Eine Frau steht an Ihrem Schreibtisch und stützt Ihren Rücken
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Psychosoziale Auslöser häufig

Ursachen von akuten und chronischen Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen sind neben organischen Ursachen auch seelische Auslöser häufig. Für Betroffene ist es wichtig, die Ursache zu finden, um eine gezielte Behandlung einleiten zu können und damit zu verhindern, dass akute Rückenschmerzen chronisch werden.

Auslöser für Rückenschmerzen sind oft sportliche Überlastung, meist aber Bewegungsmangel in Kombination mit einer schwachen Rücken- und Bauchmuskulatur und psychischen Faktoren.

Seltener sind Wirbelsäulenanomalien oder schwere Erkrankungen die Ursache. Bei Frauen gibt es zusätzliche Auslöser, etwa eine Schwangerschaft. Zu unterscheiden sind Ursachen akuter und chronischer Rückenschmerzen.

Ursachen für akute Rückenschmerzen im Überblick

Als Ursachen für akute Schmerzen kommen unter anderem infrage:

  • Verspannungen: Die Ursache für Rückenschmerzen ist in den meisten Fällen eine Verspannung der Muskulatur. Für diese Muskelverspannungen wiederum gibt es vielfältige Gründe:

  • Myogelosen: Als Myogelosen bezeichnen Mediziner schmerzhafte Verspannungen einzelner Bereiche der Muskulatur, die sich meist in Form von knotenartigen Verhärtungen bemerkbar machen. Sie können infolge von ungewohnter Überanstrengung, Überdehnung oder durch anhaltende einseitige Belastungen entstehen.

  • Bewegungsmangel: Er geht oft mit einer nur sehr schwach ausgebildeten Muskulatur einher, was Fehlhaltungen und Verspannungen begünstigt. Mit dem richtigen Krafttraining können Sie Ihre Rückenmuskulatur stärken!

  • Fehlhaltungen: Ein krummer Rücken bei der Schreibtischarbeit, ein gesenkter Nacken durch den ständigen Blick auf das Smartphone oder langes Arbeiten im Stehen können zu Fehlhaltungen des Bewegungsapparates und damit zu Verspannungen führen.

  • Falsche Belastung: Unsauber ausgeführtes Heben und Tragen schwerer Lasten belastet den Rücken stark und kann sich sehr schnell durch akute Schmerzen äußern.

  • Übereifer im Sport: Ein Zuviel an Belastung – vor allem, wenn diese einseitig ist – kann ebenfalls die Ausbildung von Rückenschmerzen begünstigen.

  • Übergewicht: Je höher das Körpergewicht, umso mehr wird auch die Wirbelsäule belastet. Sind die Kilos erstmal da, ist es oft schwer, sie wieder loszuwerden. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sind das A und O um Übergewicht vorzubeugen.

  • Psychosomatische Ursachen: Stress und seelische Anspannung sowie psychische Belastungssituationen können zu Muskelverspannungen führen, die schließlich Rückenschmerzen auslösen.

  • Kälte: In seltenen Fällen kann auch Zugluft Muskelverspannungen auslösen und damit die Ursache für akute Rückenschmerzen sein.

  • Kiefer- und Zahnprobleme: Akute Rückenschmerzen können ihre Ursache ebenfalls im Kiefer haben. Ist dies der Fall, sprechen Experten von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD). Mögliche Auslöser sind Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers, auch Zähneknirschen oder -pressen können Verspannungen im Rücken auslösen.

  • Hexenschuss (Lumbago): Bei einem Hexenschuss kommt es zu plötzlichen, stechenden Schmerzen infolge einer Muskelverhärtung im Bereich der Lendenwirbelsäule. Oft reicht bereits eine kleine Bewegung aus, um ein Lumbalsyndrom zu provozieren, wenn Muskeln und Bänder im unteren Rücken ohnehin strapaziert sind.

Ursachen für akute Rückenschmerzen bei Frauen

Frauen klagen häufiger über akute Rückenschmerzen als Männer. Faktoren, die speziell bei Frauen als Auslöser für akute Rückenschmerzen eine Rolle spielen können, sind:

  • Menstruation: Neben Unterleibsschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit plagen viele Frauen während der Menstruation auch Rückenschmerzen.

  • Schwangerschaft: Rückenschmerzen begleiten viele Frauen während der Schwangerschaft. Vor allem in den letzten Monaten, wenn das zusätzliche Gewicht höher wird, wird der Halteapparat ungewohnt stark belastet.

  • Beginn der Wechseljahre: Die hormonellen Veränderungen zu Beginn der Wechseljahre können zu einer Verringerung der Muskelkraft führen, was wiederum Einbußen der Stabilität des Rückens und damit Schmerzen bedingen kann.

  • Gynäkologische Erkrankungen: Myome, Endometriose und andere Frauenkrankheiten können in manchen Fällen akute Rückenschmerzen auslösen.

Um akute Rückenschmerzen nicht zu einem dauerhaften Begleiter werden zu lassen, ist es wichtig, die Ursache für die Beschwerden möglichst früh zu erkennen, um gezielte Gegenmaßnahmen einleiten zu können. 

Ursachen für chronische Rückenschmerzen im Überblick

Von einer Chronifizierung sprechen Experten, wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen anhalten. Ursachen für akute Rückenschmerzen können grundsätzlich auch zu chronischen Rückenschmerzen führen.

Es gibt allerdings weitere Ursachen für chronische Rückenschmerzen sowie spezielle Risikofaktoren, darunter anhaltende falsche Bewegungsgewohnheiten und psychosoziale Faktoren. Insgesamt scheinen zweitere für die Entstehung chronischer Rückenschmerzen eine größere Bedeutung zu haben. Auch ernsthaftere Erkrankungen können die Auslöser chronischer Schmerzen im Rücken sein.

Risikofaktoren für chronische Rückenschmerzen im Überblick

  • Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses: In vielen Fällen kann die Ursache für akute Schmerzen beseitigt werden, die Betroffenen leiden aber dennoch weiter. Grund hierfür ist meist die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses.

  • Anhaltende Fehl- und Überbelastung: Werden Rücken und Gelenke, zum Beispiel beruflich bedingt, dauerhaft überansprucht, steigt die Gefahr, dass akute Rückenschmerzen chronisch werden. Bestimmte Berufsgruppen, etwa Alten- und Krankenpfleger sind besonders häufig betroffen. Denn langes Stehen, schweres Heben und Zwangshaltungen gehören im Pflegebereich zum Alltag.

  • Schonhaltung: Akute Rückenschmerzen führen oft zu einem Teufelskreis: Die Schmerzen bewirken, dass die Patienten eine Schonhaltung einnehmen und sich weniger bewegen. Dies senkt auf Dauer die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Bewegungsapparates, wodurch die Schmerzen weiter anhalten oder sich sogar verstärken. Die Betroffenen spüren dies und schränken ihre Aktivitäten weiter ein, anstatt aktiv dagegen anzukämpfen.

  • Stress und seelische Anspannung Konfliktsituationen sowie plötzliche negative Ereignisse wie tragische Verluste oder Unfälle, eine negative Grundstimmung und Depressionen, zum Beispiel als Folge von anhaltendem Stress im Privat- oder Berufsleben, führen zu verstärkter Muskelanspannung und fördern die Chronifizierung von Rückenschmerzen in erheblichem Maße. Die Betroffenen konzentrieren sich sehr stark auf ihren Schmerz und empfinden ihn oft als besondere Bedrohung.

  • Bagatellisierende Haltung: Auch der Versuch, akute Rückenschmerzen zu ignorieren und zu bagatellisieren, erhöht das Risiko für deren Chronifizierung, da eine ursächliche Behandlung häufig ausbleibt oder vernachlässigt wird. Vor allem Personen, die von klein an auf Leistung und Durchhalten getrimmt sind, muten sich oft zu viel zu und belasten ihren Körper zu stark.

  • Unfähigkeit zur Kommunikation von Schmerz: Personen, die ihrer Umwelt das Ausmaß ihrer Schmerzen nicht verbal mitteilen können, drücken sich häufig durch entsprechende leidende Körperhaltung und Mimik aus. Auch sie neigen zur Entwicklung von chronischem Rückenschmerz.

  • Beinlängendifferenz: Unterschiedlich lange Beine können zu Fehlstellungen des Beckens führen und damit Verkrümmungen der Wirbelsäule verursachen, die chronische Rückenschmerzen bedingen.

  • Osteoporose: Rückenschmerzen sind bei Osteoporose (Knochenschwund) das Leitsymptom. Die Erkrankung verläuft meist zunächst symptomlos, bis ein erster Wirbeleinbruch zu Rückenschmerzen führt. Die Chronifizierung der Schmerzen wird umso wahrscheinlicher, wenn die Osteoporose weit fortgeschritten ist und bereits mehrere Wirbeleinbrüche zur Folge hatte.

  • Tumoren: Knochenmetastasen und Tumoren im Bereich des Bewegungsapparates, etwa Knochenkrebs, können ebenfalls chronische Rückenschmerzen hervorrufen, auch wenn dies ein seltener Grund für Rückenschmerzen ist. Meist sind die Beschwerden in der Region des Tumors lokalisiert.

  • Wirbelsäulenanomalien: Krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule wie ein Bandscheibenvorfall, Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung), Morbus Scheuermann oder Skoliose sind in der Regel ein langfristiges oder dauerhaftes Problem, weshalb auch sie ein Risikofaktor für die Ausbildung chronischer Rückenschmerzen sind.

  • Fibromyalgie: Bei der Erkrankung mit chronischen Schmerzen im Muskel- und Bindegewebe kommt es meist zu chronischen Schmerzzuständen im Bereich des Rückens.

  • Rheuma: Unter rheumatischen Krankheiten fassen Mediziner Erkrankungen zusammen, die mit Schmerzen an den Bewegungsorganen einhergehen und meist zu Bewegungseinschränkungen führen. Folge einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung sind sehr oft auch chronische Rückenschmerzen.

  • Arthrose: Eine Ursache für anhaltende Rückenschmerzen kann ein Gelenkverschleiß der Wirbelsäule (Spondylarthrose) sein.

  • Rauchen: Rauchen fördert Entzündungsprozesse im Körper und kann damit auch ein Faktor sein, der die Ausbildung chronischer Rückenschmerzen begünstigt.

Lesen Sie hier, wie Verspannungen im Rücken durch Medikamente und Bewegung gelindert werden können.

Hier finden Sie zusätzliche Tipps, die ebenfalls effektiv gegen Verspannungen helfen.