Gegen Schmerzen, Stress und Lampenfieber

Alexander-Technik: Die wichtigsten Fragen

Gelassen, schmerzfrei und in sich ruhend die alltäglichen Herausforderungen meistern – das möchte jeder. Die Alexander-Technik soll das möglich machen. Wer sie beherrscht, kann sie in nahezu allen Lebenslagen anwenden.

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Wer die Alexander-Technik erst einmal mit einem Lehrer gründlich erlernt hat, kann die Inhalte daraufhin selbstständig im Alltag anwenden.
www.alexander-technik.org/Sonja Werner/dpa

Nicht immer sind Medikamente die erste Wahl, um Beschwerden wie Nervosität, Verspannungen oder Schmerzen loszuwerden. Es gibt auch natürliche Methoden, zum Beispiel die Alexander-Technik:

Alexander-Technik: Was genau ist das?

Die Alexander-Technik (AT) gilt als eine Methode ganzheitlicher Körperarbeit. Belastende und ungünstige Gewohnheiten wie Fehlhaltungen oder innere Anspannung werden bewusst gemacht und aufgelöst. Dabei kommt dem ausbalancierten Verhältnis zwischen Kopf, Hals und Rumpf eine besondere Bedeutung zu: "Es ist entscheidend für eine freie und gelöste Steuerung all unserer Bewegungsabläufe", sagt Sabine Scholz vom Alexander-Technik-Verband Deutschland. Die AT ist als Selbsthilfe-Methode gedacht. "Nach einigen Stunden mit einem Lehrer kann sie jeder in allen Situationen anwenden", erklärt die Freiburger Autorin Renate Wehner.

Woher stammt der Name?

Begründer der Technik ist der australische Schauspieler Frederick Matthias Alexander (1869-1955). Er suchte Ende des 19. Jahrhunderts nach der Ursache für seine Stimmprobleme. Dabei entdeckte er, wie er sich selbst bewusst und konstruktiv steuern konnte – und bekam nicht zuletzt seine Stimmprobleme in den Griff.

Für wen eignet sich die Alexander-Technik?

Lange Zeit war die AT vor allem in Schauspieler- und Musikerkreisen geschätzt. "Die Alexander-Technik eignet sich zur Prävention von zahlreichen Körperstörungen und Erkrankungen, die durch ungünstigen Einsatz des Bewegungssystems und durch chronische Stresssituationen hervorgerufen werden", erläutert Scholz. Unter anderem Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden sowie Unruhe.

Was wird zu Beginn des Unterrichts gemacht?

"Am Anfang werden oft einfache Alltagsaktivitäten beleuchtet", erklärt Scholz. Dazu dienen Übungen zum Stehen und Sitzen. Auch Bewegungsabläufe wie Aufstehen und Hinsetzen, Gehen, Treppe steigen oder Tasche tragen werden unter die Lupe genommen. Der Alexander-Lehrer hilft dabei, sich sensibler wahrzunehmen sowie ungünstige Reaktions- oder Bewegungsmuster zu erkennen, erklärt Wehner.

Was folgt dann im Lauf der Alexander-Lektionen?

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Andauernde Fehlhaltungen zum Beispiel im Büro können krank machen.
www.alexander-technik.org/dpa

Im nächsten Schritt geht es darum, sich der Muster bewusst zu werden, die einen belasten, verspannen, einschränken. Normalerweise empfindet jeder seine Gewohnheiten als so normal, dass es nicht auffällt, wenn sich etwas in die falsche Richtung entwickelt. Im Alexander-Unterricht hilft der Lehrer, ungünstige Muster zu erkennen. Er nimmt zum Beispiel Fehlhaltungen wie etwa permanent hochgezogene Schultern wahr, sagt Wehner. Auch ungünstige Denkgewohnheiten oder emotionale Reaktionsmuster wie Lampenfieber können Thema des AT-Unterrichts sein.

"Die Schüler lernen nun, ungünstige Reaktionsmuster durch bewusstes Stoppen zwischen Reiz und Reaktion zu durchbrechen", sagt Scholz. "Die neue Ausrichtung wird in Form von Gedanken oder anschaulichen Vorstellungen initiiert", erläutert Wehner. So kann etwa an den Nacken das Signal gesendet werden, beim Sitzen vor dem PC "lang und gelöst" zu sein. Oder man kann sich mental darauf ausrichten, "offen und stabil in sich zu ruhen", wenn man einen Vortrag hält.

Wie wird das alles in Aktion umgesetzt?

Eine gute mentale Ausrichtung ist die Grundlage für eine bessere Koordination innerhalb des Körpers. "Durch die Kombination von Erkenntnis und Erfahrung wird ein persönlicher Lern- und Entwicklungsprozess in Gang gesetzt", sagt Scholz.

Ist die Wirksamkeit der Alexander-Technik wissenschaftlich erforscht?

Scholz verweist auf eine britische Studie aus dem Jahr 2008, die der AT eine hohe Wirksamkeit bei chronischen Rückenschmerzen bescheinigt. Von den Krankenkassen wird die Behandlung allerdings nicht bezahlt, weil der Nutzen nicht hinreichend belegt ist. "Einige Aspekte der Alexander-Technik finden sich jedoch auch in Behandlungsmethoden wie dem Autogenen Training oder der Progressiven Muskelentspannung", erklärt Michael Bernatek vom AOK-Bundesverband. Im Rahmen einer von einem Vertragsarzt verordneten Therapie könnten die Kosten für diese Verfahren übernommen werden.

Wie hoch ist der Zeitaufwand fürs "Alexandern"?

Der Unterricht wird in Lektionen von 30 bis 50 Minuten erteilt. Möglich ist auch ein Einzelunterricht, die Kosten liegen laut Wehner in der Regel zwischen 50 und 80 Euro je Lektion. "Für ein dauerhaftes und umfassendes Umsetzen in den Alltag sind je nach Voraussetzungen und Anforderungen etwa 15 bis 30 Lektionen empfehlenswert", sagt Scholz.

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Letzte Aktualisierung: 07. Juli 2017

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