Frau hat Schmerzen im unteren Rücken
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Tiefe Rückenschmerzen

Schmerzen im unteren Rücken – Ursachen und Tipps

An Rückenschmerzen leiden die meisten Deutschen mindestens einmal im Leben. Häufig betreffen sie den unteren Rücken. Ob die Schmerzen unten rechts, links oder in der Mitte auftreten, liefert oft Hinweise auf mögliche Ursachen. Woher kommen die Rückenschmerzen und was kann man dagegen tun?

Wie häufig sind Schmerzen im unteren Rücken?

Fast 40 Prozent der Deutschen erhalten im Laufe ihres Lebens die Diagnose eines Rückenleidens. Damit sind Rückenschmerzen die am dritthäufigsten gestellte Diagnose in Deutschland - jedoch sind wahrscheinlich noch viel mehr Menschen von Rückenschmerzen betroffen. Nach einer weltweiten Erhebung von Daten haben circa zehn Prozent der Menschen Schmerzen im unteren Rückenbereich. Im englischen Sprachgebrauch bezeichnet man diese Schmerzen im unteren Rücken auch als "low back pain".

Wo ist der untere Rücken?

Als "unterer Rücken" wird der Bereich zwischen der untersten Rippe und der Gesäßfalte bezeichnet. In diesem Bereich befindet sich die Lendenwirbelsäule (LWS), die aus fünf Lendenwirbeln mit ihren Gelenken besteht.

Woher kommen Schmerzen im Rücken?

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Wenn die Ursache eindeutig bekannt ist, spricht man von spezifischen Rückenschmerzen. 85 Prozent der Betroffenen leiden jedoch unter unspezifischen Schmerzen, für die sich keine eindeutige Ursache finden lässt.
Mögliche Ursache für die Schmerzen können die Lendenwirbel sein, auch das Kreuz- und Steißbein sowie die angrenzenden Muskeln und Bänder können zum Beispiel bei Fehlbelastungen des Rückens zu starken Schmerzen im unteren Rücken führen.
 

Einige Risikofaktoren können das Auftreten des Erkrankungsbildes begünstigen, dazu gehören:

  • Langjährige schwere körperliche Arbeit
  • Häufiges Tragen und Heben von schweren Lasten
  • Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen, wie in extremer Beugehaltung
  • Stresszustände und Depressionen
  • Familiäre Häufung von Rückenschmerzen

Was sind mögliche Ursachen für untere Rückenschmerzen?

Viele Krankheitsbilder können zu Schmerzen im unteren Rücken führen. Manchmal deuten bereits die genaue Art und Lokalisation der Schmerzen auf die Ursache hin. Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem:

Darüber hinaus können auch unterschiedliche Erkrankungen der Wirbelsäule Schmerzen im unteren Rücken auslösen.

Bandscheibenvorfall der LWS

Eine sehr bekannte Ursache für untere Rückenschmerzen ist der Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) in der Lendenwirbelsäule. Typische Symptome sind stechende, einschießende Schmerzen im unteren Rücken, die in die Leiste und die Beine ausstrahlen können.

Außerdem kann sich ein seitlicher Bandscheibenprolaps auch durch Rückenschmerzen rechts unten oder links unten im Liegen zeigen. Zusätzlich kann das Gefühl oder auch die Bewegung in den Beinen eingeschränkt sein.

Hexenschuss

Eine weitere sehr bekannte Ursache ist der sogenannte „Hexenschuss“ (Lumbago). Bei diesem Krankheitsbild kommt es durch eine Einklemmung oder Reizung des sogenannten Ischias-Nervs zu sehr plötzlich auftretenden starken Rückenschmerzen, die in Po und Bein ausstrahlen und jede weitere Bewegung schlagartig unmöglich erscheinen lassen.

Fibromyalgie

Auch die Fibromyalgie, bei der es zu chronischen Muskelschmerzen kommt, kann den Rücken betreffen. Die Schmerzen treten meist in verschiedenen Körperregionen auf und gehen oft mit Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Depressionen und Schlafstörungen einher.

Besondere Belastung

Besondere Belastungen für den Rücken sind etwa falsches oder zu schweres Heben und Tragen oder Fehlhaltungen. Auch bei Schwangeren kommt es häufig zu Kreuzschmerzen. Das liegt daran, dass durch das zusätzliche Gewicht des Kindes der Rücken vermehrt beansprucht wird. Das gleiche Problem zeigt sich auch beim Übergewicht, weswegen die Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Betroffenen die Schmerzen bessern kann.

Welche Erkrankungen der Wirbelsäule verursachen Rückenschmerzen unten?

Verschiedene Erkrankungen der Wirbelsäule können ebenfalls zu Kreuzschmerzen führen. Dazu zählen unter anderem:

  • Rheumatische Erkrankungen
  • Entzündungen der Wirbel (Spondylitis), auch in Kombination mit Entzündungen der Bandscheibe (Spondylodiszitis)
  • Wirbelkörperbrüche
  • Spaltbildungen zwischen Wirbeln (Spondylolyse) bis hin zum Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
  • Gelenkverschleiß (Spondylarthropathie)
  • Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)

Rheumatische Erkrankungen

Rheumatische Erkrankungen zeigen sich durch dumpfe Schmerzen, die schleichend einsetzen und sich erstmals im Alter zwischen 15 und 40 Jahren zeigen. Besonders stark betroffen ist hierbei das Gelenk zwischen dem Kreuz- und Darmbein, weswegen der Rücken unten in der Mitte schmerzt. Die Schmerzen treten auch nachts auf. Am Morgen fällt es Betroffenen schwer sich zu bewegen, die Gelenke sind wie steif. Durch die Bewegung im Tagesverlauf tritt eine Besserung auf.

Entzündungen der Wirbel und Wirbelkörperbrüche

Entzündungen der Wirbelkörper können sich entweder lokal an der Stelle der betroffenen Wirbel oder auch weitläufiger äußern, dann strahlt der Schmerz ins Bein aus. Manchmal können auch Fieber und Abgeschlagenheit auftreten.

Wirbelkörperbrüche treten typischerweise bei Knochenschwund im Alter (Osteoporose) auf. Die Knochendichte im Körper nimmt im Laufe des Lebens ab, wodurch es schneller zu Brüchen kommt. Hierbei treten chronische Kreuzschmerzen auf, der untere Rücken wird unbeweglicher.

Spaltbildung und Gelenkverschleiß

Die Schmerzen bei Spaltbildung der Wirbel und Wirbelgleiten treten vor allem nach langem Stehen oder Sitzen auf. Außerdem können hier Schmerzen beim Rückwärtsbeugen des Oberkörpers oder Kopfes auftreten.

Gelenkverschleiß wird mit zunehmendem Alter häufiger und kann sowohl zu Beschwerden in der Mitte unten als auch rechts oder links der Wirbelsäule führen.

Spinalkanalstenose

Bei der Spinalkanalstenose kommt es durch eine Verengung des Spinalkanals entlang der Wirbelsäule zu einer Einklemmung der Nerven, die in ihm verlaufen und die im unteren Rückenbereich für das Gehen zuständig sind. Es kommt zu dem „Schaufenster-Syndrom“, bei dem Betroffene nur kurze Strecken gehen können – also sozusagen von Schaufenster zu Schaufenster – bevor sie schmerzbedingt stehenbleiben müssen. Nicht zu verwechseln ist dies mit dem Begriff Schaufenster-Krankheit, der für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) verwendet wird. Dabei handelt es sich um eine Gefäßerkrankung in den Beinen, die ebenfalls zu dem namensgebenden häufigen Stehenbleiben führt.

Eine weitere Besonderheit der Spinalkanalstenose ist, dass beim Beugen des Rückens, beispielsweise beim Radfahren, durch Weitung des Spinalkanals der Druck auf die Nerven vermindert und somit auch die Schmerzen besser werden. Bei Rückwärtsneigen des Oberkörpers werden die Schmerzen dagegen schlimmer.

Können Rückenschmerzen von den Nieren kommen?

Kreuzschmerzen können nicht nur von den Muskeln und Nerven ausgehen, sondern auch von inneren Organen, und dann leicht mit Rückenschmerzen verwechselt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), bei der sich hinter den Rückenschmerzen eigentlich Nierenschmerzen verbergen.

Betroffene klagen über Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen und meist einseitige Schmerzen in der Flanke, welche sich seitlich am Rücken unterhalb des Rippenbogens befindet. Eine weitere Ursache für Flankenschmerzen können Nierensteine sein, die sich auch durch Blut im Urin bemerkbar machen können.

Wo schmerzt welche Erkrankung?

Die Krankheitsbilder, die Rückenschmerzen unten auslösen können, kann man systematisch nach ihrem Schmerzort einteilen, zum Beispiel:

  • Rechts unten oder links unten: Gelenkverschleiß, seitlicher Bandscheibenvorfall
  • Seitlich rechts oder seitlich links: Nierenbeckenentzündung, Nierensteine
  • Unten rechts und links / beide Seiten: Muskelverspannungen
  • Mitte unten: Rheumatische Erkrankungen, Muskelverspannungen, Gelenkverschleiß
  • Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine: Bandscheibenvorfall, Hexenschuss

Wie findet man die Ursache der Rückenschmerzen?

Wenn Betroffene wegen Rückenschmerzen den Arzt aufsuchen, werden ihnen zunächst einige Fragen bezüglich Belastungen auf der Arbeit oder im Alltag, Schmerzdauer und -intensität gestellt. Anschließend wird der Arzt den Rücken abtasten und gegebenenfalls die Beweglichkeit überprüfen.

Oft verschwinden Rückenschmerzen von selbst wieder und ihre Ursache liegt in einer Verspannung der Rückenmuskulatur, zum Beispiel infolge von Stress oder durch Fehlbelastung. Aus diesem Grund müssen auch nicht bei allen Betroffenen Blutentnahmen oder bildgebende Verfahren, wie Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen oder Computertomografie (CT), angewendet werden, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Wenn bei Betroffenen jedoch auch andere Symptome, wie beispielsweise Morgensteifigkeit, auftreten, kann eine weitere Abklärung notwendig sein.

Zudem gibt es bei Rückenschmerzen sogenannte „Red Flags“, die auf eine Nervenschädigung hinweisen und deshalb eine Bildgebung, wie ein CT oder MRT, erforderlich machen können:

  • Nervendehnungsschmerz
  • Harn- oder Stuhlinkontinenz (Unfähigkeit, Urin oder den Stuhlgang zurückzuhalten)
  • Lähmungserscheinungen in den Beinen
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Beinen

Liegen diese Zeichen nicht vor und der Betroffene hat Rückenschmerzen ohne erkenntliche Ursache für weniger als sechs Wochen, dann werden üblicherweise keine Bildgebungsverfahren durchgeführt.

Was tun gegen Rückenschmerzen im Lendenbereich?

Da Rückenschmerzen oft auf Fehlhaltungen oder Muskelschwäche zurückzuführen sind, wird zur Behandlung von Schmerzen im unteren Rücken die Stärkung der Rückenmuskulatur empfohlen.

In speziellen Rückenschulen erlernen Betroffene praktische Übungen und ein rückengerechtes Verhalten im Alltag, um beispielsweise Fehlhaltungen am Arbeitsplatz zu vermeiden. Auch Sportarten wie Yoga oder Schwimmen wirken sich positiv auf die Stärke der Rückenmuskulatur aus.

Bei Betroffenen, die unter psychischen Belastungen leiden, sollten diese Probleme nicht ignoriert, sondern behandelt werden, da auch sie die Ursache für die Rückenschmerzen sein können.

Anwendungen, die bei Schmerzen im unteren Rücken helfen können, sind unter anderem:

Ob Betroffene Wärme- oder Kälteanwendungen als wohltuend empfinden, sollte individuell ausprobiert werden. Massagen sollten nicht bei kürzer als sechs Wochen anhaltenden Beschwerden zur Anwendung kommen, sondern nur bei chronischen Rückenschmerzen ab zwölf Wochen Schmerzdauer.

Schmerzmedikamente können kurzfristig angewendet werden, damit sich Betroffene besser bewegen können. Eine körperliche Schonung kann die Beschwerden nämlich noch verschlimmern. Wie lange Schmerzmedikamente eingenommen werden sollten, ist unterschiedlich und sollte im jeweiligen Fall durch einen Arzt beurteilt werden.

Operationen sind nur in seltenen Fällen nötig. Sie können bei Vorliegen der oben genannten „Red Flags“ notwendig werden.
 

Wie kann man Rückenschmerzen vorbeugen?

Um das Auftreten von Rückenschmerzen zu verhindern, sollte man die Risikofaktoren ausschalten. Dazu können unter anderem folgende Maßnahmen helfen:

  • Verhindern von einer stark gebückten Haltung beim Tragen von Lasten, aber auch beim Arbeiten vor dem Computerbildschirm
  • Stärken der Rückenmuskulatur, zum Beispiel durch Yoga, Schwimmen oder gezielte Übungen
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • Regelmäßige körperliche Aktivität und Bewegung

Übungen für den unteren Rücken

Durch die folgenden beiden Übungen lässt sich der untere Rücken auch zu Hause stärken:

Übung 1: Im „Vierfüßlerstand“ richtet man den Blick auf den Boden. Der rechte Arm sowie das linke Bein werden angehoben und jeweils gerade ausgestreckt. Diese Position hält man für eine halbe Minute, dann führt man den rechten Arm und das linke Bein aufeinander zu, sodass sich Ellenbogen und Knie unter dem Bauch berühren. Das Ausstrecken und Zusammenführen kann man mehrmals wiederholen, bis man die Seiten wechselt und die Übung mit dem rechten Bein und dem linken Arm durchführt.

Übung 2: Für diese Übung stellt man sich hüftbreit hin und streckt die Arme waagerecht zu beiden Seiten aus. Dann dreht man den Oberkörper nach links, der Blick ist dabei möglichst hinter sich selbst gerichtet. Wichtig ist, nicht die Beine und Hüfte zu bewegen, sondern nur den Oberkörper. Dieser Position hält man eine Minute, dann dreht man sich langsam wieder zurück in die Ausgangsposition und wiederholt die Übung mit der rechten Seite.