Neue Behandlungsleitlinie

Wann Opioide bei chronischen Rückenschmerzen sinnvoll sind

Chronische Rückenschmerzen können auch nach der neuesten Behandlungsleitlinie mit opioidhaltigen Medikamenten behandelt werden. Die Therapie sollte dabei aber zeitlich befristet sein und durch andere Maßnahmen unterstützt werden.

opioide gegen rückenschmerzen
Bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen werden nun auch opioidhaltige Medikamente empfohlen. Bei der Therapie sollten Risiken und Nutzen abgewogen werden.
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Die Langzeitanwendung opioidhaltiger Schmerzmedikamente bei anhaltenden, nicht tumorbedingten Schmerzen wie beispielsweise chronischen Nerven- oder Rückenschmerzen ist umstritten. Eine neue Behandlungsleitlinie bewertet nun den möglichen Nutzen und die Risiken dieser Langzeitanwendung nach dem aktuellen Wissensstand.

Die im September 2014 veröffentlichte Leitlinie unterscheidet grundsätzlich eine zeitlich befristete Einnahme (Dauer zwischen einem und drei Monaten) von einer Langzeitanwendung (länger als drei Monate) von Schmerzmitteln mit morphinartiger Wirkung, also Opioiden. Bei den neuen Empfehlungen wurden sowohl klinische Erfahrungen als auch wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Rückmeldungen von Patientenorganisationen berücksichtigt.

Opioid-Einnahme über Monate hinweg soll die Ausnahme bleiben

Als sinnvoll erachten die Experten eine ein- bis dreimonatige Behandlung mit opioidhaltigen Schmerzmitteln vor allem bei chronischen Rückenschmerzen sowie langfristigen Schmerzen durch diabetische Nervenschädigung, nach Gürtelrose oder Gelenkverschleiß (Arthrose).

Bei anderen, nicht tumorbedingten Schmerzen (zum Beispiel sekundären Kopfschmerzen, chronischen Schmerzen bei Gehirnläsionen oder durch eine manifeste Osteoporose) kann eine Behandlung mit opioidhaltigen Schmerzmitteln als individueller Therapieversuch durchgeführt werden.

Nur in Ausnahmefällen soll eine Dosis von mehr als 120 Milligramm pro Tag orales Morphinäquivalent überschritten werden. Grundsätzlich sollen Opioide nur dann länger als drei Monate eingenommen werden, wenn die Medikamente gut verträglich sind und sich durch die Behandlung die Beschwerden bessern.

Keine alleinige Rückenschmerztherapie mit Opioiden

Bei der medikamentösen Behandlung chronischer (Rücken-)Schmerzen ist es jedoch wichtig, dass die Beschwerden nicht ausschließlich mit opioidhaltigen Analgetika therapiert werden. Vielmehr sollten die Medikamente Teil einer multimodalen Therapie sein. Bei einer solchen Behandlung werden mehrere Strategien kombiniert, um den Rückenschmerz von verschiedenen Seiten aus zu bekämpfen.

Dazu gehören unter anderem Selbsthilfe- und Bewegungsangebote. Physikalische, ergo- und physiotherapeutische sowie psychotherapeutische Verfahren und die Änderung des Lebensstils sollen die medikamentöse Schmerztherapie ergänzen und abrunden.

Gewöhnungseffekt bei längerer Opioid-Gabe

Nach sechs Monaten sollte der Arzt zudem mit dem Patienten bei einem guten Ansprechen der Therapie die Möglichkeit einer Dosisreduktion und eines Auslassversuchs besprechen. Denn mit längerer Einnahme von Opioiden steigt das  Risiko, abhängig zu werden. Zudem kann  sich der Körper an das Medikament gewöhnen, welches auf Dauer immer weniger Wirkung gegen die Schmerzen zeigt.

Die Leitlinie nennt darüber hinaus auch Beschwerden, die grundsätzlich nicht mit opiodhaltigen Schmerzmitteln behandelt werden sollen: Dazu gehören Migräne- und Spannungskopfschmerzen, Schmerzen bei seelischen Störungen (zum Beispiel Depressionen) und bei funktionellen Störungen wie Reizdarm oder Fibromyalgie.

Rückenschmerzen mit sanften Therapien lindern

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. März 2015
Quellen: AWMF und Deutsche Schmerzgesellschaft: S3-Leitlinie Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen - LONTS, Stand September 2014

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