Frau mit Schmerzen durch Nierenbeckenentzündung auf Sofa
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Nierenbeckenentzündung – was steckt dahinter?

Eine Nierenbeckenentzündung kann Flankenschmerzen verursachen, die oft als Rückenschmerzen gedeutet werden. Das rechtzeitige Erkennen ist jedoch wichtig, da es ohne Behandlung zu schweren Komplikationen kommen kann.

Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine Form des Harnwegsinfekts. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine bakterielle Entzündung des Teils der Harnwege, in dem das Nierengewebe in den Harnleiter übergeht, der als Nierenbecken bezeichnet wird. Da eine Nierenbeckenentzündung mit vielen anderen Krankheiten, wie etwa Erkrankungen des Darms, Rückenschmerzen oder Geschlechtskrankheiten, verwechselt werden und unbehandelt zu schweren Komplikationen führen kann, sind eine genaue Diagnostik und eine frühzeitige Therapie sehr wichtig. Was ist eine Nierenbeckenentzündung, wie erkennt man sie und wie wird sie behandelt?

Wie kommt es zu einer Nierenbeckenentzündung?

In über 90 Prozent der Fälle entsteht eine Nierenbeckenentzündung, weil Bakterien von tiefer gelegenen harnableitenden Organen innerhalb der Harnwege aufsteigen – also von der Harnröhre, der Harnblase und dem Harnleiter. Seltener entsteht die Entzündung über Blut- oder Lymphwege aufgrund einer anderen Infektion im Körper.

Bei der aufsteigenden Infektion ist in etwa 80 Prozent der Fälle das Bakterium Escherichia coli (E. coli), was normalerweise im Darmtrakt vorkommt, die Ursache. Bei den restlichen 20 Prozent handelt es sich um Infektionen mit Enterokokken, Staphylokokken, Klebsiella pneumoniae oder Proteus mirabilis, die zum Teil als Bestandteil der normalen Bakterienflora auf und in unserem Körper vorkommen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt je nach Bakterium etwa eine halbe bis anderthalb Wochen. Da solche bakteriellen Entzündungen meist durch harmlose Darmbakterien entstehen, ist ein Harnwegsinfekt in der Regel nicht ansteckend.

Risikofaktoren – wer ist betroffen?

Gewisse Risikofaktoren können das Aufsteigen von Bakterien begünstigen und so Harnwegsinfekte, unter anderem eine Nierenbeckenentzündung, verursachen. Diese Risikofaktoren sind:

  • Weibliches Geschlecht: Frauen haben eine kürzere Harnröhre als, weshalb Bakterien schneller zur Harnblase aufsteigen können.
  • Anatomische Anomalien der Nieren und ableitenden Harnwege, beispielsweise Verengungen, können das Aufsteigen der Bakterien begünstigen.
  • Vesikourethraler Reflux: Hierbei handelt es sich um eine Krankheit, bei der Urin aus der Harnblase bis in die Harnleiter oder Nieren aufsteigt. Abgesehen von dem schädlichen Effekt, dass die Niere überschwemmt wird, begünstigt dieser Reflux das Aufsteigen von Bakterien, die zuvor über die Harnröhre in die Blase gelangt sind. Meistens sind Kinder betroffen.
  • Blasenkatheter: Als Fremdkörper, der tief in ein mit Schleimhaut ausgekleidetes Organ hineinreicht, erhöht ein Katheter das Risiko eines Harnwegsinfekts.
  • Ein geschwächtes Immunsystem begünstigt die Entstehung von Infektionen.
  • Exzessiver Gebrauch von Schmerzmitteln kann die Nieren schädigen.
  • Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gicht, Nieren- und Blasensteine oder Niereninsuffizienz gelten ebenfalls als Risikofaktoren.
  • Unterkühlung kann die Harnwege in Mitleidenschaft ziehen.
  • Sexuelle Aktivität: Durch häufigen Geschlechtsverkehr können bei Frauen Bakterien in die Harnröhre gelangen. Harnwegsinfekte wie die sogenannte Flitterwochen-Blasenentzündung   (Honeymoon-Zystitis) können die Folge sein.
  • Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft begünstigen das Aufsteigen von Bakterien. Man spricht hierbei von Pyelonephritis gravidarum oder Schwangerschaftspyelonephritis.

Etwa 60 Prozent aller Frauen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einem Harnwegsinfekt, wobei Blasenentzündungen den Großteil ausmachen. Etwa 30 Prozent der Schwangeren, die Bakterien im Urin haben, entwickeln eine Nierenbeckenentzündung, wenn keine Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Das liegt unter anderem daran, dass bestimmte Hormone die Harnleiter weiten und Schwangere einen erhöhten Zuckergehalt im Urin aufweisen. Diese beiden Faktoren begünstigen eine aufsteigende bakterielle Entzündung.

Was sind die Anzeichen für eine Nierenbeckenentzündung?

Man unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen Nierenbeckenentzündung. Der entscheidende Unterschied ist, dass bei der chronischen Entzündung zusätzliche Faktoren vorliegen, die den Harnabfluss behindern. Das heißt, der Urin kann beispielsweise durch einen vesikouretralen Reflux oder anatomische Veränderungen, wie etwa Verengungen der ableitenden Harnwege, nicht richtig abfließen und dadurch kommt es zu einer Nierenbeckenentzündung.

Akute und chronische Nierenbeckenentzündungen gehen mit unterschiedlichen Symptomen einher.

Anzeichen einer akuten Nierenbeckenentzündung

Die akute Nierenbeckenentzündung weist eine typische Symptomtrias auf, also eine Gruppe von drei Symptomen:

  • Fieber über 38 °C, eventuell begleitet von Schüttelfrost
  • Nierenschmerzen beziehungsweise Flankenschmerzen, wenn man diese mit dem Finger ausklopft („Klopfschmerz“)
  • Schmerzhaftes und/oder erschwertes Wasserlassen

Daneben können noch weitere Anzeichen auftreten, wie etwa Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen, die in den Rücken ausstrahlen.

Wenn eine Nierenbeckenentzündung ohne Fieber oder andere eindeutige Beschwerden auftritt, spricht man von einer atypischen Pyelonephritis.

Chronische Nierenbeckenentzündung – oft diffuse Anzeichen

Ein akuter Schub einer chronischen Nierenbeckenentzündung ist klinisch nicht von der akuten Form zu unterscheiden. Zusätzlich kann die chronische Form mit uncharakteristischen Symptomen einhergehen, die auch außerhalb der akuten Schübe auftreten und die Diagnose erschweren können. Dazu gehören:

  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Dumpfe Rückenschmerzen  
  • Anämie (Blutarmut)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)

Meist sind Kinder von einer chronischen Nierenbeckenentzündung betroffen.

Wie erkennt der Arzt eine Nierenbeckenentzündung?

Abgesehen von den typischen Beschwerden, die Betroffene dem Arzt schildern, können einige diagnostische Maßnahmen weitere Hinweise auf eine Nierenbeckenentzündung liefern. So kann der Arzt etwa Urin und Blut auf Bakterien und Entzündungswerte untersuchen (Kreatinin, C-reaktives Protein CRP und Leukozyten). Dabei kann zugleich bestimmt werden, welches Bakterium genau vorliegt, um das passende Antibiotikum zu wählen.

Des Weiteren müssen die Nieren sonografisch untersucht werden, das heißt per Ultraschall. Das ist wichtig, um einen komplizierten Harnwegsinfekt auszuschließen, also um nachzuprüfen, ob anatomischen Anomalien wie etwa Verengungen, Verschrumpfungen oder Erweiterungen vorliegen. Auch müssen Nierensteine oder eine Schrumpfniere ausgeschlossen werden, da diese eine andere Therapie erfordern würden.

Ergibt der Ultraschall keine klare Diagnose, kann der Arzt weitere Methoden nutzen, wie etwa:

  • Kontrastmittel-CT (Computertomografie)
  • Miktionsurethrogramm (Röntgenuntersuchung der Harnblase)
  • Urodynamik (Röntgen der Harnwege zu verschiedenen Zeitpunkten)

Das Prinzip bei diesen diagnostischen Methoden ist immer gleich: Man füllt eine Flüssigkeit als Kontrastmittel in die Harnwege ein und kann anhand dieser unter einem Röntgenbild beurteilen, wie gut oder schlecht sie abfließt.

 

Behandlung einer Nierenbeckenentzündung

Liegt bereits hohes Fieber vor und schmerzt die Flanke beim Klopfen, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht und eine Behandlung mit Medikamenten eingeleitet werden. Welche Therapie bei einer Nierenbeckenentzündung gewählt wird und wie lange die Behandlung dauert, hängt davon ab, welches Bakterium vorliegt und welche Ursache dem Infekt zugrunde liegt. Zudem birgt die Therapie bei schwangeren Frauen Besonderheiten.

Eine unkomplizierte, akute Nierenbeckenentzündung wird mit den Antibiotika Ciprofloxacin, Levofloxacin oder Cefpodoxim über eine Dauer von sieben bis zehn Tagen behandelt.

Bei der chronischen Pyelonephritis wird zunächst die Ursache des Infekts gesucht und nach Möglichkeit beseitigt. Das bedeutet, der Arzt prüft, ob anatomische Anomalien die Entzündung verursacht haben. Bei Betroffenen mit einem vesikouretralen Reflux kann beispielsweise mit einer minimalinvasiven Operation ein kleines Silikonventil in den Harnleiter eingesetzt werden. Dies verhindert ein Zurücklaufen des Harns in die Niere und senkt somit erheblich das Infektrisiko.

Außerdem bestimmt der Arzt gezielt das Bakterium und verabreicht dem Betroffenen das passende Antibiotikum. Liegen bereits Komplikationen wie Bluthochdruck oder Niereninsuffizienz vor, müssen diese Krankheitsbilder entsprechend ebenfalls behandelt werden.

Was tun bei einer Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft?

Bei Schwangeren erfolgt die Behandlung der Nierenbeckenentzündung meistens wie bei der unkomplizierten, akuten Nierenbeckenentzündung. Allerdings dürfen aufgrund der Schwangerschaft einige Antibiotika, die sogenannten Fluorchinolone, nicht verwendet werden. Dazu zählen beispielsweise Ciprofloxacin und Levofloxacin.

Stattdessen kommen Amoxicillin, Clavulansäure, Cefpodoxim oder Ceftibuten zum Einsatz. Bei einem schweren Verlauf der Nierenbeckenentzündung ist es möglich, unter einer strengen Risiko-Nutzen-Abwägung sogenannte Beta-Lactam-Antibiotika einzusetzen. Das ist eine Gruppe von Antibiotika mit einem breiten Wirkungsspektrum, zu denen unter anderem Penicillin zählt.

Was hilft außerdem bei einer Nierenbeckenentzündung?

Allgemeine Maßnahmen bei der Therapie sind strenge Bettruhe (je nach Schwere und Verlaufsform ein bis zwei Wochen) sowie eine Erhöhung der Trinkmenge (mindestens zwei bis drei Liter). Bei starken Beschwerden können Schmerzmittel und Fiebersenker zum Einsatz kommen, wobei bei der Auswahl der Medikamente zu beachten ist, dass sie nicht nierenschädlich sein dürfen.

Aufgrund der möglichen Komplikationen und der Gefahr einer Chronifizierung wird von einer alleinigen Behandlung mit Hausmitteln dringend abzuraten. Allerdings kann man sich mit einigen zusätzlichen Maßnahmen behelfen. So können Tee aus Pfefferminze oder Immergrüner Bärentraube sowie Wärme durch ein Wärmekissen die Symptome lindern, aber niemals ein Antibiotikum ersetzen.

Wie ist der Verlauf einer Nierenbeckenentzündung?

Ist die Entzündung akut und liegen keine anatomischen Komplikationen vor, heilt eine Nierenbeckenentzündung in den meisten Fällen folgenlos aus.

Bei der chronischen Nierenbeckenentzündung ist die Prognose hingegen schlechter: Eine vollständige Heilung ist so gut wie nie zu erwarten. Allerdings können regelmäßige Kontrollen beim Arzt und vorbeugende Maßnahmen die Häufigkeit und Schwere der akuten Schübe einer chronischen Entzündung erheblich eindämmen.

Komplikationen: Wie gefährlich kann eine Nierenbeckenentzündung sein?

Eine Nierenbeckenentzündung muss immer antibiotisch behandelt werden, da sonst schwere Komplikationen zu befürchten sind. So kann beispielsweise eine eitrige Nierenentzündung oder ein Abszess, also eine mit Eiter gefüllte Höhle, in oder neben der Niere entstehen.

Aus dieser wiederum kann sich eine Urosepsis entwickeln, also eine von den harnableitenden Organen ausgehende Sepsis (Blutvergiftung). Eine Sepsis bezeichnet einen allgemeinen Zusammenbruch des Kreislaufsystems aufgrund von Toxinen (Giften) oder Entzündungsparametern, die im Rahmen einer Infektion ausgeschüttet werden. Unbehandelt kann sie innerhalb weniger Stunden oder Tage zum Tod führen. Die Sterblichkeit bei einer Sepsis liegt, trotz Therapie und je nach Schwere, etwa zwischen 10 und 40 Prozent.

Sind die Harnleiter, zum Beispiel durch Eiteransammlungen oder durch Gefäßschäden, verengt, so kann das Nierenbecken durch zu viel gestaute Flüssigkeit erweitert werden. Man spricht dann von einer Hydronephrose oder Harnstauungsniere. Infiziert sich diese noch zusätzlich (Pyonephrose), so steigt das Risiko für die Entstehung einer Schrumpfniere. Dabei geht durch entzündliche Prozesse gesundes Nierengewebe zugrunde und wird durch Bindegewebe ersetzt, sodass das Organ einen erheblichen Teil seiner Masse und Funktion verliert.

Aber auch andere Formen der Niereninsuffizienz können die Folge einer unbehandelten Nierenbeckenentzündung sein: So kann es etwa zu einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung kommen, da die Niere nicht mehr in der Lage ist, den Harn angemessen zu konzentrieren. Aber auch ein Ungleichgewicht der Salze und Elektrolyte, wie etwa Natrium oder Kalium, kann die Folge sein. Weiterreichende mögliche Komplikationen einer Niereninsuffizienz sind Bluthochdruck und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern.

Wie beugt man einer Nierenbeckenentzündung vor?

Aufgrund der vielen verschiedenen Risikofaktoren lassen sich einige Maßnahmen ergreifen, die direkt oder indirekt einer Nierenbeckenentzündung vorbeugen. Da diese in etwa 90 Prozent der Fälle durch aus der Harnblase aufgesteigende Bakterien verursacht wird, sind dieselben vorbeugenden Maßnahmen ratsam wie bei einer Blasenentzündung (Zystitis). Das sind:

  • ausreichende Trinkmenge
  • Warme Bekleidung an Füßen und Unterbauch
  • Meiden von zu langem Baden in kaltem Wasser
  • Bei Frauen Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr
  • Angemessene Intimhygiene (weder zu viel noch zu wenig)

Liegt mehr als drei Mal im Jahr oder zwei Mal pro Halbjahr eine Blasenentzündung vor, so ist eine antibiotische Prophylaxe zu erwägen. Das bedeutet, es wird als Vorbeugung eine geringe Menge Antibiotikum verabreicht, um diese wiederkehrenden Infekte zu vermeiden. Eine Prophylaxe ist auch zu empfehlen bei Menschen mit vesikouretralem Reflux oder anderen anatomischen Anomalien, die Entzündungen begünstigen.

Andere Risikofaktoren, die (wenn auch nur indirekt) beeinflussbar sind, sind Diabetes mellitus und Gicht. Liegen diese Krankheiten bereits vor, sollten sie durch eine optimale Insulintherapie beziehungsweise ausreichend Bewegung und eine Ernährungsumstellung behandelt werden, um damit auch der Entstehung einer Nierenbeckenentzündung vorzubeugen.