Rückentraining

Work hardening: Rückenschmerzen durch den Job an der Wurzel packen

Moderne Behandlungsansätze bei chronischen Rückenschmerzen verfolgen nicht nur das Ziel, die Schmerzen zu beseitigen – auch ihr erneutes Auftreten soll verhindert werden. Ein spezielles Trainingskonzept ist das sogenannte „Work hardening“, das eigens auf die individuellen Bedingungen am Arbeitsplatz ausgerichtet ist.

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Rückenschmerz-Auslöser ist oft der Büroalltag. Hier setzt das Work hardening an.
© iStock.com/milanvirijevic

Die Behandlung chronischer Rückenschmerzen zielt heute nicht mehr allein darauf ab, kurzfristig die Schmerzen zu beseitigen – ein erneutes Auftreten der Beschwerden soll möglichst langfristig verhindert werden. Hierfür wurden multimodale Therapiekonzepte entwickelt, die die komplexen Vorgänge bei der Entstehung chronischer Schmerzen berücksichtigen und physikalische und physiotherapeutische Maßnahmen ebenso einschließen wie Kraft- und Bewegungstraining, Psycho- und Ergotherapie. Ein Bestandteil eines modernen multimodalen Therapiekonzepts ist das sogenannte Work hardening. Es setzt genau dort an, wo besonders häufig der Ursprung von Rückenschmerz liegt: im beruflichen Alltag.

Work hardening: Eine Schule für den Berufsalltag

Beim Work hardening handelt es sich um eine Art Hebe-, Haltungs- und Arbeitstraining. Oberstes Ziel ist die „functional restoration“, also Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit von Wirbelsäule, Gelenken und Rückenmuskeln. Work hardening soll gewissermaßen die motorischen Voraussetzungen dafür schaffen, die alltäglichen Anforderungen im Beruf auf rückenfreundliche Art und Weise zu meistern.

Was beinhaltet das Work-hardening-Training?

Work hardening ist ein Training zur Verbesserung der motorischen Leistungsfähigkeit und konzentriert sich dabei auf den Arbeitsalltag des jeweiligen Betroffenen. Trainiert werden beispielsweise wiederkehrende Arbeitsabläufe. Der Ergotherapeut simuliert hierfür eine spezifische Arbeitssituation, die er zuvor mit dem Patienten besprochen und vorbereitet hat, etwa das Heben oder Tragen schwerer Lasten, das Ausführen von Tätigkeiten in leicht gebückter Haltung, das Ein- und Ausräumen von Regalen mit schweren Gegenständen, das Anstreichen von Wänden oder feinmotorische Tätigkeiten in immer gleicher Körperhaltung. Die Bewegungs- und Arbeitsabläufe, die notwendig sind, um die jeweilige Anforderung zu erfüllen, werden im Training intensiv geübt und automatisiert.

Flexibilität schulen und Lust an Bewegung zurückgewinnen

Dabei soll Work hardening unter anderem die Fähigkeit schulen, bei gleichen Anforderungen unterschiedliche Bewegungen und Körperhaltungen einzusetzen. Dies erlaubt dem Betroffenen, künftig flexibler auf Arbeitsaufgaben reagieren zu können und Zwangshaltungen sowie monotone Bewegungen zu vermeiden, die oft Ursache für schmerzhafte Verspannungen und Fehlhaltungen in der Rückenmuskulatur und Wirbelsäule sind.

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Alle Techniken, die im Training vermittelt werden, sollen von den Betroffenen schmerzfrei ausgeübt werden können. Dies weckt das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und nimmt die Angst vor Schmerzen bei Bewegung. Die Patienten sollen allerdings auch lernen, die Grenzen ihrer Belastbarkeit im beruflichen Alltag rechtzeitig zu erkennen und zu respektieren.

Wie läuft das Trainingsprogramm bei Work hardening ab?

Ein Work-hardening-Programm erstreckt sich in der Regel über mehrere Wochen und findet als Gruppentraining mit fünf bis zehn Teilnehmern und mehreren Therapeuten statt. Vor Beginn des Trainings werden die Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit des Patienten getestet. Daraus lässt sich ableiten, welche beruflichen Anforderungen besonders intensiv und bewusst trainiert werden müssen und in welchem Umfang dies möglich ist.

Während des Trainings finden regelmäßig körperliche Untersuchungen und Befragungen des Patienten statt, um den Anstrengungsgrad und die jeweilige Leistung zu erfassen. Dies erlaubt es, Leistungssteigerungen objektiv festzuhalten. Der Effekt des Trainings kann groß sein: Anfänglich noch als starke Belastung empfunden, geht die Beanspruchung der Betroffenen im Laufe der Zeit oft deutlich zurück.

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