Nicht-medikamentöse Behandlung

Physiotherapie bei Rückenschmerzen

Von Wärme über Massage und Reizstrom bis Turnen: Alle Methoden der Physiotherapie gegen Rückenschmerzen im Überblick

Neben dem Einsatz von Medikamenten spielt die Physiotherapie in der Rückenschmerzbehandlung eine große Rolle. Dazu gehört längst nicht nur die bekannte Krankengymnastik. Wir stellen alle physiotherapeutischen Behandlungsmethoden gegen Rückenschmerzen vor.

physiotherapie gegen rückenschmerzen
Wohltuende Massagen, aber auch weniger angenehme Handgriffe sind Teil der Physiotherapie gegen Rückenschmerzen.
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Bei starken Rückenschmerzen sollte für den Patienten ein Behandlungsplan festgelegt werden, der über einen gewissen Zeitraum die Durchführung von täglich mindestens zwei physiotherapeutischen Maßnahmen vorsieht. Folgende nicht-medikamentöse Verfahren haben sich bei der Behandlung akuter oder chronischer Rückenschmerzen bewährt:

Wärmebehandlung von Rückenschmerzen:

Wärme wird von vielen Rückenschmerzpatienten als angenehm empfunden. Sie wirkt entspannend auf die Muskulatur und fördert deren Durchblutung. Schon warme, möglichst winddichte Kleidung, zum Beispiel ein zusätzliches Unterhemd oder ein dicker Pullover, kann den Rücken warm halten.

Als physiotherapeutische Maßnahmen stehen warme Bäder, Sauna, Heißluftbehandlung, Rotlicht sowie die Anwendung von Wickeln oder Fango-Packungen zur Verfügung. Wärmend und durchblutungsfördernd wirken Rheumasalben und so genannte ABC-Pflaster. Da letztere allerdings zu Hautreizungen führen können, sollten sie immer nur kurzzeitig angewendet werden und sind nicht für jeden Patienten geeignet.

Bei der Kurzwellentherapie werden mithilfe eines Hochfrequenzwechselstroms auch tiefe Gewebestrukturen erwärmt. Dies fördert die Durchblutung des Gewebes, steigert seinen Stoffwechsel, entspannt die Muskulatur und lindert so bestehende Schmerzen. Bei akuten Schmerzen kann das Verfahren täglich, bei chronischen bis zu dreimal wöchentlich angewendet werden. Mehr über Wärmeanwendungen bei Rückenschmerzen lesen Sie hier.

Kälteanwendung (Kryotherapie) bei Rückenschmerzen:

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Anfänglich, besonders bei starken akuten Schmerzen, denen eine entzündliche Reaktion zugrunde liegt, kann mitunter auch die Anwendung von Kälte etwa in Form kalter Umschläge oder Gelkompressen die Beschwerden lindern.

Ultraschalltherapie von Rückenbeschwerden:

Bei der so genannten Ultraschalltherapie werden die Schwingungen des Ultraschallkopfes auf das Gewebe übertragen und erzeugen auf diese Weise eine Art Massage mit winzigen hochfrequenten Vibrationen. Vor allem an den Grenzschichten von Geweben wird die mechanische Energie in Wärme umgewandelt, Durchblutung und Stoffwechsel werden so angeregt und die Muskulatur entspannt sich. In kleinen Dosen wirkt therapeutischer Ultraschall effektiv schmerzlindernd. Die einzelnen Sitzungen dauern 5 bis 15 Minuten und sollten von jeweils ein bis zwei Ruhetagen unterbrochen sein.

Transkutane elektrische Nerven-Stimulation (TENS) gegen Rückenleid:

Bei der transkutanen elektrischen Nerven-Stimulation, auch als Reizstrombehandlung bezeichnet, werden schmerzende Bereiche niedrigen Strömen ausgesetzt. Dies soll die körpereigenen Hemmmechanismen für Schmerzfasern aktivieren und so die Schmerzleitung unterdrücken. Die Methode eignet sich zur Heim- und Selbstbehandlung, da die dafür notwendigen Geräte klein und leicht handhabbar sind.

Massage zur Linderung von Rückenschmerzen:

Bei der Massage wird die Muskulatur Zug- und Druckreizen ausgesetzt. Dies kann Verhärtungen lösen und regt die Durchblutung an. Massage eignet sich vor allem zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Sie sollte am besten in Zusammenhang mit Bewegungsübungen (Krankengymnastik) durchgeführt werden. Bei Rückenschmerzen häufig empfohlen ist die Unterwasserstrahlmassage. Hierbei wird die Muskulatur in warmem Wasser mit einem kräftigen Wasserstrahl massiert.

Eine besondere Form der Massage ist die so genannte Bindegewebsmassage. Sie eignet sich zur Behandlung subakuter und chronischer Rückenschmerzen. Durch Anwendung einer speziellen Strichtechnik werden tiefe Gewebeschichten, insbesondere das Bindegewebe, besonderen Zugreizen ausgesetzt, wobei auch das vegetative Nervensystem beeinflusst wird.

Krankengymnastik gegen Rückenschmerz:

Bei der Krankengymnastik lernt der Rückenschmerz-Patient verschiedene Übungen, die seine Muskulatur dauerhaft kräftigen können und Fehlhaltungen und Bewegungsstörungen entgegenwirken. Die verschiedenen Methoden wie Haltungs-, Gang- und Gleichgewichtsschulung, Übungen zur Koordinierung von Atmung und Bewegung sowie Ausdauer- und Schnellkraftübungen dienen dem Zweck, bestehende Funktionsverluste positiv zu beeinflussen oder sogar rückgängig zu machen.

Bei der sogenannten Rückenschule trainieren die Patienten Bewegungsabläufe, die sie auch im Alltags- und Berufsleben häufig ausführen müssen (z.B. das rückenschonende Heben schwerer Lasten). Dies dient der anhaltenden Korrektur von bestehenden Haltungs- und Bewegungsstörungen.

Manuelle Therapie der Rückenschmerzen:

Zur Beseitigung von Gelenkblockaden eignet sich die manuelle Therapie. Sie sollte nur von einem erfahrenen Therapeuten (Chiropraktiker, Osteopath) nach umfassender Befunderhebung durchgeführt werden. Die Gelenke werden dabei Zugkräften ausgesetzt, verspannte und verhärtete Muskeln werden durch gezielte Bewegungen des Therapeuten entspannt und gedehnt.

Akupunktur bei Rückenschmerzen:

In ihrer Wirksamkeit gegen Rückenschmerzen nach wie vor umstritten ist die Akupunktur. Einer neuen Studie aus Großbritannien zufolge ziehen Rückenschmerzpatienten langfristig einen Nutzen aus der Behandlung. Obwohl nur drei Monate lang durchgeführt, waren die Erfolge von Akupunktur nach zweijähriger Beobachtungszeit besser als die herkömmlicher Therapiemethoden gegen Rückenschmerzen: Die mit Akupunktur behandelten Patienten gaben an, unter geringeren Schmerzen zu leiden und schätzten auch ihre Lebensqualität höher ein als konventionell Behandelte.

Multimodale Therapie: Die wichtigsten Bausteine der Behandlung

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. April 2014
Quellen: Leitlinien der Dt. Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation zu chronisch unspezifischem Rückenschmerz, British Medical Journal, Knauth, K. et al.: Physiotherapeutisches Rezeptierbuch, Niethard, F.U. & Pfeil, J.: Orthopädie

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