Avatar

Stromstoßartige Schmerzen LWS

Kategorie: Special-rueckenschmerz.de » Expertenrat Rückenschmerz | Expertenfrage

12.08.2009 | 12:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Pingsmann,
ich bin 49 Jahre alt, weiblich. Mit 17 Jahren wurde bei mir eine Beckenschiefstellung durch eine Beinlängendifferenz von 2 cm festgestellt (hatte einen Hexenschuss), seit diesem Zeitpunkt trage ich rechts eine Schuherhöhung von 1,5 cm (neu vermessen 2008). Ich habe eine rechtskonvexe Skoliose. Im Jahre 2004 hatte ich einen teilsequestrierten Bandscheibenvorfall L4/5 mit Spinalkanaleinengung und ausgeprägter Fußheberschwäche rechts. Ich wurde operiert und es ging mir danach auch wieder recht gut - bis auf immer wiederkehrende schmerzhafte Blockaden in der LWS.
Nun habe ich seit ca. 4 Wochen hauptsächlich morgens beim Aufstehen stromstoßartige Schmerzen links neben der LWS Richtung Beckenschaufel tief innen (3 - 4 Mal jeweils 1 Sekunde lang), danach ausstrahlende Schmerzen ins linke Bein und kribbeln bis in den Fuß, zum Teil auch in den Intimbereich. Die Symptomatik verbessert sich im Laufe des Tages stark, wird abends wieder etwas schlechter.
Der Radiologe beurteilt nach einer Kernspinaufnahme (vom 07.08.09):
konstitutionell skoliotische Fehlhaltung mit Spondylarthrose und leichter Spondylose L4/5 L5/S1. geringgradiges epidurales Narbengewebe, kein Prolaps- oder Sequesterbildung. Gut erhaltene übrige Segmente, primär und sekundär normal weiter Spinalkanal. Unauffällige ISG.
Der behandelnde Orthopäde hat bei Betrachtung der Kernspin-Aufnahmen zwei Bandscheibenvorwölbungen im Bereich L4/5 und L5/S1 festgestellt und behandelt mich deshalb mit Ischialgiespritzen (gezielte Spritzen in die Nähe des Ischiasnerves).
Ich fühle mich mit diesen verschiedenen Diagnosen etwas hilflos. Der Schmerz ist nicht vergleichbar mit den damaligen Schmerzen, die ich 2004 beim Bandscheibenvorfall hatte.
Für mich wäre es sehr wichtig zu wissen, was den Ischiasnerv irritiert, dass er diese Stromstöße produziert. Könnte es sich vielleicht um ein Wirbelgleiten handeln? Oder kann das durch muskuläre Fehlbelastung ausgelöst werden? Oder verhakt sich über Nacht irgendetwas in meinem Rücken, dass dann morgens beim Aufrichten wieder in die richtige Position kommt? Ich gehe in der Zwischenzeit wieder walken (Nordic) und mache daheim stabilisierende Übungen. Bekomme auch manuelle Therapie. Nehme auch 1 mal täglich Diclofenac. Aber ich fühle mich hilflos, weil ich mir unsicher bin, ob ich richtig therapiert werde und ob die Diagnose richtig ist. Über eine Einschätzung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen

Helfen Sie mit Ihrer Bewertung: Ja, dieses Thema ist hilfreich!

0
Bisherige Antworten
Avatar
Beitrag melden
17.08.2009, 12:23 Uhr
Antwort

Sehr geehrte Anonyma,

ich danke für Ihre ausführliche Mail vom 12.08.09.

Die rechtskonvexe Skoliose passt zur Beinverkürzung rechts. Die gemessene Beinlängendifferenz von 2 cm ist erheblich, so dass ein Beinlängenausgleich angezeigt ist. Normalerweise wird die Beinlängendifferenz nicht komplett ausgeglichen, so das die gewählten 1,8 cm günstig scheinen.

Der Ischiasnerv ist nur unwahrscheinlich verantwortlich für die „Stromstöße“. Ein Wirbelgleiten kann man auf einer Röntgenfunktionsaufnahme erkennen, sofern sie nicht schon auf dem MRT zu erkennen ist. Zur Röntgenfunktionsaufnahme sollten Sie Ihre Orthopäden konsultieren. Die kurzfristig einschießenden Beschwerden sind aus meiner Sicht nicht durch ein Verhaken hervorgerufen, sondern eher durch die veränderte Beweglichkeit zwischen den beiden unteren Lendenwirbeln und dem Kreuzbein und der altersbedingte Bandscheibenveränderung. Stabilisierende Übungen für die Lendenwirbelsäule sind aus meiner Sicht das allerwichtigste. Von der manuellen Therapie sollten Sie sehr profitieren. Das Nordic Walking ist kritisch für die Lendenwirbelsäule, weil hier u. U. Drehbewegungen störend wirken. Es ist nur dann sinnvoll, wenn Sie einen kräftigen und gezielten und technisch korrekten Stockeinsatz praktizieren. Mir scheinen sowohl die Diagnose, als auch die Therapie für Sie richtig. Vielleicht helfen Ihnen meine Erläuterungen zur Feinabstimmung in der Therapie.



Mit freundlichen Grüßen


Dr. A. Pingsmann


Diese E-Mail enthält vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen. Wenn Sie nicht der richtige Adressat sind oder diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie bitte sofort den Absender und vernichten Sie diese Mail. Unerlaubtes Kopieren sowie unbefugte Weitergabe dieser Mail ist nicht gestattet.
This e-mail may contain confidential and/or privileged information. If you are not the intended recipient (or have received this e-mail in error) please notify the sender immediately and destroy this e-mail. Any unauthorized copying, disclosure or distribution of the material in this e-mail is strictly forbidden.
Haftungsklausel
Da die medizinische Forschung weltweit laufend neue Erkenntnisse zutage fördert, sind infolgedessen auch praktizierende Ärzte in einen lebenslangen Lernprozess eingebunden. Die Autoren unserer Beiträge haben sich ausdrücklich dieser Idee verschrieben und verwenden die größte Sorgfalt darauf, die medizinischen Inhalte in einer allgemeinverständlichen Sprache darzustellen. Jedoch kann das Informationsangebot an Sie eine persönliche Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt nicht ersetzen. Eine Haftung für Inhalte, die durch uns im Internet bereitgestellt werden, sowie für Beiträge von externen Autoren und Experten wird deshalb ausgeschlossen. Das gleiche gilt für etwaige Schäden oder Verluste, die dem Nutzer aus der Nutzung dieses Online-Dienstes an sich, z. B. aus technischen Gründen entstehen. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) sind besonders gekennzeichnet (®). Ein Fehlen dieser Kennzeichnung bedeutet jedoch nicht, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Die von uns veröffentlichten Arzneimittelinformationen stellen keine Anleitung zur Selbstmedikation dar. Sie sollen Informationen bieten, die das Gespräch zwischen Patient und niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten erleichtern sollen. Wenn zu einem Wirkstoff ein Beispiel für Handelsnamen gegeben wird (z.B. um damit auch Nichtmediziner mit der entsprechenden Information zu erreichen, die mit Wirkstoffnamen weniger vertraut sind), dann ist mit diesem Beispiel keinerlei Wertung verbunden.

Rückenschmerzen
Faszientraining bei Rückenschmerzen
Hilfe für verklebte Fasern

Unser Körper ist durchzogen von Faszien. Ein spezielles Training kann helfen, wenn sie verkleben mehr...

Urlaub ohne Rückenschmerzen
Urlaubstipps für den Rücken

Schwere Koffer, lange Anreise – so verderben Ihnen Rückenschmerzen nicht die Ferien mehr...

Aktuelle Fragen
Stellen Sie selbst eine Frage!

Im Expertenrat antwortet Ihnen der Facharzt - kostenlos und innerhalb weniger Tage

Stellen Sie selbst eine Frage!

... an unsere Nutzer

Selbsttest

Zum Seitenanfang