Beh. einer Spinalkanalstenose durch verkalkten Massen-BSV.

Kategorie: Special-rueckenschmerz.de » Expertenrat Rückenschmerz | Expertenfrage

09.08.2017 | 22:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Stehn,

einer meiner Bandscheibenvorfälle ist jetzt 15 Jahre alt, auf Höhe L4/5 und ein Massenvorfall, damals unter konservativer Therapie gut ausgeheilt. Jetzt habe ich seit ca. 1 Jahr Beschwerden mit Ausstrahlung in das li. Bein bis zum Außenknöchel und in die re. Hüfte. Zudem wache ich nachts öfter aufgrund der Beschwerden auf. Computertomographisch wurde ein teilweise verkalkter Massenprolaps L4/5 gesehen mit deutlicher Spinalkanalstenose, vorwiegend li. und hochgradige Einengung des Recessus lateralis, li. ausgeprägter als re. Bis vor ca. 4 Wochen habe ich noch täglich meine Fortgeschrittenen-Pilates-Übungen gemacht (was vermutlich die Symptomatik verstärkt hat) und mich von krankengymnastischer Seite auch immer wieder mobilisieren lassen, weil zunächst immer nur Probleme mit den ISG-Fugen vermutet wurden. Ich bin eigentlich sehr sportlich, habe bis vor 4 Wochen 40 km/Woche Nordic Walking gemacht (jetzt noch 35), Indoor-Rowing (1 x pro Woche) und Ergometer-Training (6-8 km/Tag). Allerdings muss ich jetzt immer Diclofenac 75 mg ret. einnehmen, weil die Schmerzen sonst zu stark werden und ich keinen Sport mehr treiben kann. Die Pilatesübungen habe ich bis auf einige wenige eingestellt, um die Symptomatik nicht noch weiter zu verschlimmern. Was raten Sie mir? Kann ich darauf hoffen, dass die Symptomatik unter konservativer Therapie zurückgeht oder muss ich das operieren lassen? Falls nicht: welchen Sport kann ich gefahrlos noch betreiben und welche physiotherapeutischen Maßnahmen sind angeraten? Falls Sie eine Operation für unumgänglich halten: Wie groß sind die Risiken einer Verschlimmerung der Beschwerden? Wie groß sind die Risiken von Spätfolgen (mein Vater wurde 2 x an der Wirbelsäule operiert und liegt seit 2 Jahren trotz Tilidin-Medikation fast nur noch aufgrund von Schmerzen, nachdem zuerst für nur  Jahr eine Besserung eingetreten war). Muss man eine Spezialklinik aufsuchen oder wäre das Bathildiskrankenhaus in Bad Pyrmont, das solche Operationen auch anbietet, zu empfehlen? Für Ihre ausführliche Antwort wäre ich sehr dankbar. Bitte verstehen Sie, dass ich Angst vor Spätfolgen habe; ich bin noch nicht so furchtbar alt, aber Single, und möchte nicht riskieren, überhaupt nicht mehr laufen zu können.

MfG

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Experte-Stehn
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14.08.2017, 23:20 Uhr
Antwort von Experte-Stehn

Sehr geehrte FenjaDV,

zunächst einmal sollte der Zusammenhang zwischen verkalktem Bandscheibenvorfall mit deutlicher Verengung des Spinalkanales (Spinalstenose) und Ihren Beschwerden hinreichend abgesichert werden. Dazu ist ggfs. auch eine neurologische Untersuchung der durch Vorfall und Stenose gedrückten Nerven sinnvoll.

Solange keine neurologische Defizitsymptomatik mit Lähmungserscheinungen wichtiger Muskeln auftritt, ist eine Operation (noch) nicht zwingend. Die OP-Indikation ergäbe sich momentan ja "nur" aus den Sie beeinträchtigenden Schmerzen. Diese lassen sich aber häufig recht gut durch konservative Therapien mindern. Diese sollten jetzt auch intensiviert werden; dabei ist sicherlich auch eine Reduzierung Ihres umfangreichen und durchaus rückenbelastenden Sportprogrammes sinnvoll! Manchmal muss man dem Körper einfach etwas Ruhe geben, damit er mit einer für ihn belastenden Situation besser umgehen kann. Selbstheilungskräfte besitzt er nämlich reichlich; man darf ihn dabei aber nicht noch mehr stressen. Diclofenac einzunehmen, UM Sport (Bewegungsstress) machen zu können, ist da der gut gemeinte, aber sicher nicht richtige Weg. 

Also: mindestens 3 Monate Belastung/Sport deutlich reduzieren, dazu ggfs. entlastende manuelle Therapie, Akupunktur, sanfte Stabilisierungsübungen, Infiltrationen an Neuroforamen; KEINE Operation, wenn nicht notwendig!

Ich wünsche Ihnen gute Besserung

Ihr Dr. med. Frank Stehn

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