chronischen Rückenschmerzen unterstützen. Hierbei spielen Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training, Myobiofeedback oder Yoga ebenfalls eine wichtige Rolle.

Frage 9: Was kann ich im Alltag gegen meine Rückenschmerzen tun?

Endloses Sitzen am Schreibtisch vor dem Computer, Gemüseschälen an der Küchenarbeitsplatte in für den Rücken ungünstiger Höhe, das Heben schwerer Wäschekörbe – es sind die täglichen Verrichtungen, die unseren Rücken belasten und schmerzen lassen. Allein Trainingsprogramme für den Fitnessraum zu entwickeln, reicht deshalb nicht aus – die in der Therapie entwickelten Verhaltensstrategien und Bewegungsmuster müssen in den beruflichen und privaten Alltag integriert werden.

Hierbei helfen Ergotherapie und „Work hardening“ (sog. forciertes Training). Bei beiden Konzepten wird versucht, optimale Voraussetzungen für notwendige Bewegungsabläufe und Tätigkeiten zu schaffen. Auch eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes gehört dazu, um zusätzliche körperliche Belastungsfaktoren auszuschalten und Arbeitsabläufe zu erleichtern.

Frage 10: Wie stehen meine Chancen bei einer multimodalen Therapie gegen chronische Rückenschmerzen?

Eine multimodale Therapie kann chronische Rückenschmerzen nachhaltig bessern: Die Schmerzen gehen zurück, die körperliche und seelische Befindlichkeit verbessert sich und die Lebensqualität nimmt zu. Viele Patienten können an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, die Zahl der Fehltage bei der Arbeit sinkt und die Patienten müssen seltener einen Arzt wegen Rückenbeschwerden aufsuchen. Noch ein Jahr nach Beendigung der Therapie beurteilen viele Patienten das Ergebnis der Behandlung als sehr gut bis zufriedenstellend.

Hätten Sie´s gewusst? Fakten zu Rückenschmerzen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. November 2014
Durch: sw
Quellen: Nationale Versorgungsleitlinie: Kreuzschmerz. Langfassung. Hrsg: Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) u.a. AWMF-Register: nvl/007, Version 1.2 (Stand: August 2011); URL: http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/kreuzschmerz/pdf/nvl_kreuzschmerz_lang.pdf; Nagel, B. & Korb, J.: Multimodale Therapie des Rückenschmerzes. Nachhaltig wirksam und kosteneffektiv. In: Der Orthopäde 38(10), (2009), S. 907-912

Rückenschmerzen
Wann Rückenschmerzen in der Schwangerschaft ein Warnsignal sind
Nicht nur der Babybauch verursacht Schmerzen

Werdende Mütter leiden im Verlauf der Schwangerschaft häufig unter Rückenschmerzen. Wieso sie nicht immer harmlos sind mehr...

Diese Medikamente können Rückenschmerzen beseitigen
Medikamentöse Therapie bei Rückenschmerzen

Die Art des Schmerzes hat Einfluss auf die Auswahl der medikamentösen Therapie mehr...

Wenn Wirbelsäulenanomalien für Rückenschmerzen sorgen
Skoliose, Spinalkanalstenose, Scheuermannsche Krankheit

Scheuermann, Skoliose, Spinalkanalstenose: Welche Anomalien hinter Rückenschmerzen stecken können mehr...

Chronische Schmerzen
Noch Fragen zu Rückenschmerzen?

Dr. Frank Stehn beantwortet Ihre Rückenschmerz-Fragen - kostenlos und innerhalb weniger Tage

zum Expertenrat
Rückentipps auf Facebook

Rücken-Forum

Einfach mal Dampf ablassen und mit anderen Rückenschmerzpatienten quatschen? Hier gehts zum Forum!

zum Forum
Selbsttest
Videos
Aktuelle Fragen

Zum Seitenanfang